Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Kampf gegen Faschismus ist noch nicht beendet
Marburg Kampf gegen Faschismus ist noch nicht beendet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:11 09.05.2021
Mehr als 150 Menschen demonstrierten am Samstag in Marburg.
Mehr als 150 Menschen demonstrierten am Samstag in Marburg. Quelle: Beatrix Achinger
Anzeige
Marburg

„Hinter dem Faschismus steht das Kapital! Der Kampf um Befreiung ist international!“ Mehr als 150 Menschen demonstrierten mit diesem Ruf im Gedenken an den 8. Mai 1945, dem Ende des Zweiten Weltkriegs, am Samstag durch die Straßen Marburgs vom Erwin-Piscator Haus bis zum Friedrichsplatz. Das Bündnis „Jugend gegen Krieg“ und weitere Organisationen hatten dazu aufgerufen.

„Die Zeit des Nationalsozialismus hat das Schrecklichste des Menschen gezeigt“, sagte der 26-jährige Adrian Villa in seiner Rede. Dass auch 76 Jahre später der Faschismus in seinen Wurzeln nicht bekämpft sei, zeige sich an vielen Beispielen: Villa spricht von den aktuellen Menschenrechtsverletzungen in Kolumbien und der dortigen Polizeigewalt, ebenso von Brasilien mit Präsident Bolsonaro, wo Ureinwohner des Regenwalds durch illegale Brände vertrieben würden.

Kritik an Polizei und Burschenschaften

Frederike Zech von den Jusos Marburg sagt: „Der Faschismus hat in Deutschland wieder Einzug in der Mitte der Gesellschaft gehalten, in allen deutschen Parlamenten.“ Auch spricht sie von einem „rassistisch durchsetzten Polizeiapparat“ und wie unter der Hand des Verfassungsschutz der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) erstarkt sei. Am Friedrichsplatz richtet Rednerin Melek Levent den Blick auf Marburg: An den Lahntreppen seien Menschen mit Migrationshintergrund durch sogenanntes „racial profiling“ institutionellem Rassismus ausgesetzt. Und: „Es muss uns bewusst sein, dass die Villen der Burschenschaften Austragungsorte für rechte Konferenzen sind.“

Über der Demo stand die Forderung der KZ-Überlebenden Esther Bejenaro, den 8. Mai zum Forcieren des Gedenkens als Feiertag zu erheben.

Markus Schmidt als einer der Demonstranten resümiert: „Die Forderung von Esther Bejenaro zu zitieren ist wichtig, aber hier können wir nicht stehen bleiben. Das Gedenken an den 8. Mai bedeutet für mich auch, sich selbstkritisch mit der eigenen Tätergesellschaft zu konfrontieren.“

Von Beatrix Achinger

09.05.2021
09.05.2021
09.05.2021