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Marburg Arbeitsmarkt nimmt weiter Fahrt auf
Marburg Arbeitsmarkt nimmt weiter Fahrt auf
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08:00 01.07.2021
Die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis ist im Juni leicht gesunken.
Die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis ist im Juni leicht gesunken. Quelle: Sebastian Gollnow
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Marburg

„Die Stimmung auf dem Arbeitsmarkt ist besser als die bei den deutschen Fußballfans“, sagt Gerhard Wenz, Bereichsleiter der Agentur für Arbeit Marburg einen Tag nach dem Ausscheiden der Nationalmannschaft bei der EM. Und die Zahlen geben Wenz recht: Im Juni waren 5 185 Personen im Landkreis arbeitslos gemeldet – ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahr um 961 Personen oder rund 16 Prozent. „Die Arbeitslosenquote ist auf 3,9 Prozent gesunken“, sagt Wenz – vor einem Jahr hatte sie noch bei 4,6 Prozent gelegen. „Das ist eine durchaus positive Entwicklung“, freut sich der Bereichsleiter.

Dass der Arbeitsmarkt weiter in Fahrt komme, mache sich auch daran bemerkbar, dass es weniger Menschen gebe, die sich „aus einer vorherigen Erwerbstätigkeit arbeitslos melden: Das waren im Juni 359 und somit 24 Prozent weniger als vor einem Jahr“, sagt Wenz. Insgesamt meldeten sich im Juni 998 Menschen neu arbeitslos – ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahr um 33 Personen oder 3,2 Prozent. „Gleichzeitig sind deutlich mehr Menschen als vor einem Jahr wieder in Arbeit gegangen“, erläutert Wenz: Deren Zahl stieg um gut 15 Prozent auf 467 an. Insgesamt meldeten sich im Juni 1 269 Personen aus der Arbeitslosigkeit ab – ein Plus von 20 Prozent oder 208 Arbeitslose im Vergleich zum Vorjahr.

Stellenplus von nahezu 100 Prozent

Auch die Arbeitgeber gehen offenbar von einem nachhaltigen Wachstum aus, denn: Sie hätten im Juni 781 neue Stellen gemeldet, was einem Plus von nahezu 100 Prozent im Vergleich zum Juni vergangenen Jahres entspreche. 46 dieser Stellen entfallen alleine auf die Gastronomie und Hotellerie – es würden sich die Corona-Lockerungen bemerkbar machen. „Das alles sind gute Indikatoren für den Arbeitsmarkt. Und es profitieren alle Personengruppen von dieser Entwicklung", sagt Wenz. Dennoch sei weiterhin mehr als jeder dritte Arbeitslose (36 Prozent) seit mehr als einem Jahr ohne Beschäftigung. Die Gruppe dieser Langzeitarbeitslosen sei binnen Jahresfrist um 284 oder rund 18 Prozent auf 1 881 gestiegen.

Eine wichtige Rolle spiele auch weiterhin die Kurzarbeit. „Valide Zahlen gibt es jetzt von Februar“, sagt Wenz. Damals waren 6 132 Menschen aus 950 Betrieben in Kurzarbeit. „Die Kurzarbeit war, ist und wird wohl auch noch eine Zeit lang ein wichtiger Stabilisator auf dem Arbeitsmarkt bleiben“, ist sich Wenz sicher.

Relativ erfreulich sei auch die Situation auf dem Ausbildungsmarkt: Demnach haben Arbeitgeber bis jetzt 1 388 Berufsausbildungsstellen bei der Arbeitsagentur gemeldet – lediglich 29 weniger, als im Vorjahr. Es gab 1 235 gemeldete Bewerber um diese Stellen. Derzeit gebe es 484 nicht versorgte Bewerber und 570 unbesetzte Ausbildungsstellen im Landkreis – rechnerisch kommen also auf jeden potenziellen Azubi 1,1 Ausbildungsstellen. „Es geht noch einiges auf dem Ausbildungsmarkt“, verdeutlicht Wenz. Die Ausbildungsplätze zögen sich durch alle Berufsfelder, „von A wie Altenpflegehelfer bis Z wie Zerspanungsmechaniker“.

Das vorsichtige Aufatmen in der Pandemie zeigt sich auch bei den Langzeitarbeitslosen in der Zuständigkeit des Kreisjobcenters Marburg-Biedenkopf: Dort sind 2 941 erwerbsfähige Leistungsberechtigte als arbeitslos registriert – 74 Personen oder 2,5 Prozent weniger als im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr sind es sogar 437 Personen oder 12,9 Prozent weniger. Dabei sei allerdings zu beachten, dass sich im Vorjahr die Effekte der ersten Corona-Welle deutlich negativ auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar gemacht hätten, teilt der Landkreis mit.

Positive Entwicklung bei Langzeitarbeitslosen

„Auch wenn die Auswirkungen der Corona-Pandemie immer noch stark zu spüren sind, sind das dennoch positive Signale vom Arbeitsmarkt“, zeigt sich der Erste Kreisbeigeordnete und zuständige Sozialdezernent Marian Zachow (CDU) vorsichtig optimistisch. Das Sinken der Inzidenz und die damit verbundenen Lockerungen seien auch auf dem Arbeitsmarkt spürbar.

Insbesondere das Hotel- und Gaststättengewerbe sowie personenbezogene Dienstleistungen, die massiv von der Krise betroffen sind, würden von den Öffnungsschritten profitieren. Es bleibe zu hoffen, dass mit niedrigen Fallzahlen, durch das Voranschreiten der Impfkampagne und der Aufrechterhaltung der Hygieneregeln die Konjunktur wieder verstärkt an Fahrt aufnehmen könne. „Eine Unwägbarkeit ist aber natürlich die zunehmende Verbreitung der Delta-Variante, die als ansteckender als die bisherigen Virus-Varianten gilt“, mahnt Zachow.

Von Andreas Schmidt

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