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Marburg Wissenschaftler nehmen „Synmikro“-Neubau in Gebrauch
Marburg Wissenschaftler nehmen „Synmikro“-Neubau in Gebrauch
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09:59 17.06.2021
Das neue Zentrum fü Synthetische Mikrobiologie (Synmikro) „ZSM 2“.
Das neue Zentrum fü Synthetische Mikrobiologie (Synmikro) „ZSM 2“. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Jetzt steht er da in der „Forschungslandschaft“ auf den Lahnbergen. Mit dunklen Klinkerkacheln an der Außenfassade und viel Glas. Insgesamt rechteckig, praktisch, gut. „Er ist wunderschön“, meint im Gespräch mit der OP sogar der Marburger Strukturbiologe und Biochemiker Professor Gert Bange, der bereits mit seinen Mitarbeitern eingezogen ist, über den neuen Forschungsbau des Zentrums für synthetische Mikrobiologe (Synmikro). „Synmikro hat jetzt ein Zuhause“, bilanziert Bange, der stellvertretende geschäftsführende Direktor des Zentrums.

Mit seiner Begeisterung meint Bange zwar nicht unbedingt die Bau-Ästhetik des Neubaus, als vielmehr dann doch das, was sich alles im Inneren des Forschungsbaus verbirgt. So seien die Räume funktional und schön gestaltet worden. Besonders gut gefällt ihm auch der Innenhof, der sich beispielsweise für informelle Treffen gut anbiete und schon dafür genutzt worden sei.

Vortragsraum mit 150 Sitzplätzen

Der Neubau besteht aus zwei Gebäudeflügeln, die einen länglichen Innenhof rahmen. An den Haupt­eingang schließen sich ein großzügiges Foyer und ein zweigeschossiger Vortragsraum mit 150 Sitzplätzen an. Die beiden Obergeschosse des Gebäudes verlaufen ringförmig, umlaufende Galerien sind über einen Luftraum mit dem Eingangsbereich verbunden. In den Schmalseiten der nördlichen und südlichen Ge­bäuderiegel sind Büros untergebracht, in den tieferen Längsseiten befinden sich Labore. Der zentrale Hof ermöglicht eine natürliche Belichtung auch der innenliegenden Räume.

In dem neuen „Synmikro“-Gebäude sollen nun interdisziplinäre Aktivitäten der Philipps-Universität und des Max-Planck-Institutes für terrestrische Mikrobiologie zusammengeführt werden. Das bedeutet auch, dass dort alle an dem Forschungszentrum Beteiligten künftig keine langen Wege mehr auf sich nehmen müssen, um sich schnell persönlich zu treffen.

Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause hatte beim Richtfest im November 2017 darauf verwiesen, dass sich „Synmikro“ seit seiner Gründung im Jahr 2010 zu einem der weltweit größten Zentren synthetisch-mikrobiologischer Forschung entwickelt habe. Forschungszweck ist die Erforschung von Mikroorganismen, die die weit verbreitetste Lebensform auf der Erde darstellen. Zwar sind einige der Mikroorganismen Krankheitserreger. Aber andere könnten sich auch als nützlich erweisen. Neben der Erforschung der Wirkungsweise der Mikroorganismen ist es ein Ziel der Forscher, daraus maßgeschneiderte Bauteile zu bauen, die in der Zukunft beispielsweise als Bestandteile von Biokraftstoffen genutzt werden könnten.

Die nicht unaufwändige Lüftungstechnik war ebenso wie Corona-bedingte Bauverzögerungen mit ein Grund dafür, dass die Bauzeit bis zur endgültigen Fertigstellung recht lange war. Der neue Forschungsbau ist jedenfalls jetzt nach rund vier Jahren Bauzeit fertiggestellt worden, und die ersten Wissenschaftler sind bereits eingezogen. Eine offizielle Eröffnungsfeier soll voraussichtlich in der Nach-Corona-Zeit erfolgen, wenn dann auch alle künftigen Nutzer eingezogen sind.

Synmikro-Neubau: Zahlen, Daten, Fakten

Der Wissenschaftsrat hatte den Forschungsbau Synmikro 2014 als Vorhaben von überregionaler Bedeutung zur gemeinsamen Bund-Länder-Förderung empfohlen. Das neue Gebäude auf den Marburger Lahnbergen entstand in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem kleineren Modulbau von Synmikro, der bereits 2014 eröffnet worden war. Dort hatten aber längst nicht alle Forscher des 2010 in Marburg gegründeten Forschungszentrums Platz gefunden.

In dem neuen Forschungsbau sollen insgesamt acht Abteilungen von Synmikro sowie zwei unabhängige Forschungsgruppen unter einem Dach arbeiten. Auf vier Geschossen mit insgesamt 6 250 Quadratmetern Fläche stehen den Wissenschaftlern künftig moderne Labore und Büroräume sowie ein Vortragssaal zur Verfügung. Der Forschungsbau für Synmikro ist eines der größten vom Wissenschaftsrat zur Förderung empfohlenen Bauvorhaben.

Die Gesamtinvestitionen belaufen sich auf rund 61 Millionen Euro. Davon entfallen 51 Millionen Euro auf den Bau sowie 4,3 Millionen Euro auf die Ersteinrichtung und 5,3 Millionen Euro auf den Erwerb von Großgeräten wie speziellen Elektronenmikroskopen.

Bauherr war das Land Hessen, die Projektleitung hatte der Landesbetrieb Immobilien und Bau Hessen (LBIH), Nutzer ist die Uni Marburg. Allein 24,9 Millionen Euro stammen aus Bundesmitteln. Sie wurden von der Philipps-Universität in einem Wettbewerb eingeworben. Den Rest steuert das Land Hessen aus dem Hochschulbauförderprogramm „Heureka“ bei.

Von Manfred Hitzeroth

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