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Marburg Vielstimmig auf der Suche nach Gerechtigkeit
Marburg Vielstimmig auf der Suche nach Gerechtigkeit
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10:58 30.05.2021
Die Collage soll die Vielstimmigkeit des Ensembles des Hessischen Landestheaters Marburg verdeutlichen.
Die Collage soll die Vielstimmigkeit des Ensembles des Hessischen Landestheaters Marburg verdeutlichen. Quelle: Annette Hauschild/Lex Karelly
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Marburg

Polyphonie (Vielstimmigkeit) und Gerechtigkeit lautet das Motto des Hessischen Landestheaters Marburg für die kommende Spielzeit 2021/22. Nach zwei Spielzeiten, die erheblich durch die Corona-Pandemie beeinträchtigt wurden, hoffen die Intendantinnen Carola Unser und Eva Lange und ihr Team, ab Herbst wieder Theater vor Publikum anbieten zu können. Angesichts sinkender Inzidenzzahlen sind sie auch zuversichtlich, schon im Juni das Kultmusical „Hair“ open air auf der Schlossparkbühne und sogar die Hessischen Theatertage 2021, die vom 20. bis 26. Juni in Marburg stattfinden, vor Publikum anbieten zu können – selbstverständlich mit Hygienekonzepten und Corona-Abstandsregelungen.

Marburgs Oberbürgermeister und Kulturdezernent Dr. Thomas Spies (SPD) sagte gestern bei der Pressekonferenz, die Corona-bedingt online stattfand: „Wir haben mehr als ein Jahr hinter uns, in dem wir Theater, wie wir es lieben, nicht erleben konnten.“

Das Theater ist nicht wegzudenken

Theater ohne Publikum sei nicht wirklich Theater. Und Theater sei in einer diskursfreudigen Stadt wie Marburg nicht wegzudenken.

Eineinhalb Jahre lang haben die Intendantinnen Unser und Lange mit ihrem Team an dem Spielplan getüftelt. Die kommende Spielzeit ist ihre vierte in Marburg. Die letzten beiden waren keineswegs leicht. Seit März 2020 gab es wegen der Corona-Pandemie immer wieder Lockdowns. Aufführungen und Premieren mussten reihenweise abgesagt werden, Proben waren oft gar nicht, und wenn, dann eingeschränkt, möglich.

Geplant sind 14 Premieren

Das, hoffen die Theatermacherinnen und -macher ebenso wie die Theaterfans, wird sich im Herbst zum Start in die neue Spielzeit ändern. Beim Verkauf von Gastspielen habe sie einen Hunger nach Kulturangeboten verspürt, sagte Intendantin Carola Unser. Trotz der Beeinträchtigungen durch die Corona-Pandemie plant das Landestheater in der kommenden Spielzeit 14 Premieren.

Wobei man im Grunde noch drei Produktionen dazu zählen muss, die im Repertoire aufgeführt sind: Sowohl die Komödie „Der nackte Wahnsinn“ als auch das Max-Frisch-Drama „Biedermann und die Brandstifter“ und die Uraufführung des Musikstücks „Soundtrack eines Lebens“ sind Premieren, denn sie waren eigentlich in der laufenden Spielzeit geplant, konnten wegen Corona jedoch nie aufgeführt werden. Die Termine für diese drei Stücke stehen noch nicht fest.

Eröffnet wird die Spielzeit am 17. September

Eröffnet wird die Spielzeit 2020/21 am 17. September mit „Amsterdam“ von der in Israel geborenen Autorin Maya Arad Yasur im Erwin-Piscator-Haus. „Amsterdam“ ist Gegenwartsdramatik, das Stück wurde 2018 mit dem Stückemarktpreis des Berliner Theatertreffens ausgezeichnet. Wer Theaterklassiker etwa von Shakespeare, Goethe, Schiller oder Brecht sucht, wird in dem sehr politischen Spielplan nicht fündig.

Dafür stehen gleich sieben Uraufführungen auf dem Programm – darunter sind etwa „Pollesch wäre das nicht passiert“ (2. Oktober) von der Marburger Stadtschreiberin Anah Filou und „Hannah! Das Erwachen eines politischen Bewusstseins“ von Christian Franke (11. Dezember). Beide Stücke waren ursprünglich ebenfalls bereits in den Corona-Spielzeiten geplant, mussten aber gestrichen werden.

Soloabend mit Jürgen Helmut Keuchel

Kinder und Familien dürfen sich auf ein Weihnachtsstück des syrisch-deutschen Bestsellerautors Rafik Schami freuen: Sein Märchen „Fatima oder die Befreiung der Träume“ hat am 1. November Premiere. Ein ungewöhnliches Musiktheaterstück gibt es ab dem 12. Februar im Erwin-Piscator-Haus zu sehen: die Junk-Opera „Shockheaded Peter“ nach Motiven des Kinderbuchklassikers „Der Struwwelpeter“ von Heinrich Hoffmann mit Musik der Londoner Band „The Tiger Lillys“.

Die vielen Fans von Jürgen Helmut Keuchel, dem ältesten Ensemblemitglied, dürfen sich auf einen Soloabend mit dem Schauspieler freuen. Unter dem Titel „Schneckenweisheiten oder: Das Mittel gegen Einsamkeit“ präsentiert er eigene Gedichte. Der lyrisch-musikalische Abend hat am 1. Oktober im Theater am Schwanhof Premiere.

Spielort für Stück von Filou wird noch gesucht

Die Spielzeit wird beendet mit einer großen Open-Air-Premiere des Stückes zum großen Geburtstag Marburg 800, an dem die Wienerin Anah Filou gerade arbeitet (die OP berichtete). Regie führen wird Intendantin Carola Unser, der Spielort sei noch offen, sagte sie: von der Freilichtbühne über den Platz vor dem Erwin-Piscator-Haus bis zum Richtsberg sei alles denkbar.

Neu im Ensemble sind Thorsten Danner, der unter anderem am Nationaltheater Mannheim spielte, und Mia Wiederstein und Eike Mathis Hackmann, die beide direkt von Theaterschulen kommen.

Der Spielplan 2021/22

„Amsterdam“ von Maya Arad Yasur: Premiere ist am 17. September im Erwin-Piscator-Haus (ab 14)

„Das XIS wird nicht gehört“: (Uraufführung / UA) von und mit dem XIS, Musiktheaterstück (ab 3), Premiere: 18. September, Theater am Schwanhof.

„Schneckenweisheiten oder: Das Mittel gegen Einsamkeit“ (UA), ein lyrisch-musikalischer Abend für Menschen ab 14 Jahren von und mit Jürgen Helmut Keuchel; Premiere: 1. Oktober, Theater am Schwanhof.

„Pollesch wäre das nicht passiert“ (UA) von Anah Filou, politische Gegenwartsdramatik (ab 15 Jahren); Premiere: 2. Oktober, Theater am Schwanhof.

„Die Botschaft der Baumfrau“ (UA) von Julia Butterfly Hil, Klassenzimmerstück (ab 12); Premiere: 29. Oktober.

„Der Fiskus“ von Felicia Zeller, Komödie (ab 14); Premiere: 20. November, Theater am Schwanhof.

„Fatima oder die Befreiung der Träume“ von Rafik Schami, Familienstück zur Weihnachtszeit (ab 6); Premiere: 21. November, Erwin-Piscator-Haus.

„Hannah! Oder das Erwachen eines politischen Bewusstseins“  (UA) von Christian Franke (ab 15); Premiere: 11. Dezember, Theater am Schwanhof.

„Bilder deiner großen Liebe“ nach dem Romanfragment von Wolfgang Herrndorf (ab 13); Premiere: 22. Januar 2022, Theater am Schwanhof.

„Struwwelpeter (Shockheaded Peter)“ – eine Junk-Oper nach Motiven von Heinrich Hoffmann (ab 14), Premiere: 12. Februar 2022, Erwin-Piscator-Haus.

„Die Welt im Rücken“ von Thomas Melle, Romanadaption in einer Bühnenfassung der Marburger Dramaturgin Christin Ihle (ab 15); Premiere: 12. März 2022, Theater am Schwanhof.

Kleist-Förderpreis für junge Dramatikerinnen und Dramatiker 2022 (UA), Autorin oder Autor noch unbekannt; Premiere: 30. April, Theater am Schwanhof.

Das Stück zur Zeit, Autorin oder Autor noch unbekannt; Präsentation: 14. Mai, Ort wird noch bekanntgegeben

„800 (Das Theaterstück)“ (UA) von Anah Filou, das Stück zum Marburger Geburtstag (ab 14); Premiere: 11. Juni, Ort wird noch bekanntgegeben.

Von Uwe Badouin

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