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Marburg Der Doppelgänger im Glück
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12:58 02.02.2021
Caroline Kallé und der Kater. Trotz verblüffender Ähnlichkeit – es ist nicht ihr Stuart, sondern ein Streuner, den sie Findus tauft.
Caroline Kallé und der Kater. Trotz verblüffender Ähnlichkeit – es ist nicht ihr Stuart, sondern ein Streuner, den sie Findus tauft. Quelle: Nadine Weigel
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Er schnurrt zufrieden. Mit geschlossenen Augen genießt der Kater sichtlich die Streicheleinheiten von Caroline Kallé. Die 23-Jährige lächelt traurig. Denn es ist nicht ihr Kater, den sie seit zwei Jahren schmerzlich vermisst. Es ist nicht Stuart.

Spaziergängerin findet Katze in einem Schacht

Doch von vorne. Als die Bad Endbacherin Daniela Koch Anfang Januar mit ihrer Hündin Daisy spazieren geht, zieht Daisy plötzlich zu einem Schacht. Darin entdeckt Daniela Koch eine Katze. Völlig verwahrlost, in einem erbärmlichen Zustand. „Die Augen waren total vereitert, das Näschen ist gelaufen und man konnte auch ihren rasselnden Atem hören“, erinnert sich die Tierfreundin. Ihr erster Versuch, die Katze aus dem Schacht zu holen, misslingt. Das Tier entwischt.

Doch ein Foto kann sie von der Katze machen, die sich als Kater entpuppt. Dieses Bild postet Daniela Koch auf Facebook in einer Gruppe über vermisste Tiere im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Auf das Bild wird Caroline Kallé aufmerksam. Denn der getigerte Kater sieht aus wie ihr Kater Stuart, der ihr vor gut zwei Jahren in Gladenbach entlaufen ist. Gleiche Farbe, gleiche Zeichnung, selbst das weiße Dreieck auf dem Schnäuzchen scheint dasselbe zu sein.

Kater ist nicht kastriert und schon älter

Hoffnung brandet in Caroline Kallé auf, dass ihr geliebter Kater endlich gefunden wurde. Sie zögert nicht, fährt nach Bad Endbach. Mit Hilfe eines Tierarztes befreit sie das völlig verstörte Tier und nimmt es mit nach Hause. Doch dort folgt der Schock: Nachdem sie das verschmutzte Tier gesäubert und näher in Augenschein genommen hat, muss sie feststellen: es ist nicht ihr Stuart. Denn der war viel jünger, als der nach ersten Schätzungen zehn bis zwölf Jahre alte Kater.

Zudem war Stuart kastriert, der Bad Endbacher Fundkater jedoch nicht. „Auch die Abzeichen waren nicht hundertprozentig identisch“, sagt Caroline und kämpft mit den Tränen. Sie kann ihre Enttäuschung nicht verbergen. „Ich habe so sehr gehofft, dass es Stuart ist, schließlich hatte ich ihn seit er ein kleines Kätzchen war und da hat man einfach eine besondere Bindung“, sagt sie.

Neues Zuhause für Fundkater gesucht

Den Fundkater, der schon nach wenigen Tagen Vertrauen zu ihr fasst, tauft sie auf den Namen Findus. Sie päppelt den armen Kerl auf, lässt ihn kastrieren und hofft, dass sich für den mittlerweile sehr zutraulichen und verschmusten Kater ein neues, liebevolles Zuhause findet.

Denn Caroline und ihr Freund Moritz haben bereits zwei Katzen und zwei Hunde. Und die veranstalten für den schon älteren Kater etwas zu viel Trubel. Vor allem aber hat Caroline noch nicht aufgegeben. Noch immer hofft sie, dass ihr geliebter Kater Stuart irgendwann doch wieder auftaucht.

Das Problem der Fundkatzen

Mehr als 200 Fundkatzen landen jährlich im Schnitt im Tierheim Marburg. Das Hauptproblem ist der fehlende Chip oder die fehlende Tätowierung. „Auch wenn es schon zugenommen hat, ist es immer noch ein Problem“, sagt Tierheimleiterin Maresi Wagner auf OP-Anfrage. Während fast jeder Hund mittlerweile gekennzeichnet sei, seien immer noch nur wenige Katzen gechippt. Das stellt auch das Tierheim vor Schwierigkeiten. „Wenn eine unregistrierte Katze zu uns kommt, können wir nicht sagen, wo sie herkommt, ob sie jemand vermisst. Das ist kompliziert“, sagt Wagner. Liegt hingegen eine Registrierung vor, lässt sich das Tier über Tasso oder Findefix meist schnell mit dem Besitzer wieder zusammenführen. Liegt keine Registrierung vor, veröffentlich das Tierheim Foto und Beschreibung des Fundtieres auf der Homepage und in den sozialen Medien. „Mit Facebook haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht, weil da immer einer ist, der meint, das Tier zu erkennen und dann Kontakt mit uns aufnimmt“, so Wagner.

Wenn sich nach 10 bis 14 Tagen niemand gemeldet hat, dann bekommt das Tier die Erstimpfung. Rechtlich gesehen gilt für Fundtiere ein Rückgaberecht von sechs Monaten. „Das bedeutet aber auch, dass der Besitzer beweisen muss, dass es tatsächlich sein Tier ist“, sagt Wagner. Zudem muss der Besitzer die angefallenen Kosten begleichen. Doch in nur sehr seltenen Fällen findet sich bei Fundkatzen, die im Tierheim landen auch wirklich ein Besitzer. „Es gibt einfach zu viele Streuner“, erklärt die Tierheimleiterin, die deshalb seit Jahren dafür an Katzenbesitzer appelliert, ihre Tiere kastrieren zu lassen. Doch selbst bei Fundkatzen, die kastriert, zutraulich und gut gepflegt in die Obhut des Tierheims kommen, findet sich nur selten der Besitzer. Deshalb kann Maresi Wagner nur jedem Katzenbesitzer, jeder Katzenbesitzerin raten, ihr Tier zu chippen – und vor allem auch registrieren zu lassen. Übrigens gilt dieser Rat auch für Kaninchen. „Auch das kann mal weghoppeln.“

Von Nadine Weigel