Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Der Plastikbaum ist keine gute Alternative
Marburg Der Plastikbaum ist keine gute Alternative
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:00 14.12.2021
Stoffbeutel und -taschen mit weihnachtlichen Motiven können für jedes Geschenk unter dem Weihnachtsbaum eingesetzt werden und das auf Jahrzehnte. So kann man den Berg an Geschenkpapier einsparen und die Umwelt entlasten.
Stoffbeutel und -taschen mit weihnachtlichen Motiven können für jedes Geschenk unter dem Weihnachtsbaum eingesetzt werden und das auf Jahrzehnte. So kann man den Berg an Geschenkpapier einsparen und die Umwelt entlasten. Quelle: Götz Schaub
Anzeige
Marburg

„Dieses Jahr wird Weihnachten bei uns nachhaltiger…, also umweltbewusster gefeiert.“ – Diese Aussage gibt es tatsächlich immer öfter zu hören. Und ja, es gibt eine Menge Möglichkeiten, umweltbewusster zu agieren, ohne sich den Zauber der Festtage nachhaltig zu verderben. Aber wie vorgehen, was kann man einsparen, verändern, umweltfreundlicher gestalten? Nachfolgend ein paar Tipps.

Fangen wir mal mit etwas Wesentlichem an, dem Weihnachtsbaum. Die Palette reicht da von „Der muss sein“ bis „Dieses Jahr erstmals ohne, der Umwelt zuliebe“. Manche sagen auch: „Ein Plastikbaum tut es auch und kann jedes Jahr wieder eingesetzt werden.“

Also, ein Weihnachtsbaum aus Plastik, damit weniger Bäume gefällt werden, der zudem perfekt geformt ist? „Diesem Trend sollte man besser nicht folgen, denn künstliche Weihnachtsbäume sind nicht umweltfreundlicher als natürliche.

Sie werden häufig importiert und sind schlecht recycelbar, meldet sich der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland zu Wort. Und bekommt Schützenhilfe: „Plastikbäume müssen zudem mindestens 20 Jahre lang zu Weihnachten aufgestellt werden, um eine bessere Umweltbilanz als ihre natürlich gewachsenen Nadelbäume zu erzielen“, sagt Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des Naturschutzbundes Hessen.

Wow, das ist mal eine Ansage. Dann doch lieber einen echten Baum? Nun, auch da kann man noch etwas Einfluss nehmen. Umweltfreundlich sind Weihnachtsbäume aus nachhaltigem und ökologischem Anbau. Konventionell erzeugte Weihnachtsbäume wachsen üblicherweise auf Intensiv-Plantagen: „Dort wird stark gespritzt und gedüngt – zum Schaden von Tieren, Pflanzen, Gewässern und Böden“, informiert der BUND weiter.

Vorsicht vor Stromschlägen und Kurzschlüssen

Eine jährlich aktuelle Liste von ökologischen Weihnachtsbaum-Bezugsquellen veröffentlicht die Umweltorganisation Robin Wood. Immer öfter lassen sich auch kleinere Bäume im Topf finden, die man später im eigenen Garten „auswildern“ kann.

Nun, Stromverbrauch hin oder her, zu Weihnachten muss es für viele Menschen auch schön leuchten. Wer davon nicht abzubringen ist, sollte sich aber wenigstens Gedanken machen, was er zum Leuchten bringen will, damit es später kein böses Erwachen gibt. „Die elektrische Beleuchtung, egal ob im Haus oder im Freien, kann zur Gefahr werden“, betont der Gießener Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich. In seiner Behörde arbeiten Experten für den Bereich technischer Verbraucherschutz und Produktsicherheit – und die geben Tipps. Dass die ausgewählte Beleuchtung nicht immer den erforderlichen technischen Standards entspricht, wissen die RP-Mitarbeiter und Verbraucherschützer Michael Axmann, Stefan Wingenbach und Maximilian Baier nur zu gut.

Stromschläge und Kurzschlüsse zählen dabei zu den größten Gefahren. Umso wichtiger ist der Blick auf die Sicherheit der verwendeten Produkte. Und das sowohl vor dem Kauf als auch vor dem Gebrauch. „Damit es Lichterglanz ohne böse Überraschungen gibt, muss beim Kauf der Beleuchtung immer die Sicherheit im Vordergrund stehen“, erläutert Michael Axmann. Verbraucher sollten darauf achten, dass die Lichterkette mit einem GS-Prüfzeichen gekennzeichnet ist und das erforderliche CE-Zeichen aufweist. Sein grundsätzlicher Tipp, egal ob drinnen oder draußen dekoriert wird: „Nehmen Sie eine moderne LED-Beleuchtung. Diese ist durch die geringe Spannung sicher und spart auch noch Strom.“ Noch ein Wort zu den Geschenken.

„Dieses Mal soll es nicht so viel werden“ – diesen Satz mag der Handel ja gar nicht hören. Aber das mag wirklich jede und jeder für sich entscheiden. Entscheiden kann natürlich auch jede und jeder, wie die Geschenke besorgt werden. In den Geschäften darf man sich sehr oft über einen besonderen Service freuen. Da werden die Geschenke gleich sehr schön verpackt. Doch gerade was die Verpackung angeht, kann man tatsächlich ganz viel für die Umwelt tun.

Es reicht nämlich schöner Stoff mit verschiedenen Weihnachtsmotiven und schon können Taschen und Beutel in allen Größen als Geschenkummantelung genäht werden. Das Tolle, sie sind immer wieder verwendbar und das ganz sicher auf Jahrzehnte und es gibt keine Geschenkpapierberge.

Bienenwachskerzen: Reise um den halben Globus?

Noch ein Wort zur Gemütlichkeit. Dazu gehören gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit wie auch an den Festtagen selbst Kerzen. Auch da lässt sich was machen. Das „RAL“-Gütezeichen gewährleistet beispielsweise, dass die Kerzen wirklich ruß- und rauchfrei sind, und dass keine Rohstoffe und Farben verwendet wurden, die Luftschadstoffe verursachen.

Und bei den Teelichtern sollte man sich bewusst machen, dass die Aluminiumhüllen durch Einmal-Nutzung auch nur Ressourcen verschwenden. Warum nicht ein Packen Teelichter ohne Alu-Töpfchen kaufen und gebrauchte Töpfchen wieder damit bestücken? Und: Wer Bienenwachskerzen mag, sollte beim Kauf schon mal nachfragen, woher die Kerzen stammen. Die Bienenwachs-Reserven in Deutschland sind nämlich alles andere als üppig, entsprechend hoch ist der Preis. Oftmals kommen die Bienenwachskerzen tatsächlich aus China, was die Öko-Bilanz dann ordentlich drückt.

Von Götz Schaub

14.12.2021
13.12.2021
13.12.2021