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Marburg Für mehr Klimaschutz und Frieden in Syrien
Marburg Für mehr Klimaschutz und Frieden in Syrien
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18:38 01.11.2019
350 Menschen demonstrierten am Freitag in der Marburger Innenstadt.  Quelle: Nadine Weigel
Marburg

 Schüler und Studenten, Omas und Opas, Eltern und Wissenschaftler für den Naturschutz: So war die Mehrgenerationen-Demo der Klima-Bewegung gedacht. Doch die bunte Fahnen-Parade, die dann vom Hauptbahnhof bis zur Stadthalle zog, zeigte: An diesem Freitag, inmitten der wirren Situation in Nordsyrien würde es weniger um das Klima als um Krieg und die Kurden gehen. Und so kam es auch – Mitglieder des Friedensbündnisses Rojava – von den 350 Demonstranten waren laut Polizei die Mehrheit Kurden – nutzten die Fridays-Demo für Parolen wie „Terrorist Erdogan“, „Schluss mit dem Massaker in Kurdistan“ oder „Panzer plattmachen, Klima retten“.

Gerade dem kurdischen Volk, so ein Redner bei der Abschluss-Kundgebung vor der Stadthalle, gehe es um den Aufbau einer ökologischen Gesellschaft, einem Leben in größtmöglichem Einklang mit der Natur, etwa über Resourcenschonung, Selbstversorgung ohne Überschuss-Produktion und Massenwaren-Konsum. In Nordsyrien sei in den vergangenen Jahren „genau so ein ökologisch bewusstes und kulturell wie gesellschaftlich harmonisches ­Zusammenleben von Glaubensrichtungen und Geschlechtern, wie man es überall haben will“, entstanden, sagt Mehmet Riha,­ ein Rojava-Vertreter im OP-­Gespräch. Die türkische Militärpräsenz, für die Demonstranten etwas zwischen Besatzung und Kriegserklärung, gefährde das.

„Olivenbäume werden unter den Ketten der Panzer begraben, jedem Granateneinschlag fällt auch Natur zum Opfer“, sagt Riha und spannt den Bogen zum Klima-und-Krieg-Thema.
In seiner Rede griff ein Fridays-for-Future-Anhänger den Zusammenhang auf: „Krieg ist die natürliche Folge von der Zerstörung der Lebensgrundlagen eben durch die Klimakrise.“ Jeder Krieg fordere wie auch das sich seit Jahrzehnten zuspitzende Klima Menschenleben; „nur noch nicht hier in Deutschland, was es aber weder weniger real noch weniger bedrohlich macht.“ Umso mehr müsse man sowohl die Klimafrage ­
lösen als auch Fluchtursachen bekämpfen. „Und nicht meter­hohe Zäune in Europa errichten, um die wegrennenden Menschen fernzuhalten.“

 Für den städtischen Klimaaktionsplan 2030 – der zentrale Aspekt des im Sommer ausgerufenen Klimanotstands – gibt es nach Angaben der Stadt am Freitag, 8. November, eine öffentliche Auftaktveranstaltung mit Workshops, Vorträgen und Infos zum Klimaschutz in der Stadt. Zeit: 17 bis 20 Uhr. Ort: im TTZ, Softwarecenter 3.

von Björn Wisker