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Marburg Zufrieden, dass es jetzt vorbei ist
Marburg Zufrieden, dass es jetzt vorbei ist
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10:50 22.04.2021
Dirk Bamberger (CDU).
Dirk Bamberger (CDU). Quelle: Foto: Michael Rinde
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Marburg

Armin Laschet hat sich durchgesetzt: Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident tritt bei der Bundestagswahl im September als Kanzlerkandidat seiner Partei, der CDU, an. In der heimischen Parteibasis wird die Entscheidung des CDU-Bundesvorstands akzeptiert.

„Die Entscheidung ist gefallen, Armin Laschet ist unser Kandidat“, sagt Werner Waßmuth. Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Kreistag, der selbst zu Markus Söder tendierte, geht davon aus, dass „die Partei geschlossen hinter Laschet stehen wird“.

Die Gemüter werden sich beruhigen, ist Waßmuth überzeugt, dies auch, weil der CDU-Kanzlerkandidat eine Integrationsfigur sei, was „in der jetzigen Zeit wichtig ist“. Für die Zukunft müsse die CDU nach Waßmuths Ansicht jedoch über ein anderes Verfahren zur Nominierung eines Kandidaten nachdenken. Man müsse die Parteimitglieder an der Basis durch eine wie auch immer geartete Beteiligung mehr in die Entscheidung einbeziehen. Andere Parteien praktizieren dies schon, weiß Waßmuth, die CDU habe aber unter Angela Merkel dieses Problem viele Jahre nicht gehabt.

Dirk Bamberger, Vorsitzender des CDU-Stadtverbands Marburg, sagt ebenfalls, er habe sich Söder als Kandidat sehr gut vorstellen können. „Er hatte nicht nur demoskopische Vorteile, sondern sucht besonders die Nähe zu den Menschen“, sagte Bamberger gestern der OP. Gleichwohl ist Bamberger, der auch Landtagsabgeordneter ist, „davon überzeugt, dass Armin Laschet ein sehr guter Bundeskanzler werden wird“. „Laschet steht für die richtigen Inhalte und Werte der Union.“ Vor allem aber ist Bamberger froh, dass die Debatte um die Kanzlerkandidatur jetzt vorbei ist. „Dieser Diskussionsprozess war schädlich für die Partei“, sagt der Marburger.

„Mich ärgert, dass die Partei wegen der eine Woche andauernden Debatte um den richtigen Mann an Renommee verloren hat.“

Für künftige Fälle müsse vorher ein Verfahren klar sein, nach welchem Fahrplan der Kandidat gekürt werde. Ein Autoritätsproblem habe Laschet jetzt aber nicht.

Hessens Staatssekretär im Innenministerium, Dr. Stefan Heck, ist Mitglied des CDU-Bundesvorstands und hat die Diskussion im Gremium am Montagabend live miterlebt. Er beschreibt die sechseinhalbstündige Debatte als „außergewöhnlich intensiv, außergewöhnlich ernsthaft und außergewöhnlich offen“. Er sei in erster Linie froh, dass die CDU nun eine Entscheidung getroffen hat.

„Wir hatten zwei sehr respektable Kandidaten“, sagt Heck. Zu bewerten seien die politische Leistung und die Gesamtpersönlichkeit von Armin Laschet und Markus Söder. Wie Bamberger bedauert es der CDU-Kreisvorsitzende, dass es für einen solchen Fall kein geordnetes Verfahren gibt. Die Union werde nach diesem Streit viel Arbeit haben, um den Sieger Armin Laschet zu kommunizieren und das Verfahren zu erklären, nach dem der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und CDU-Parteichef zum Kanzlerkandidaten gewählt worden ist.

Von Till Conrad und Gianfranco Fain

20.04.2021
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