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Marburg Physiker und Autor stirbt mit 90 Jahren
Marburg Physiker und Autor stirbt mit 90 Jahren
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14:58 30.08.2020
Richard Weiner.
Richard Weiner. Quelle: Privatfoto
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Marburg

Dies teilte der Marburger Literaturwissenschaftler Professor Thomas Anz der OP mit. Anz hat im Verlag „LiteraturWissenschaft.de“ soeben auch einen Science-Fiction-Roman aus der Feder von Weiner veröffentlicht. Der schmale Band unter dem Titel „Tagebuch eines Denkcomputers“ ist als eine Art Vermächtnis des Physikers anzusehen. Er ist die Fortsetzung eines Romans aus dem Jahr 2014, der unter dem Titel „Der Aufstand der Denkcomputer“ erschien. Darin ging es um die Zukunft der Künstlichen Intelligenz in einer Zeit, in der die Computer den Menschen ähnlicher werden und umgekehrt.

Im Fortsetzungsband wird bei Grabungen ein Tagebuch aus der Vergangenheit gefunden, dessen Urheber sich zum Erstaunen der Archäologen als denkende Computer entpuppen. Es stellt sich heraus, dass sie auf Spuren eines untergegangenen Zeitalters hindeuten, in denen Menschen und Computer gemeinsam die Erde bevölkerten. Nach einer Phase der friedlichen Koexistenz beider Spezies kam es zu einem Zusammenstoß der Kulturen. Und nach diesem Konflikt, so die Geschichte Weiners, verließen die Denkcomputer die Erde und zogen zwischenzeitlich auf einen anderen Planeten. Dann kehrten sie doch auf die Erde zurück, wo sie die Menschheit in einer existenziellen Krise vorfanden: Willkommen in unserer Gegenwart zwischen Digitalisierungsprozessen, Rechtspopulismus sowie Flüchtlingskrise!

Verfasser von mehr als 180 Publikationen

Der Atomwissenschaftler Richard M. Weiner wurde am 6. Februar 1930 in Czernowitz (Rumänien) geboren. Nachdem er das jüdische Ghetto überlebt hatte, promovierte er 1958 an der Universität Bukarest. 1969 gelang ihm die Flucht in den Westen, wo er zunächst am Europäischen Zentrum für Kernforschung (CERN) und dann an der Universität Marburg als Professor für Theoretische Physik arbeitete. Zwischenzeitlich folgten wissenschaftliche Gastaufenthalte in den USA wie beispielsweise in Berkeley oder an der Université Paris-Sud. Auch nach seiner Pensionierung lebte er mit seiner Familie weiterhin in Marburg. Weiner ist Autor von mehr als 180 wissenschaftlichen Publikationen.

Richard M. Weiner: „Tagebuch eines Denkcomputers“. 121 Seiten. 12,90 Euro.

Von Manfred Hitzeroth

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