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Marburg Den Bauern fehlen die Erntehelfer
Marburg Den Bauern fehlen die Erntehelfer
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13:55 01.04.2020
Erntehelfer arbeiten auf einem Spargelfeld. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Das wegen des Coronavirus geltende Einreiseverbot für ausländische Saisonarbeiter nach Deutschland stellt bundesweit Landwirte vor immense Probleme, vor allem die Obst- und Gemüsebauern sind betroffen. Ohne die Saisonarbeitskräfte – etwa aus Rumänien oder Bulgarien – wird das laut des Hessischen Bauernverbands eine kaum zu schaffende Aufgabe. Der Verband fordert eine Lockerung der gesetzlichen Regelungen. Der Bedarf an zusätzlichen Arbeitskräften über die Saison hinweg liege hessenweit bei bis zu 17 000 Erntehelfern. Es drohten Versorgungsengpässe.

Erntezeit: Bauern starten Online-Aufrufe

Drängendstes Problem ist die Spargelernte, die ab Mitte April ansteht. Direkt im Anschluss folgt die Erdbeerernte. Personelle Lücken gebe es jedoch überall, vom Schlachthof bis zum Feld, „dort sind alle Gemüsebauern betroffen“, sagt Karin Lölkes, Vorsitzende des Kreisbauernverbands Marburg-Kirchhain-Biedenkopf, die ein Beispiel gibt: „Im Moment kommen etwa die Salatpflänzchen an – die müssen innerhalb weniger Tage in der Erde sein.“ Um der drohenden Unterversorgung von Erntehelfern entgegenzuwirken, starteten Landwirte bereits Aufrufe in sozialen Medien, versuchen nun, inländische Helfer zu aktivieren. Auch im Landkreis Marburg-Biedenkopf: Und da gab es „einen ordentlichen Rücklauf“, berichtet etwa Landwirt Helfried Eden, der etwa Spargel und Erdbeeren für das Hofgut Dagobertshausen anbaut. In dieser Saison muss auf rund fünf Hektar Fläche Spargel geerntet werden, danach folgt auf sechs Hektar die Erdbeerernte.

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Im Moment sei er aber „verhalten optimistisch – noch sind wir nicht akut gefährdet, die Saison geht erst in vier Wochen los“. In der Regel kommen dafür gut zehn Helfer aus dem Ausland auf seinen Hof. Zur Not müsse er mit ungelernten einheimischen Helfern arbeiten. „Man kann das ja lernen, man muss es nur auch wollen“, sagt er.

Spargelbauer bleiben optimistisch

Eden hofft dennoch mittelfristig auf eine Lockerung der Einreisebeschränkung bis zur Ernte. Bis dahin gilt: „Jammern kann man immer noch, wenn die Ernte auf den Feldern bleibt – wir machen jetzt erstmal ganz normal weiter“, betont er lachend.

Das macht auch Landwirt Günter Jung: Er baut bei Bellnhausen auf einem Hektar Spargel an. Auch sein Stamm-Erntehelfer aus Polen dürfe derzeit nicht einreisen. Viele Einheimische hätten Jung ihre Hilfe bei der Ernte angeboten, „die Resonanz war relativ groß“, lobt er. Wie sich die Lage entwickeln wird, müsse sich Mitte April zeigen, „wir sind noch relativ zuversichtlich“.

Ungewissheit herrsche jedoch auch für die Zeit nach der Ernte, denn auch die Absatzlage steht in den Sternen: Geschlossene Gastronomiebetriebe, keine Veranstaltungen, Feste oder Feiern – alles fällt als potentielle Spargel-Abnehmer weg. „Die ganze Gastro ist ja dicht, im Moment weiß niemand, wie viel abgenommen wird“, meint Jung.

Helfried Eden setzt beim Verkauf auch eher auf den Einzelhandel: Dort habe sich schon jetzt, da mehr Menschen aufgrund des Coronavirus zuhause sind und dort auch arbeiten und essen, das Einkaufsverhalten bei frischen Lebensmitteln verändert. Das dürfte sich letztlich auch auf die Spargelzeit auswirken.

Von Ina Tannert

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