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Marburg Die Waggonhalle rettet den Sommer
Marburg Die Waggonhalle rettet den Sommer
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11:58 15.07.2021
Bunt, schrill, bizarr: Die Waggonhalle bringt das Kultmusical Rocky Horror Show auf die Open-Air-Bühne. Das Besondere: Es ist eine Weltpremiere, denn das Musical wird komplett auf Deutsch gespielt und gesungen.
Bunt, schrill, bizarr: Die Waggonhalle bringt das Kultmusical Rocky Horror Show auf die Open-Air-Bühne. Das Besondere: Es ist eine Weltpremiere, denn das Musical wird komplett auf Deutsch gespielt und gesungen. Quelle: Luca Gercke
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Marburg

Wohin im Sommer, was kann man unternehmen?, lautet oft die Frage vieler, die nicht in Urlaub fahren können, die aus unterschiedlichsten Gründen in Marburg oder im Landkreis bleiben müssen. Die Waggonhalle rettet den Sommer, zumindest in Sachen Kulturangebot. „Das machen wir doch schon immer“, sagten Matze Schmidt und Nisse Kreysing unisono vom Leitungsteam des Kulturzentrums.

Gleich drei Musicals präsentiert die Waggonhalle im Sommer: vom 21. bis 24. Juli die „Rocky Horror Show“ von Richard O’Brian, vom 28. Juli bis 1. August „Jesus Christ Superstar“ von Andrew Lloyd Webber – beide Open Air – und vom 4. bis 13. August das Kammermusical „Die letzten fünf Jahre“ von Jason Robert Brown im Saal.

„Neustart-Programm“ hilft bei der Finanzierung

Schon am 16. August kommen die Absolventen der Staatlichen Artistenschule Berlin und eröffnen den 22. Marburger Varieté-Sommer, der ebenfalls Open Air stattfinden wird und am 29. August endet. Auf dem Waggonhallen-Gelände wird dafür eine große Bühne errichtet, acht Meter breit und sechs Meter tief. Hinzu kommen Tribünen für die Zuschauerinnen und Zuschauer. Möglich geworden sei dies nur durch staatliche Förderung, betont Matze Schmidt.

Bühne, Bestuhlung, Ton- und Lichttechnik werden mit Mitteln aus dem „Neustart-Programm“ des Bundes finanziert, zudem unterstützt das Land Hessen die Open-Air-Projekte aus Mitteln des Programms „Ins Freie“, mit dem die lange darbende Kulturszene nach den Corona-Lockdowns unterstützt wird.

Höhepunkt: „Rocky Horror Show“

Erster Höhepunkt des Sommerprogramms ist das Kultmusical „Rocky Horror Show“. Fans sollten sich dringend um Karten bemühen, denn die vier Vorstellungen sind nahezu ausverkauft. Die Fans erwartet eine „Weltpremiere“, sagen Regisseur Jens D. Ravari und Produktionsleiter Kurosch Abbasi. Denn die „Rocky Horror Show“ wird erstmals komplett in Deutsch gespielt – auch die vielen Hits wie „Time Warp“, „Don’t Dream it, Be it“ oder „Sweet Transvestite“ wurden ins Deutsche übertragen.

Die Waggonhalle bringt das Kultmusical Rocky Horror Show auf die Open-Air-Bühne. Das Besondere: Es ist eine Weltpremiere, denn das Musical wird komplett auf deutsch gespielt und gesungen. Quelle: Gian-Luca BuljevicGian-Luca Buljevic

Komponist Richard O’Brian und die Londoner Rocky Horror Group achten streng darüber, wer das Musical aufführen darf und in welcher Form. Sie haben die deutschen Übersetzungen erhalten und vor zwei Wochen nach langen Verhandlungen grünes Licht für das Wagnis gegeben. Denn das ist es, schließlich können echte „Rocky Horror“-Fans jeden Song auf Englisch mitsingen.

Zum werfen wird Konfetti genommen

Schon kurz nach der Uraufführung am 16. Juni 1973 in London hat das schrille, bizarre und bunte Rockmusical die Welt erobert. Der Kult um die „Rocky Horror Show“ wurde durch die tolle Verfilmung 1975 mit Tim Curry und Susan Sarandon noch einmal angeheizt. Bei Live-Shows und selbst in Kinos gibt es Wasserduschen, fliegen Klopapier und Reis in rauen Mengen. Das gehört einfach dazu. Letzteres aber wollen die Macher des Musicals nicht. „Bitte nicht mit Lebensmitteln werfen, nehmt Konfetti“, sagt David Jdee Lammich. Er ist neben Marc Staudinger einer von zwei Frank’n’Furthers dieser Großproduktion.

Die Waggonhalle bringt das Kultmusical Rocky Horror Show auf die Open-Air-Bühne. Das Besondere: Es ist eine Weltpremiere, denn das Musical wird komplett auf deutsch gespielt und gesungen. Quelle: Luca Gercke

Sie teilen sich die Rolle, denn die „Rocky Horror Show“ soll ab Oktober die Waggonhalle füllen. 60 Vorstellungen sind bis August 2022 geplant, sagen Regisseur Ravari und Produktionsleiter Abbasi. Der in der Schweiz lebende Regisseur Ravari, der international tätige Musical-Star Abbasi und der musikalische Leiter Tom Feldrappe kennen sich aus Gießen.

Gemeinsam haben sie die Waggonhalle zu einer festen und überregional anerkannten Musical-Adresse gemacht. Sie zeichnen verantwortlich für die Musicals „Sweeney Todd“, „Hairspray“, „Jeckyll & Hyde“, „Jesus Christ Superstar“ in der englischen und in der deutschen Version sowie „Fast normal“. Alle waren stets ausverkaufte Publikumserfolge.

Weltweit berühmt

Und nun die „Rocky Horror Show“ – sicherlich eines der weltweit populärsten Musicals. „Wir wollen eine geile Show bieten, wir wollen aber noch mehr: Wir wollen, dass die Leute darüber sprechen“, sagt Ravari. „Viele junge Menschen haben das Musical noch nicht gesehen. Ich hoffe, dass viele junge Leute kommen und sich mit den deutschen Texten auseinandersetzen.“

So eine „Rocky Horror Show“ hat in der Interaktion mit dem Publikum feste Abläufe. Die Zuschauer machen mit, das ist erwünscht und wird erhofft. Zuschauer können in der Waggonhalle Festivaltaschen kaufen, gefüllt mit allem, was der Fan braucht: Klopapier, Zeitungen, Wasserpistolen, Konfetti oder Schnuller. Und es gibt eine Anleitung, wann was wie benutzt wird.

Die Waggonhalle bringt das Kultmusical Rocky Horror Show auf die Open-Air-Bühne. Das Besondere: Es ist eine Weltpremiere, denn das Musical wird komplett auf deutsch gespielt und gesungen. Quelle: Gian-Luca Buljevic

Es ist an alles gedacht, jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen, denn wegen Regen ausfallende Open-Air-Shows können wegen des engen Terminplans nicht nachgeholt werden. Und kaum kommt die Sprache auf das Wetter, klopfen die abergläubischen Künstler dreimal auf Holz: toi, toi, toi.

Karten für alle Sommershows der Waggonhalle gibt es unter www.waggonhalle.de. Es gelten die aktuellen Corona-Hygieneregeln. Wegen Bauarbeiten sind die Parkmöglichkeiten an der Waggonhalle sehr stark eingeschränkt. Die Besucher werden gebeten, die Parkplätze der Käthe-Kollwitz-Schule zu nutzen.

Von Uwe Badouin

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