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Marburg Zwischen Knochenarbeit und Gelassenheit
Marburg Zwischen Knochenarbeit und Gelassenheit
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17:58 12.08.2021
Dieses Bild aus dem Jahr 1934 zeigt eine Gruppe Landwirte bei Drescharbeiten bei „Hirtes“ in Rollshausen.
Dieses Bild aus dem Jahr 1934 zeigt eine Gruppe Landwirte bei Drescharbeiten bei „Hirtes“ in Rollshausen. Quelle: Privat
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Stausebach/Rollshausen

In unserer OP-Serie zeigen wir in diesem Teil zwei historische Bilder, die eindrucksvolle Momentaufnahmen aus der Landwirtschaft zeigen. Die Aufnahmen aus den 1930er- und 1950er-Jahren halten das Leben auf dem Bauernhof fest, zeigen die harte landwirtschaftliche Arbeit, das enge Zusammenleben zwischen Mensch und Nutztier. Zugleich versprühen sie aber auch Momente der Ruhe, der Gelassenheit, frieren genau den Augenblick ein, in dem die Arbeit auch mal ruht.

Da haben wir einmal die geruhsame Fahrt im Kuhgespann: Auf dem Bild fährt das Ehepaar Heinrich und Anna Höck mit ihrem Wagen auf dem „Kirchweg“ von Stausebach in Richtung Kirchhain. Das Foto aus dem Jahre 1951 hat uns Peter Gnau aus Stausebach zur Verfügung gestellt. Es lässt den Betrachter „etwas von Ruhe, Zeitlosigkeit, Gemütlichkeit, aber auch Zufriedenheit in den Nachkriegsjahren spüren“. Eben etwas von der „goare ahle Zeijt“, einer Zeit „ganz ohne Hektik, in der die Menschen trotz karger Lebensführung glücklich waren“, so empfindet es Peter Gnau.

Ganz ohne Hektik - so könnte der Titel dieses Schnappschusses von 1951 lauten, den uns Peter Gnau aus Stausebach geschickt hat. Heinrich und Anna Höck fahren mit dem geruhsamen Kuhgespann auf dem „Kirchweg“ von Stausebach in Richtung Kirchhain. Quelle: Privat

Im Kuhgespann geht es eben ruhig zu, gemächlich, oft bleibt es während der Fahrt stehen. Ebenso führte „Kolls Vetter“ – so war er im Ort bekannt – die Kühe stets auf ihrem langen Weg, der schon etwas über eine Stunde dauerte, zu ihrer Wiese unterhalb der Amöneburg. Heute erst recht, aber selbst in der damaligen Zeit war es schon außergewöhnlich, angelernte Kühe in passendes Geschirr gelegt mit ihrer langsamen Gangart als Zugtiere zu nutzen.

Hinter dem Kastenwagen, auf dem das Ehepaar Platz genommen hatte, wurde außerdem eine Mähmaschine mitgeführt. Das deutete darauf hin, dass an diesem Tag, an dem das Bild entstand, noch das Gras gemäht werden musste. Der Weg war lang, und so blieb viel Zeit für Gespräche und auch für „Kolls Vetter“ oft die Gelegenheit, das obligatorische Pfeifchen nicht ausgehen zu lassen.

Wenn die Dreschflegel ruhen

Auf dem zweiten Bild erhaschen wir ebenfalls einen Blick in die Vergangenheit und zwar auf die Zeit des Dreschens, damals eine echte Knochenarbeit: Dieses Gruppenfoto entstand im Jahr 1934 bei Drescharbeiten bei „Hirtes“ in Rollshausen.

Dieses Bild aus dem Jahr 1934 zeigt eine Gruppe Landwirte bei Drescharbeiten bei „Hirtes“ in Rollshausen. Quelle: Privat

Das Bild hat uns Albert Schmidt aus Cappel zugeschickt. Man sieht unter anderem seine Mutter Martha Schmidt mit dem dunklen Kopftuch in der ersten Reihe, außerdem seinen Bruder Erich auf dem Traktor.

Die Eltern betrieben in den 1930er-Jahren auf dem Lachtehof eine Hühnerfarm. Wie Albert Schmidt uns berichtet, ist das Foto eine seltene Erinnerung an diese Zeit und hat für die Familie einen unschätzbaren Wert.

Wer ebenfalls alte Bilder für die Serie einreichen möchte, kann diese gerne per E-Mail an geschichte@op-marburg.de oder per Post schicken. An die Adresse HITZEROTH Druck + Medien GmbH & Co. KG, Franz-Tuczek-Weg 1, 35039 Marburg, Stichwort: „Landkreis in alten Bildern“ z. Hd. Ina Tannert.

Von Ina Tannert

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