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Marburg Demo für "Sea Watch" in Marburg
Marburg Demo für "Sea Watch" in Marburg
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00:21 07.07.2019
Von der Stadthalle bis zum Marktplatz verlief die Demo, an der rund 400 Menschen teilgenommen haben Quelle: Björn Wisker
Marburg.

Alles andere als Menschen vor dem Ertrinken zu retten sei „falsch, schändlich und tatsächlich kriminell“, sagte eine Rednerin der Initiative „Seebrücke Marburg“ bei der Kundgebung vor der Stadthalle. Viele EU-Staaten lieferten angesichts ihrer immer restriktiveren Flüchtlingspolitik „ein humanitäres Armutszeugnis nach dem nächsten ab“. Denn die „Sea Watch 3“, die Geschehnisse rund um das Retter-Team von Carola Rackete sei „nicht der erste und wird nicht der letzte Vorfall dieser Art sein“, sagte sie vor rund 400 Demo-Teilnehmern. (Laut Polizei waren es bei der Schlusskundgebung auf dem Marktplatz rund 600 Protestierende.) Die Seebrücken-Aktivisten verweisen auf die „Alan Kurdi“, die Dutzende Afrikaner an Bord hat – und für die Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) Hilfe angekündigt hat: Deutschland wolle einen Teil dieser Flüchtlinge aufnehmen. 

Gegen die Abschottungspolitik Europas und die Kriminalisierung von Seenotrettern gingen Samstag hunderte Menschen in Marburg auf die Straße. (Fotos: Nadine Weigel)

Für Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) ist das eine überraschende Absichtserklärung. Immerhin wartet er bis heute auf ein Signal Seehofers bezüglich des Marburger Angebots aus Dezember 2018, die damals 32 von der „Sea Watch“ geretteten Menschen aufzunehmen, der Universitätsstadt zuzuweisen. „Wir müssen, können und wollen das leisten“, sagt er am Samstagnachmittag im OP-Gespräch und findet Seehofers Schweigen gegenüber der Offerte aus Marburg – Teil des Bündnisses „Städte Sicherer Häfen“, die freiwillig mehr Flüchtlinge aufnehmen wollen – weder „das rechtlich, noch politisch oder moralisch Richtige“ und grundsätzlich „keinen besonders freundlichen Stil“. 

von Björn Wisker