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Marburg Das dritte „Corona-Semester“ in Folge droht
Marburg Das dritte „Corona-Semester“ in Folge droht
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09:58 21.01.2021
Ein Student geht alleine vor der Universitätsbibliothek.
Ein Student geht alleine vor der Universitätsbibliothek. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Und es wird ebenso wie die beiden vorangegangenen Semester ganz im Zeichen der Pandemie-Beschränkungen stehen, wie die Marburger Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause im Gespräch mit der OP erläuterte.

Geplant ist vonseiten des Präsidiums nach dem jetzigen Stand ein sogenanntes „Hybrid-Semester“ mit einer Mischung aus bis zu 30 Prozent Präsenzlehre und rund 70 Prozent Online-Elementen in der Lehre. Im Prinzip war das auch schon die Vorgabe, nach der auch das laufende Wintersemester 2020/21 gestaltet werden sollte.

Doch nach dem Start Anfang November machte der Lockdown Anfang Dezember den Uni-Verantwortlichen schon nach wenigen Wochen einen Strich durch die Rechnung. Momentan gibt es ähnlich wie in der zweiten Hälfte des Sommersemesters 2020 kaum Präsenzveranstaltungen an der Universität – mit der Ausnahme von Laborpraktika und ähnlichen Formaten, für die eine Anwesenheit zwingend notwendig ist.

Eigentlich wollte die Uni-Leitung schon in diesem Wintersemester über diese Praktika hinaus zumindest den Erst- und Zweitsemestern Präsenz- oder Hybridseminare anbieten, was eben momentan nicht geht. „Das werden wir aber wieder versuchen, sobald es wieder möglich ist“, kündigte die Präsidentin an. „Wir hoffen auf die wärmere Jahreszeit und wollen dann mehr vom normalen Uni-Dasein zurückgewinnen“, sagt Krause. „Die Universität lebt von Austausch in der Präsenz“, betont sie. Wenn jetzt alle Veranstaltungen – also nicht nur Lehrveranstaltungen, sondern auch Workshops oder Konferenzen – nur noch digital stattfänden, dann gehe viel von dem verloren, was den Kern der Hochschule ausmache. So fehle das Informelle und das spontane Entwickeln von Gedanken in Wissenschaft und Lehre.

Besonders bedenkenswert sei dies sicher im Fall der studentischen Neuanfänger, meint die Präsidentin. Ein Bachelor-Studiengang dauert sechs Semester. Das kommende Sommersemester sei aber bereits das dritte Semester hintereinander, dass durch die Corona-Pandemie massiv eingeschränkt werde. „Eine große Gruppe von Studierenden hat jetzt schon sehr viel gelernt, mit modernen Medien umzugehen und sich selbst zu organisieren“, sagt Krause. Und dieses müssten sie in ihrem Studium weitgehend alleine und auf sich gestellt bewerkstelligen, ohne die zuvor übliche Gruppe der gleichaltrigen Kommilitonen. „Davor habe ich großen Respekt“, sagt die Präsidentin.

Frühestens ab dem kommenden Winterhalbjahr setzt sie im Studienbetrieb auf eine halbwegs geordnete Rückkehr zu den Vor-Corona-Bedingungen. „Ich gehe für das Wintersemester 2021/22 von einem Normalbetrieb aus, allerdings gemischt mit digitalen Elementen, die wir zu schätzen wissen“, sagt die Präsidentin.

Das Szenario, wonach die Uni Marburg sich auch aufgrund der durch Corona beschleunigten Digitalisierung mittelfristig zu einer Art „Fernuniversität plus“ entwickele, in der es immer weniger Studierende mit ihrem Lebensschwerpunkt in der Universitätsstadt gebe, bezeichnet Krause auf OP-Anfrage als unrealistisch. „Ich denke, es wird eher das Gegenteil zutreffen“, sagt die Präsidentin. Alle Hochschulmitglieder werden nach Corona aus ihrer Sicht wieder das Prinzip der Anwesenheit zu schätzen wissen.

Ein Studium bedeute immer auch für die Studierenden einen Aufbruch weg von zuhause und hin zu etwas Neuem und Anderen. Und das werde auch in einer Nach-Corona-Zeit wieder so ähnlich sein, prophezeit die Präsidentin. Das sei wahrscheinlich auch in einer klassischen Universitätsstadt wie Marburg noch einmal anders als in einer Großstadt mit einer Hochschule.

Von Manfred Hitzeroth

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