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Marburg "Der Wahl-O-Mat der Hilfsprojekte"
Marburg "Der Wahl-O-Mat der Hilfsprojekte"
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00:18 19.05.2019
Fin Gundlach und Julia Vollendorf demonstrieren ihr System zur Vereinfachung von digitalen Spenden. Es fehlt Mit-Gründerin Sarah Liebetanz. Quelle: Ina Tannert
Marburg

Wer kennt nicht das übliche Prozedere des Online-Kaufs: Nach dem Stöbern durch das Sortiment folgt im Online-Shop der obligatorische Klick in Richtung digitaler Kasse. An diesem Punkt setzt das Konzept von „Edon“ an: Bevor der Kunde den Kauf abwickelt, erhält er die Möglichkeit, die Summe für den sozialen Zweck aufzurunden. Und das soll möglichst einfach und dennoch transparent vonstatten gehen.

Dazu haben die Gründer von „Edon“(Electronic donations), die Studierenden Julia Vollendorf, Fin Gundlach und Sarah Liebetanz, ein neues System für das elektronische Spenden ins Leben gerufen. Ihr Ziel: „Einfache Klicks, schnell und unkompliziert und mit wenig Aufwand etwas Gutes tun“, erklärt Julia Vollendorf die Idee.

Diese setzen die angehenden Unternehmer in ihrer digitalen Fundraising-Agentur um – eines der Start-ups, die sich im Marburger Institut für Innovationsforschung und Existenzgründungsförderung“ (Mafex) der Universität angesiedelt haben (die OP berichtete). Noch stehen sie in der Entwicklung, aber die Planung ist in den letzten Zügen, im Sommer soll die Agentur an den Markt gehen.

Das Konzept, beim Online-Kauf gleichzeitig eine Spende abzugeben, ist dabei nicht neu. Doch die Jungunternehmer wollen das ganze System vereinfachen und damit gleichzeitig die Spendenbereitschaft erhöhen, „es geht nicht darum, die Leute zu überreden, sondern zu überzeugen – im Moment ist die digitale Spende aber noch zu undurchsichtig“, sagt Vollendorf.

Mehr Transparenz und Überschaubarkeit

Aktuell müsse sich ein Spender auf der Suche nach dem Zweck seiner Spende für eine soziale Organisa­tion umständlich durch das Netz ­klicken. Und das durch eine „wahnsinnige Vielfalt“ an potenziellen Projekten.

„Edon“ wolle dagegen Informationen zu jedem einzelnen Hilfsprojekt auf der eigenen Webseite zentral bündeln. Das Besondere: Es werden nicht einfach soziale Organisationen in Gänze bedacht, sondern nur einzelne Projekte.

Damit wollen die Studierenden für mehr Transparenz und Überschaubarkeit sorgen – treffen dazu eine Vorauswahl: Ins „Programm“ genommen wird nicht jedes soziale Angebot. Die Agentur prüfe im Vorfeld die dahinter stehende Organisation sowie die Art und Weise des Hilfsprojekts.

Dabei setzen sie auf Empfehlungen von großen Bewertungsorganisationen, die Projekte auf der ganzen Welt auf ihre tatsächliche Wirkung überprüfen und mit Gütesiegeln auszeichnen. Außerdem verpflichten sich die Initiativen vertraglich dazu, über ihr Projekt und dessen Entwicklung auf der Homepage der Agentur zu informieren.

Shops zahlen die Transaktionskosten

Das Angebot zum Aufrunden des Kaufpreises solle zudem auf das jeweilige Produkt zugeschnitten sein und somit eher zum Spender passen. Beispiel: Beim Kauf von Tier-Zubehör etwa eine Spende für ein Tierschutzprojekt. Zudem will das Unternehmen über einen eigenen „Projektfinder“ weitere Hilfestellungen geben.

Quasi ein „Wahl-O-Mat für Hilfsprojekte“, erläutert der 23-jährige Fin Gundlach. Und wie verdient „Edon“ nun daran mit? Indem die mit einer Spende bedachten Projekte einen Teil von dem Geld abgeben: „Wir bekommen 15 Prozent von der Spende und sorgen dafür, dass das Geld da ankommt, wo es hin soll“, sagt Vollendorf.

Als Dienstleistung stellt das Unternehmen den Online-Shops ein Plug-in zur Verfügung, übernimmt die Organisation und fungiert als digitale Schnittstelle. Die Shops wiederum zahlen die Transaktionskosten.

Sie werden über die Spendensumme, die über die jeweilige Webseite zusammenkommt, informiert und können dies für Werbezwecke nutzen, „es geht auch um Kundenbindung, so kann man hervorstechen“, erläutert Gundlach. Einige große Anbieter hätten bereits Interesse an dem Konzept bekundet.

Spendenkonzept auch 
für die Gamer-Szene

Als zweites Standbein wollen die Jungunternehmer ein ähnliches Konzept für den Onlinegaming-Bereich anbieten. Wie bei Streaming-Diensten stellenweise üblich, sammelt der Spieler über eine Spendenfunktion kleinere Beträge seiner Zuschauer ein.

Das möchte „Edon“ um einen weiteren „Spendenknopf“ ergänzen, auch auf diesem Weg ihre ausgewählten Projekte unterstützen. An der Idee arbeitet Initiatorin Vollendorf schon seit 2017.

Die Politikstudentin war schon für die Entwicklungszusammenarbeit tätig, will ihre Erfahrungen nutzen, das Spendenkonzept weiterentwickeln und in die digitale Welt bringen. Sie wolle „mehr Herz im E-Commerce – das ist das Motto, der soziale Aspekt ist für mich die größte Motivation“, sagt die 25-Jährige.

Weitere Informationen gibt es online unter www.e-don.de     

von Ina Tannert