Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Entscheidung zur Organspende fällt heute
Marburg Entscheidung zur Organspende fällt heute
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:57 16.01.2020
So sieht er aus: ein Organspendeausweis. Mit dem Thema Organspende beschäftigt sich heute der Bundestag und stimmt über zwei fraktionsübergreifende Gesetzes­entwürfe und einen Antrag zum Thema ab. Quelle: Caroline Seidel
Anzeige
Marburg

Sie warten und warten und warten. Auf einen rettenden Anruf. Darauf, dass irgendwo ein Mensch gestorben ist. Sie warten, um selbst zu überleben. Mehr als 9.000 Menschen in Deutschland sind auf eine Organspende angewiesen, weil ihr Körper nicht mehr so funktioniert, wie er soll. Bei etwa 1.000 von ihnen verschlechtert sich der Gesundheitszustand jährlich so sehr, dass entweder keine Transplantation mehr möglich ist – oder sie sterben.

Der Grund dafür: Es mangelt in Deutschland an geeigneten Organspendern. Die Zahl der Spender ging im vergangenen Jahr leicht von 955 auf 932 zurück. „Statistisch gesehen sind das Schwankungen, keine große Änderung“, sagt Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). Die Zahl der gespendeten Organe sank im Jahr 2019 von 3.113 auf insgesamt 2.995. Das waren nach vorläufigen Angaben vom Montag (13. Januar) 1.524 Nieren, 726 Lebern, 329 Lungen, 324 Herzen, 87 Bauchspeicheldrüsen sowie fünf Dünndärme. Jeder Spender hat diesen Zahlen zufolge im Schnitt mehr als drei Schwerkranken eine neue Lebenschance geschenkt.

Anzeige

Die ganze Geschichte über Klaus Zinnecker und Monika Bäcker lesen Sie hier (nach Login frei).

Die Bundespolitik um Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die Problematik auf dem Schirm. Schon 2019 wurde ein Gesetz geändert: Transplantationsbeauftragte in Krankenhäusern werden seitdem gefördert, Schulungen etwa zum Umgang mit Patientenverfügungen und eine bessere Analyse der Todesfälle in Kliniken sollen dazu beitragen, dass die Zahl der Organspenden steigt. Heute stehen darüber hinaus im Bundestag weitere Entscheidungen zu dem Thema an. Zur Abstimmung stehen zwei fraktionsübergreifende Gesetzesentwürfe und ein Antrag der AfD.

Gesundheitsminister Spahn rufen zu einer tiefgreifenden Umstellung auf. Demnach soll künftig jeder als Spender gelten, der nicht widerspricht. Patientenschützer und eine andere Abgeordnetengruppe, die einen Gegenvorschlag vorlegt, untermauerten Bedenken dagegen. Die heutige Abstimmung ohne übliche Fraktionsvorgaben wird mit Spannung erwartet.

"Doppelte Widerspruchslösung"

Spahn sagte, er sei kein Gegner des anderen Entwurfs. „Ich meine nur, dass es zu wenig ist“, sagte er dem Nachrichtenportal t-online.de. Nur die „doppelte Widerspruchslösung“, die er mit einer Gruppe von Abgeordneten vorschlägt, mache einen echten Unterschied. Sie würde die Rechtslage umkehren, wonach Organentnahmen nur bei ausdrücklich erklärtem Ja erlaubt sind. Stattdessen sollen alle Bürger Spender sein, wenn sie dem nicht widersprechen. Sonst wäre noch der nächste Angehörige zu fragen, ob er einen Widerspruch kennt.

Wer sich zur Organspende bereiterklären möchte, braucht derzeit nur einen Organspendeausweis. Diesen gibt es unter anderem in Apotheken und Arztpraxen, über das Infotelefon „Organspende“ oder im Internet etwa bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Die Entscheidung für oder gegen eine Spende wird nirgendwo registriert. Wer seine Meinung ändert, vernichtet einfach seinen Ausweis. Spender werden kann prinzipiell jeder. Bereits ab dem 14. Lebensjahr kann man einer Organ- und Gewebespende widersprechen, ab dem 16. Lebensjahr einer Spende zustimmen oder widersprechen. Bis zum 14. Lebensjahr entscheiden die Erziehungsberechtigten für ihre Kinder.

Auf dem Spenderausweis kann einer Organ- und Gewebespende nicht nur zugestimmt, sondern auch abgelehnt werden. 

von Katharina Kaufmann-Hirsch und Marco Krefting