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Marburg Der Geschmack von ewigem Sommer im Glas
Marburg Der Geschmack von ewigem Sommer im Glas
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12:37 29.09.2021
Ralph Cremona hat mit seinem Summerville Gin den World Gin Award in der Kategorie „Contemporary Gin“ gewonnen.
Ralph Cremona hat mit seinem Summerville Gin den World Gin Award in der Kategorie „Contemporary Gin“ gewonnen. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Es ist eine Geschichte wie aus dem Märchenbuch: Ralph Cremona bezeichnet sich selbst als Freigeist. Geboren wurde er im Libanon, wuchs in Saudi Arabien, Frankreich und den USA auf. Er arbeitete viele Jahre als Marketing- und Business-Manager für internationale Design- und Immobilienkonzerne in Libanon und Dubai. Dort lernt er Christina kennen und lieben, gibt sein internationales Leben auf und kommt mit ihr nach Marburg.

„Ich suchte eigentlich einen Job als Innenarchitekt. Doch die Sprache war zunächst ein Hindernis“, gibt er zu. Als er 40 wurde, stand für Cremona fest: Wenn er noch etwas Neues erreichen will, dann jetzt. „Wenn man etwas Neues erreichen möchte, dann muss man auch Neues wagen – etwas, was man zuvor noch nie getan hat“, sagt er im Gespräch mit der OP. Doch was könnte es sein? Denn der Neustart sollte zu seinem Lifestyle ebenso passen, wie er „eine Zusammenfassung meiner bisherigen Erfahrungen“ sein sollte.

Eines Abends, auf der Terrasse in Marburg, sei ihm die Idee gekommen, einen Gin zu entwickeln. „Dabei war ich vorher nie ein Gin-Fan“, gibt Ralph Cremona zu. Der Geruch von Wacholder sei ihm immer zu intensiv gewesen. „Ich wollte etwas, das nicht so hart schmeckt, das mehr meinen Sinneswahrnehmungen entspricht und meinen Stil verkörpert“, so Cremona. Gemeinsam mit zunächst dem Brennmeister Jürgen Behlen und später mit dessen Nachfolger Felix Frönd entwickelt er in der Hessischen Spezialitäten-Brennerei in Wenkbach den Geschmack der Spirituose.

Elf Botanicals sorgen für den ausgewogenen Geschmack

Denn sie soll besonders sein: Sein „Summerville Gin“ soll für unkompliziertes Leben stehen, für Freude und ewigen Sommer. „Denn ich bin ein mediterraner Mensch, wir mögen Zitrusnoten. Meine Frau steht als Marburgerin auf Himbeere. Also haben wir diese beiden Zutaten zusammengebracht – ebenso wie Kardamom, Sternanis, Zimtrinde und mehr“, sagt der „Summerville“-Schöpfer. Insgesamt elf Botanicals sind in dem Gin verarbeitet, sorgen für einen komplexen und dennoch harmonisch-ausgewogenen Geschmack.

Eineinhalb Jahre hat der Prozess gedauert, „aber ehrlich gesagt kann man das gar nicht so genau beziffern. Denn es gab immer wieder Änderungen – und auch Fehler“, sagt Cremona. So habe er beispielsweise einmal 400 Flaschen fertig destillierten Gin entsorgt, weil der Geschmack ihm nicht zugesagt habe, „der Abgang war zu bitter“, beschreibt er. Also habe es ein weiteres Feintunig gegeben, denn für Cremona steht fest: „Wenn der Gin nicht perfekt ist, muss das geändert werden.“ Weniger als Perfektion komme für ihn nicht infrage, „nur so können die Menschen Summerville Gin auch perfekt genießen“, das sei sein Anspruch.

Vor zwei Jahren war der Geschmack des Gins dann so ausgewogen, dass er in Produktion gehen konnte. Und in den Verkauf. Doch damit nicht genug: Ralph Cremona nahm mit seinem Destillat an den „World Gin Awards“ in der Kategorie „Contemporary Gin“ teil – und wurde in dieser Kategorie der deutsche Gewinner.

Da war es also, das Märchen, das wahr wurde. Die Jury urteilte: „Summerville Gin besitzt einen Hauch von Kardamom und weißem Pfeffer mit einer sanften Note von Orangenschale. Im Abgang entsteht eine gute Balance süßlich-zimtigen Geschmacks.“

„Das war für uns alle eine große Überraschung, für die wir sehr hart gearbeitet haben“, sagt er. Und auch wenn der Preis eine tolle Anerkennung für diese Arbeit sei, so will sich Cremona nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Jetzt gehe es vielmehr erst richtig los – „indem wir zunächst den hohen Standard konstant halten und später dann Variationen entwickeln, mit denen die Summerville-Genießer glücklich sind“. Dazu gehöre, zunächst regional bekannter zu werden, um dann weiter zu wachsen. Eine Möglichkeit dazu bietet sich bereits Mitte Oktober: Dann findet mit der „Bar Convent Berlin“ eine der führenden internationalen Messen für die Bar- und Getränkeindustrie statt. Mit dabei: Der Marburger Summerville Gin. „Das ist eine sehr gute Möglichkeit, unser lokales Produkt zu präsentieren.“ Und vielleicht gehe es dann bald in die gesamte Welt.

Grundalkohol hat schon eine besondere Note

Möglich macht den Geschmack des Summerville Gin auch die besondere Destillation in Wenkbach, wie Brennmeister Felix Frönd erläutert. Denn: „Wir stellen auch den Grundalkohol hier selbst her – das können große Brennereien gar nicht mehr.“ So gab es für Summerville Gin eine besondere Grundalkohol-Mischung, die bereits eine leichte Süße mit sich bringt. Und auch die alte Anlage, die in Wenkbach zum Einsatz komme, erlaube es, den Geschmack ganz fein auszutarieren. „Ganz ohne Computer“, so Frönd. Das sei zwar nicht einfach, weil alle Parameter permanent überprüft und händisch eingestellt werden müssten. Doch der Geschmack sei es letztlich wert.

Summerville Gin wird in Destillierblasen aus Kupfer gebrannt – wodurch die Qualität des Gins positiv beeinflusst wird. Denn das Mazerat wird dadurch gereinigt, indem mögliche unerwünschte Geschmacksstoffe an das Kupfer gebunden werden. Der fertige Gin wird auf 0 Grad abgekühlt und filtriert, um mögliche Reststoffe herauszufiltern. Mit dem Resultat, dass der Wacholderanteil weiter verfeinert wird und der Geschmack der Botanicals deutlicher herausgearbeitet wird.

Von Andreas Schmidt

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