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Marburg „Herzensangelegenheit“ der OP kann Leben retten
Marburg „Herzensangelegenheit“ der OP kann Leben retten
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07:58 02.11.2020
HITZEROTH-Geschäftsführerin Ileri Meier (von links), Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, Angelo Sapia, Projektmanager „Herzsicher“ der Björn-Steiger-Stiftung, Rüdiger Kempf (Stadtwerke Marburg) und Linda Noack, Projektkoordinatorin der „Gesunden Stadt Marburg“, weihten den neuen Defibrillator am Schloss ein. Quelle: Foto: Tobias Hirsch
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Marburg

Für Ileri Meier, Geschäftsführerin des Medienhauses HITZEROTH, ist es „im wahrsten Sinne des Wortes eine Herzensangelegenheit“, dass nun auch am Marburger Landgrafenschloss ein Laien-Defibrillator steht: Direkt am Eingang zum Aussichtsplateau befindet sich das Gerät in einer Rettungssäule: Auf Knopfdruck gibt diese den Defibrillator frei – und schon kann er ein „flimmerndes Herz“ wieder in den Takt bringen und somit Leben retten. „Es ist schön, gerade hier an diesem besonderen und historischen Ort, einen Teil zum herzsicheren Marburg beitragen zu können“, sagte Ileri Meier.

Für sie war völlig klar, dass das Medienhaus mit der Oberhessischen Presse als Tageszeitung das Projekt „Herzsicher in Marburg“ unterstützen will. Daher sagte sie spontan zu, als Angelo Sapia, Projektmanager bei der Björn-Steiger-Stiftung, auf sie zukam. Nur der passende Ort musste gefunden werden – „und mit dem Landgrafenschloss haben wir ihren Wunschort erfüllen können“, so Sapia bei der Einweihung des „AED“, wie die sogenannten „Automatisierten Externen Defibrillatoren“ genannt werden.

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70 solcher AEDs sind mittlerweile an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet verteilt – weitere zehn sollen noch hinzukommen, wie Sapia erläutert. „Und damit wäre die Stadt Marburg herzsicher", sagt er, denn dann komme auf jeweils 1 000 Einwohner ein „Defi“. Schon mehrfach kamen die Geräte der Björn-Steiger-Stiftung im Landkreis zum Einsatz, retteten an einer Schule in Kirchhain auch das Leben eines Lehrers (die OP berichtete). „Das zeigt: Die Akzeptanz, einen AED zu benutzen, ist da. Und wenn die Menschen die Scheu vor den Geräten verlieren und auch die Scheu zu helfen, dann sind wir auf dem richtigen Weg“, so Sapia.

Für Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies ist klar: „Gesundheit ist im Moment in aller Munde. Aber wir wollen uns durch die Corona-Lage nicht davon abbringen lassen, dass es auch noch andere Krankheiten gibt.“ Wenn ein Mensch unerwartet einen Herzstillstand erleide, „dann gelten zwei Dinge. Erstens: Man kann nichts falsch machen, denn wenn man nichts macht, ist es meistens sowieso gelaufen. Der einzige Fehler ist, wenn man nichts tut. Und zweitens: Man muss adäquat handeln. Das heißt: 112 anrufen und Maßnahmen ergreifen“, so Spies. Also entweder, indem man mit einer Herzdruck-Massage beginne – im Rhythmus des Bee-Gees-Hits „Stayin’ Alive“ mit 100 Beats pro Minute. Oder eben mit einem Laien-Defibrillator. Das Gerät übernimmt die Aufgabe, den Zustand des Patienten zu überprüfen. Liegen Herzrhythmusstörungen vor, gibt der Defibrillator Elektroschocks ab, um einen „Reset“ des Herzens zu bewirken, wie der OB erläuterte. Auch dabei gelte: Falsch handelt nur, wer nicht handelt. „Entschlossenheit ist das einzige, was man braucht“, so Spies.

Linda Noack, Projektkoordinatorin der „Gesunden Stadt Marburg“, wies darauf hin, dass die Schulungen zur Wiederbelebung im Landkreis erst einmal wegen der Corona-Krise ausgesetzt seien. Stattdessen werde sich aktuell darauf konzentriert, möglichst viele weitere Geräte aufzustellen.

Die Pflicht, Erste Hilfe zu leisten, wenn ein Mensch in Not ist, besteht übrigens trotz einer möglichen Ansteckungsgefahr. Um diese zu reduzieren, sollten eine Mund-Nasen-Bedeckung und Einweg-Handschuhe zum Einsatz kommen. Der Deutsche Rat für Wiederbelebung weist auf seiner Homepage darauf hin, dass sich die Atemkontrolle bei einem bewusstlosen Menschen unter dem Aspekt einer Risikominimierung auf das Überstrecken des Nackens mit Anheben des Kinns und der Beobachtung etwaiger Brustkorbbewegungen beschränken sollte. Eine Herzdruckmassage, wenn der Patient nicht atmet, ist essenziell, auf eine Atemspende könne verzichtet werden – das war aber bereits vor Covid-19 die Empfehlung.

Von Andreas Schmidt

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