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Marburg Signal der Kampfbereitschaft
Marburg Signal der Kampfbereitschaft
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18:36 05.07.2020
Der Gesamtbetriebsrats-Vorsitzende Klaus Hanschur spricht auf der Kundgebung „Gesundheit statt Profite!” am Samstag vor dem Erwin-Piscator-Haus in Marburg. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

„Gesundheit für alle, kein Geld für Aktionäre“, „Krankenhaus statt Fabrik“ oder Krankenkassenbeiträge gehören den Kranken und nicht Aktionären“ war auf Plakaten und Transparenten vor dem Erwin-Piscator-Haus zu lesen. Rund 200 Angehörige medizinischer Berufe versammelten sich nach Schätzung des Einsatzleiters der Polizei am Samstag dort, um gegen die Übernahme des Universitätsklinikums durch den Asklepios-Konzern und für die Rückkehr des Akut-Krankenhauses in den Besitz der öffentlichen Hand zu demonstrieren.

Störungen gab es keine. Die Teilnehmer beachteten größtenteils die geltenden Corona-Auflagen und so erinnerten die Polizisten nur einige wenige Vorbeischauende an das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes. Einen dementsprechenden Appell samt Hinweis auf die Abstandsregeln richteten die Veranstalter zu Beginn der Kundgebung an die Teilnehmer, um „die Kollegen und Patienten im Klinikum zu schützen“.

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Betriebsrat kritisiert "unerträgliche Arbeitsbelastung"

Der Schutz der Patienten und der Arbeitsbedingungen waren die Triebfeder zur Teilnahme an der Kundgebung. Man sei hier, damit das Land wieder die Verantwortung für Universitätsklinikum übernimmt und die Beschäftigten unterstützt, erklärt Krankenpfleger Mark Müller. Es gehe um die Zukunft der Gesundheitsversorgung in der Region, um ordentliche Arbeitsbedingungen und eine gute Kranken-Versorgung, schließlich werde irgendwann jeder zum Patienten.

Für Heike Weitzel geht es auch um das Abschaffen der Fallpauschalen, die ursächlich für das Ausbeuten des Gesundheitssystems sei, weil mit den Patienten alles gemacht werde, was die Pauschalen hergeben. Auch dafür sei Asklepios bekannt, sagt die Krankenpflegerin, die schon in Hamburg erlebte, wie der Konzern die Krankenhäuser umwandelte. Es seien viele Teile in Tochtergesellschaften ausgegliedert worden, mit der Folge, dass der Betriebsrat aufgelöst werden konnte und die Tarifbindung entfiel. Die Beschäftigten hätten dann 300 bis 500 Euro weniger verdient. Weitzel hofft, dass das Land Hessen Aktien des Konzerns kauft, um so mehr Einfluss zu gewinnen.

„Wir werden dagegenhalten“, versprach Klaus Hanschur. Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats der Uni-Klinik sprach von fehlender Wertschätzung und einer „unerträglichen Arbeitsbelastung in allen Berufsgruppen“, die weiter bestehen werde. Der Betriebsrat habe alles versucht, um die Übernahme durch Asklepios zu verhindern, nun werde versucht, den Betriebsrat bedeutungslos zu machen. Aber solche Veranstaltungen seien ein Signal und je mehr man werde, desto mehr Gewicht gewinne man.

„Am Ende zählen nicht ,Likes’ und Emojis, sondern die Kampfkraft“, warb auch Matthias Körner, Geschäftsführer der DGB-Region Mittelhessen dafür, sich Gewerkschaften anzuschließen.

Oberbürgermeister Spies: Land kann Einfluss nehmen

Zu den Rednern zählten unter anderem Vertreter von SPD, des Aktionsbündnisses für unsere Klinik, der „Kritischen Mediziner“ oder der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend sowie auch die Vorsteherin der Marburger Stadtverordnetenversammlung Marianne Wölk und Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. Wölk berichtete von der Forderung der Stadtverordneten, die Tarifverträge einzuhalten sowie Kündigungen und Ausgliederungen zu verhindern. Sozialdemokrat Spies wies darauf hin, dass das Land Hessen als Großkunde des Klinikums bei der Ausbildung von Ärzten Möglichkeiten habe, Einfluss zu nehmen. Man müsse es nur wollen.

von Gianfranco Fain