Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Sechs Millionen Euro für Marburger Forscher
Marburg Sechs Millionen Euro für Marburger Forscher
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:00 04.04.2019
Eine Armleuchteralge im Labor. Quelle: Christine Kühn/AG Rensing
Marburg

Das Marburger Forschungsprojekt hat den einprägsamen Kurznamen „MAdLand“. In der Langfassung heißt der Name „Molekulare Adaptation an das Land: Evolutionäre Anpassung der Pflanzen an Veränderung“. Der Marburger Zellbiologe Professor Stefan Rensing koordiniert das Programm, das ­voraussichtlich im März 2020 beginnt und mit etwa sechs Millionen Euro zunächst für eine Laufzeit von drei Jahren gefördert wird. Das teilte die Pressestelle der Uni Marburg mit. Bei einer erfolgreichen Bilanz könnte es noch um drei weitere Jahre verlängert werden.

Pflanzen bilden bei Weitem die größte Quelle für Biomasse­ und damit für die Ernährung der Weltbevölkerung. Vor dem Hintergrund des Klimawandels und der damit verbundenen Folgen steht im Mittelpunkt des Projektes, wie Pflanzen sich an schwerwiegende Veränderungen ihrer Umwelt anpassen.

Das Forschungsprojekt soll „eine der dramatischsten Veränderungen der Umwelt, den Habitatwechsel von Wasser auf felsiges Land, untersuchen“, so Rensing. Ziel sei es, besser zu verstehen, wie sich Pflanzen an Umweltveränderungen anpassen“.

Landgang veränderte die Erdatmosphäre und die Erdoberfläche

Als die ersten Pflanzen vor zirka 500 Millionen Jahren an Land gingen, waren sie mit veränderten Umweltbedingungen konfrontiert, erläutert Rensing. So mussten sich die Pioniere unter anderem gegen Austrocknung oder ultraviolette Sonnenstrahlung schützen.

Gleichzeitig verursachte der Landgang der Pflanzen einen dramatischen Wandel. Er veränderte die Erdatmosphäre und die Erdoberfläche: Ohne grüne Landpflanzen gebe es heute keine Landtiere und folglich keine Menschen. Die Forscher versprechen sich aus der Analyse der molekularen Anpassungen von Pflanzen Erkenntnisse, die sich auch auf andere Disziplinen wie Kultur- oder Nahrungswissenschaft übertragen lassen. Erforscht werden sollen auch die genetischen Mechanismen, die die Anpassung an die Bedingungen an Land und die Entwicklung der Komplexität der Pflanzen unterstützen.

Dazu gibt es in Marburg schon einschlägige Vorarbeit. Im vergangenen Jahr fand ein internationales Forschungsteam rund um den Zellbiologen Stefan Rensing Landpflanzen-­Gene bei Armleuchteralgen. Die Landpflanzen teilen sich einen gemeinsamen Ahnen mit den Armleuchteralgen“, erklärt Stefan Rensing. Die beiden Linien hätten sich aber bereits vor mehr als 700 Millionen Jahren getrennt.