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Marburg Das sind erste Corona-Folgen in Marburg
Marburg Das sind erste Corona-Folgen in Marburg
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20:58 29.08.2020
Mehr Arbeitslose, aber noch keine Corona-bedingte Firmenpleite in Marburg – das geht aus Statistiken heimischer Wirtschaftsexperten hervor.
Mehr Arbeitslose, aber noch keine Corona-bedingte Firmenpleite in Marburg – das geht aus Statistiken heimischer Wirtschaftsexperten hervor. Quelle: Foto: Patrick Pleul/zb/dpa
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Marburg

Anstieg der Arbeitslosigkeit, mehr Hartz-IV-Empfänger – und die Bewohner in Stadt und Landkreis horten Geld: Heimische Experten haben die ersten sichtbaren Lockdown-Folgen der Corona-Pandemie auf Marburg und die Region zusammengefasst.

„Einen zweiten Lockdown überstehen wir nicht mehr so glimpflich.“ Das sagt Andreas Bartsch. Die Unterlagen, in die er Einblick hat, verraten viel über die finanzielle Situation der Marburger und der Landkreis-Bewohner. Bartsch ist Chef der Sparkasse Marburg-Biedenkopf und kann sich mit wenigen Mausklicks einen Überblick zu Spareinlagen und Darlehens-Ausfällen der Privat- und Firmenkunden auf den Bildschirm legen.

Das Geld bleibt in der Krise in Marburg auf den Konten. Quelle: Archiv

„Die Vorsicht ist überall zu sehen: Die Einlagen der Kunden wachsen an, es wird weniger Geld ausgegeben“, sagt er. Dass die wirtschaftlichen Folgen der Anti-Corona-Politik die Firmen und Menschen in der Region bisher „mehr geschrammt als getroffen hat“, entnimmt er den Zahlen, den Relationen: Von 150 000 Bestandskunden hat es bei 836 Privatkrediten Tilgungs-, im geschäftlichen Bereich 305 Ratenaussetzungen gegeben. Nur 70 Firmen – „weitaus weniger als erwartet“ – hätten die KfW-Darlehen, Hilfskredite angefragt. Für Bartsch während der jüngsten Hauptausschuss-Sitzung des Stadtparlaments ein Beleg dafür, dass „die heimischen Firmen vor der Krise ganz gut gewirtschaftet, ein Eigenkapital-Puffer hatten“ und sich „ganz genau überlegen, ob sie sich Geld leihen, angesichts unsicherer Geschäftsentwicklung zurückzahlen wollen“.

Volker Breustedt, Chef der Arbeitsagentur, Uwe Kreiter vom Kreisjobcenter und Oskar Edelmann von der Industrie- und Handelskammer schätzen die Situation ähnlich ein wie Bartsch: „Das große Abrutschen ist bisher ausgeblieben, aber die Unsicherheit ist groß“, sagt Breustedt mit Verweis auf hunderte Arbeitslose mehr und Dutzende Ausbildungsstellen weniger. „Manche Jobs werden auch nicht mehr wiederkommen.“ Die schon vor Corona gebeutelte Autozulieferer-Branche im Hinterland hat er da besonders im Blick.

Auch wenn es in Marburg und Umgebung bisher keine größeren Corona-bedingten Firmenpleiten gab, sei klar: „Die Schwächsten sind am stärksten betroffen.“ Im Besonderen Hotels und Gastronomie, Reisebüros, Schausteller und Einzelhandel. Er rechnet aber mit einer Insolvenz-Zunahme, was aber im Fall einer Übernahme durch einen Käufer „nicht automatisch eine Arbeitslosenwelle bedeutet“.

KJC-Mann Kreiter verwies bei den mehr als 600 mit Corona zusammenhängenden Hartz-IV-Anträgen darauf, dass die Behörde gerade bei Solo-Selbstständigen im Kulturbereich – sofern diese in dem Beruf bleiben wollten – in der Krise „keinen Vermittlungsdruck, keine Sanktionen ausübt“.

Edelmann lobt indes den Effekt der jüngst beendeten Stadtgeld-Aktion. Auch wenn „die Kauflaune spürbar getrübt ist“ und in der ganzen Region viele Firmen mit einem länger anhaltenden Geschäfts-Einbruch rechnen, hätten die Gutscheine in Marburg eine „sichtbare Schub-Wirkung“ gehabt.

Im Gegensatz zu vielen anderen Städten und Gemeinden gibt es in der Universitätsstadt bisher keinen Anstieg der Kindeswohlgefährdungen, ergänzt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD).

Von Björn Wisker

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