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Marburg Der Möglichmacher der Stars
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14:58 06.06.2021
Dutzende Event- und Messeausweise hat Veranstaltungsleiter Holger Berghöfer als Erinnerung an unzählige Großevents aufgehoben.
Dutzende Event- und Messeausweise hat Veranstaltungsleiter Holger Berghöfer als Erinnerung an unzählige Großevents aufgehoben. Quelle: Ina Tannert
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Marburg

Die Ruhe und den Panoramablick von seiner Marburger Dachgeschosswohnung kann Holger Berghöfer durchaus genießen, doch die Langeweile lässt den 51-Jährigen seit nunmehr als einem Jahr nicht los. Eigentlich ist er das ganze Jahr über in der Welt unterwegs, jettet von einer Bühne zur nächsten. Immer mit dabei sind Weltstars, Künstlergrößen, Schauspieler, Firmenbosse, Prominente aller Branchen. Sie rufen ihn beim Vornamen, doch sein Beruf lässt sich nicht mit nur einem Wort beschreiben.

Holger Berghöfer ist Veranstaltungsleiter, Künstler-Begleiter, Organisator, Mittelsmann und Mädchen für alles, verbringt normalerweise mindestens vier Monate im Jahr im Ausland auf Großveranstaltungen, Messen, Präsentationen der Automobilbranche, Mega-Konzerten, Firmenevents. Hierzulande dürfte er zudem noch als früherer Besitzer der Diskothek „PAF“ oder Gründer des „Hugos“ bekannt sein. „Die Gastro und Events sind meine Welt“, sagt der Mann, der gerne und viel lacht. Dabei läuft er gerade dann zur Höchstform auf, wenn der Spaß vorbei ist.

Mann mit dem Klemmbrett

Er ist Problemlöser und „der Mann mit dem Klemmbrett“ – ein Utensil, das bei jeder Flugreise im Charter-Flieger oder Privatjet mit im Gepäck ist. Darauf die Namen aller Passagiere mit Rang und Namen, sein Job ist es, sicherzustellen, dass alle an Bord sind und jeden, der es noch nicht ist, dort irgendwie reinzubringen.

Und nebenbei wird jede Art von Extrawunsch erfüllt. Es fehlen Bananen im Obstkorb? Der Star hat ein Gepäckstück vergessen oder will noch kurz vor Abflug den Lieblings-Burger haben? Kein Problem, irgendwie muss Holger Berghöfer das hinbiegen, hat alles Wichtige und vermeintlich Unwichtige im Blick. „Ich bin das Backup, der Wünsche-Erfüller, der alles möglich macht und dem Veranstalter den Stress nimmt“, beschreibt er seinen Beruf, für ihn eher eine Berufung.

Rettung der Hose

Er genießt es, das Chaos zu ordnen, die abwechslungsreichen Aufgaben, zu zeigen, was er in kurzer Zeit möglich machen kann: „Ich kann ein bisschen zaubern, nur ein bisschen“, sagt er grinsend über sich selber.

Ein reales Beispiel aus der Vergangenheit: Was ist zu tun, wenn einem namhaften Firmenchef einer bekannten Aktiengesellschaft kurz vor einer wichtigen Präsentation die Hose reißt? Knapp zehn Minuten hatte Berghöfer Zeit die Misere auszubügeln, bevor der Redner auf die Bühne musste. Er hängte sich ans Telefon, rief das größte Hotel der Stadt an, „Hotels sind oft eine wichtige Hilfe bei so etwas“, verrät er. Von einem Ansprechpartner zum nächsten weitergereicht, organisierte er tatsächlich rechtzeitig Nähzeug und jemanden, der nähen konnte, die Hose und damit den Redner vor einer Blamage rettete.

Einfallsreichtum wichtige Eigenschaft

Namen nennt Holger Berghöfer dabei nicht, Verschwiegenheit und Vertrauen in seine Person gehört zu seinem Job ebenso maßgeblich dazu wie Einfallsreichtum. Gerade in nahezu ausweglosen Situationen tritt er als „Möglichmacher“ in Aktion, „dann steigt der Adrenalinpegel, dann geht es um viel, das liegt mir einfach“, schwärmt er.

Nur einmal schaffte er es nicht, zu „zaubern“ – bei einem Job brannte kurz vor einer Veranstaltung ein komplettes Tagungszentrum ab, trotz seines ausgedehnten Netzwerks konnte er nicht auf die Schnelle einen Ersatz für Hunderte Gäste organisieren.

Zur Untätigkeit verdammt

Seit über einem Jahr ist er nun zur Untätigkeit verdammt, die Veranstaltungsbranche liegt am Boden, „sie ist fast tot, da blutet mir das Herz“, sagt Holger Berghöfer frustriert. Gezwungenermaßen musste er sich Alternativen suchen und fand neue Aufgaben: Er hat sich zum Hygienebeauftragten im Veranstaltungswesen weiterbilden lassen, behält das Hygienekonzept bei Präsenzveranstaltungen im Blick, von Schulungen bis Meetings.

Eine Marktlücke, die durch die Pandemie erst entstanden ist. Und diese Nische werde wohl auch danach bleiben, Veranstaltungen mit umfangreichen Hygienekonzepten werden auch künftig eine höhere Bedeutung haben. Ein Vorteil für ihn: Mit weiteren Lockerungen könnte die Kultur- und Veranstaltungsbranche wieder hochfahren, sein neuer Job dürfte dann seinen alten noch ergänzen. Doch sein großer Traum wäre es eigentlich, große Tourneen namhafter Künstler zu begleiten und dort seine „Zauberkünste“ anwenden zu können – „das wäre das next level“.

Von Ina Tannert

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