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Marburg Der Digital-Wahlkampf in Marburg läuft
Marburg Der Digital-Wahlkampf in Marburg läuft
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10:00 25.01.2021
Der Kommunalwahlkampf findet erstmals verstärkt auch über Social Media statt.
Der Kommunalwahlkampf findet erstmals verstärkt auch über Social Media statt. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Die Symbolik könnte stärker nicht sein: Sowohl die Grünen nahe des Marktplatzes als auch die CDU an der Ketzerbach haben für den Kommunalwahlkampf Ladenflächen gemietet – doch wegen des Dauer-Lockdowns kommt niemand rein, es laufen und fahren auch weniger Menschen vorbei als erhofft. Statt Sichtbarkeit in der echten, bleibt den Marburger Kommunalpolitikern aller Parteien fast nur das Auftreten in der virtuellen Welt. Und so heißt es vor allem in nächster Zeit Digital- statt Direktkontakt mit Wählern zu pflegen.

Facebook und Co. gehören zwar schon lange zum politischen Geschäft, ihre Nutzung ist zumindest bei Berufspolitikern auf Landes- und Bundesebene Alltag. Im Kommunalen ist das aber anders, dort spielen soziale Netzwerke eine eher untergeordnete Rolle. Bis jetzt – denn der in der Unistadt wie im ganzen Landkreis nun beginnende Corona-Wahlkampf, das Ringen um Bürgermeisterämter und Abgeordnetensitze im März 2021 wird das ändern. Er wird Instagram, Twitter, Youtube und Co. wohl zum Durchbruch auch in der Kommunalpolitik verhelfen.

Gestik, Mimik, Emotionalität – Sympathiepunkte? Die für die politische Kultur und nicht zuletzt für die eigene Vorstellung wichtigen Präsenz-Veranstaltungen, von Diskussionsabenden über Wahlkampfstände bis hin zu Shake-Hand-Events werden erstmals kaum stattfinden.

Politikwissenschaftler und andere Experten sehen darin durchaus einen Wettbewerbsvorteil für Amtsinhaber und für bekannte Persönlichkeiten und Polit-Promis.

Konkret: Dr. Thomas Spies (SPD) und Dirk Bamberger (CDU), die mittlerweile jeder politisch interessierte Bürger in Marburg kennt, müssen sich und ihre grundsätzlichen Positionen, Eigenschaften und Gesichter nicht mehr so umfassend bekanntmachen wie andere. Jedenfalls nicht in einem Umfang, wie ihre Konkurrenten. Speziell Grünen-OB-Kandidatin Nadine Bernshausen. Sie ist in der Kreispolitik aktiver und bekannter als in der Universitätsstadt. Wie tickt sie? Wofür steht sie und was will sie? Ist ihr laufender Podcast die Mühe wert? Wie weit trägt der „schöne Fotos“-Kanal Instagram? Reichen für manchen Juso oder Juli 280-Zeilen-Text-Verbreitungen etwa auf Twitter aus, um Bürger, Wähler zu erreichen, geschweige denn zu überzeugen?

Im Kommunalen kämpfen auch nicht nur die OB-Kandidaten oder Listenführer um Aufmerksamkeit. Jeder, der zumindest Chancen und Ambitionen auf ein Mandat hat – bei SPD, CDU und Grünen etwa die ersten 20, 25, bei FDP, BfM, AfD und Co. die ersten 10 –, will sich und seine Ideen in Position bringen. Und so dreht ein „Junge Unioner“ ebenso Facebook-Videos wie Linken-Schlachtross Henning Köster.

Aber: Laut Experten kommt gerade wegen des Veranstaltungsausfalls klassischen Wahlplakaten und Anzeigen große Bedeutung zu – und da sind die Grünen früher gewesen als alle anderen, sie fingen schon im Herbst 2020, vor dem Lockdown mit Bernshausen-Motiven an Bushaltestellen und Litfaßsäulen an.

Wie man digitalen Wahlkampf betreibt, erklärt Professor Markus Kaiser in unserem Interview.

von Björn Wisker