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Marburg Was hat er bewirkt?
Marburg Was hat er bewirkt?
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20:00 03.11.2019
Das war die Schlagzeile der Oberhessischen Presse am 11. November 1989.
Marburg

Im Ausland wurde über ein schnelles Ende der DDR spekuliert. Und dann geschah alles doch ganz schnell, als SED-Politbüromitglied Günther Schabowski am frühen Abend des 9. November eher aus Versehen erklärte, die Menschen könnten ab sofort die DDR ohne Grenzkontrollen verlassen.

Noch am gleichen Abend öffneten sich die Schlagbäume, in Berlin stürmten Tausende die Mauer zwischen Ost- und Westberlin. Das Ende der DDR war eingeläutet. Ein knappes Jahr später, am 3. Oktober 1990, war Deutschland wieder vereinigt.

Die OP blickt in dieser Woche zurück auf die dramatischen Tage im November 1989. Wir erinnern an Begrüßungsgeld und Flüchtlingslager, an Trabis und Freudentränen. Und wir stellen die Frage, was sich in den vergangenen 30 Jahren verändert hat. Auch im Verhältnis zwischen „Ossis“ und „Wessis“ – eine Frage, die heute so aktuell zu sein scheint wie damals.

Was sind Ihre Erinnerungen an den Mauerfall vor 30 Jahren? Schreiben Sie sie uns gerne per E-Mail an feedback@op-marburg.de

Kalenderblatt

4. November 1989

Bonn. Wiedervereinigung wird sehr schnell gehen
Der französische Staatspräsident Francois Mitterand erwartet eine schnelle Wiedervereinigung beider deutscher Staaten und hat keine Angst vor dieser Entwicklung. Das sagte er gestern zum Abschluß der deutsch-französischen Konsultationen in Bonn. „Es wird schnell gehen, sehr schnell, aber vielleicht nicht so schnell, wie manche sich das wünschen“, sagte Mitterand.

Bonn. Bundeskanzler reist nach Kreisau statt Annaberg
In Kreisau hatten sich während des zweiten Weltkrieges deutsche Widerstandskämpfer zum „Kreisauer Kreis“ zusammengefunden. Bonns Regierungssprecher Klein: Kreisau erinnere „an das andere Deutschland in der Zeit des Nationalsozialismus und symbolisiert im tiefsten Sinne den Willen zu Frieden, Aussöhnung und Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Polen“. Der Name Annaberg dagegen weckt in Polen ungute Erinnerungen, weil Angehörige deutscher Freikorps 1921 dort polnische Aufständische zusammengeschossen hatten. Daher hatte sich in Polen allgemeiner Protest gegen den Besuch Kohls erhoben.

Bühl. Minister fürchten Abbau der Grenzkontrollen
Die Innenminister der Bundesländer haben sich in einer Tagung auf der Bühlerhöhe in Baden dagegen ausgesprochen, die Grenzkontrollen zwischen der Bundesrepublik, Frankreich und den Benelux-Ländern zum vorgesehenen Zeitpunkt, am 1. Januar 1990, abzubauen. Der Vorsitzende der Konferenz, der baden-württembergische Innenminister Schlee (CDU), sagte, die Voraussetzungen für ein effektives grenzüberschreitendes Informations- und Kommunikationssystem könnten in Kürze nicht geschaffen werden.

München. Naturschützer fordern Schließung von Skiliften
Der bayerische Bund Naturschutz hat die Schließung von umweltschädlichen Liftanlagen und Skistationen in den Alpen gefordert. Ein Sprecher der Organisation sagte, eine erste Untersuchung von 150 Pisten habe ergeben, daß knapp die Hälfte davon in Landschafts- und Naturschutzgebieten lägen. Nach Angaben des Bundes Naturschutz sind auf 65 Prozent der Skipisten Gastronomiebetriebe zu finden, von denen knapp die Hälfte an eine ordentliche Müllentsorgung angeschlossen ist.

Marburg. Engpaß-Jahre stehen der Stadt bevor
186,3 Millionen Mark im Verwaltungs- und fast 64 Millionen Mark im Vermögenshaushalt – damit soll die Stadt im nächsten Jahr wirtschaften. Den Entwurf des in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichenen Etats stellte Kämmerer Oberbürgermeister Dr. Hanno Drechsler gestern im Parlament vor. Die Situation, so Drechsler, habe sich gegenüber dem Vorjahr weiter verschlechtert. Der Vermögenshaushalt ging um zehn Prozent zurück. Für nächstes Jahr müssen nach den Worten des Kämmerers Kredite her in Höhe von mehr als 23 Millionen Mark.

von Till Conrad