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Marburg Gute Laune und etwas zum Nachdenken
Marburg Gute Laune und etwas zum Nachdenken
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15:33 21.04.2022
„Das Lumpenpack“ begeisterte im vollen Erwin-Piscator-Haus.
„Das Lumpenpack“ begeisterte im vollen Erwin-Piscator-Haus. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

„Marburg, wie geht es euch?“: Ein vielstimmiger begeisterter Chor in der Marburger Stadthalle antwortete Sänger Jonas Frömming, neben Gitarrist und Sänger Max Kennel einer der beiden Anführer des „Lumpenpacks“. Wie sehr die fünfköpfige Band so einen Moment in einer ausverkauften und unbestuhlten Halle herbeigesehnt hat, das erzählen die beiden Köpfe der „Lumpis“ schon bald. Denn schließlich wurde unter anderem das ursprünglich im Marburger Kulturladen KFZ angesetzte Konzert wegen der Corona-Pandemie dreimal verschoben. Von den 1000 Fans in der Marburger Stadthalle hatte ein größerer Teil übrigens während des Konzertes am Mittwochabend (20. April) keine Maske an, die schließlich auch keine Pflicht war.

Die Fans sind ihnen treu geblieben

Die Band hat es seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie wie alle Rockmusiker gebeutelt. Denn große Liveacts sind erst jetzt wirklich wieder möglich. Und dabei hatten Jonas und Maximilian, die einst als Poetry-Slam-Duo im Liedermacher-Style gestartet waren, nach ihrem großen Anfangserfolg vor allem mit der Aussicht auf einen tollen Festival-Sommer 2020 ihre drei Mitmusiker – Drummerin Alex Eckert, Bassistin Lola Schrode sowie Gitarrist Jason Bartsch – verpflichtet. Die Festivals fielen bekanntlich flach. Und so war für die Musiker zwischenzeitlich vor allem „Trockentraining“ angesagt. Zumindest der von ihnen mitgegründete „Lumpenclub“ diente sozusagen als Fanbase und Gradmesser für die Qualität von neuen Songs.

Das ausverkaufte Konzert in der Marburger Stadthalle vor 1000 begeisterten Zuschauern war jetzt der zweite Auftritt der Tour 2022 nach dem Gig in Essen. Und so viel lässt sich sagen: Die Fans sind dem „Lumpenpack“ treu geblieben. Und die lassen es gleich mal so richtig krachen.

Los geht es mit einem Konfettiregen, und schon kommt der Hit über die „Liebe in Zeiten von Amazon Prime“. Abgehender Rock und zwei charismatische Frontmänner: Ein wenig wie die „Ärzte“ kommt das „Lumpenpack“ daher, aber vielleicht ein wenig moderner und mit etwas weniger Ecken und Kanten.

Das "Lumpenpack" begeisterte im vollen Erwin-Piscator-Haus. Quelle: Nadine Weigel

Aber egal: Das Publikum – bestehend wohl vor allem aus vielen Studierenden – ist absolut textsicher. Und so singt ein tausendstimmiger Chor a cappella den Song „Pädagogen“ mit, in dem sich die „Lumpis“ über einen vorwiegend aus eher alltagsuntauglichen Pädagogen bestehenden Freundeskreis amüsieren. „Ich tausch drei Lehrer gegen einen Monteur“: So lautet dann der „selbst“-ironische Chorus. Denn schließlich wären Jonas und Maximilian nach ihrem jeweiligen Studium fast selber Lehrer geworden.

Dann wagt Jonas Frömming einen Ausflug auf die Empore im „ersten Rang“ in der Stadthalle und dirigiert von da oben eine kleine „Wall of Death“, bei der im Saal die wogende Menschenmenge von links und rechts in die Mitte rennt und sich kurzzeitig trifft. Ein wenig Pogo, viel Konfetti und einfach jede Menge Spaß zum Mitsingen: Das waren weitere Zutaten für dieses Konzert, das einfach gute Laune verbreitete.

Das "Lumpenpack" begeisterte im vollen Erwin-Piscator-Haus. Quelle: Nadine Weigel

Dabei haben die „Lumpenpacker“ durchaus viel mehr zu bieten als nur Partystimmung. So beim aus dem Jahr 2019 stammenden Lied „Hauch mich mal an“, bei dem sie definitiv ihrer Zeit voraus waren. Schließlich geht es darin um eine Veralberung der Verschwörungstheorie-Szene im Gefolge von Xavier Naidoo, die bekanntlich dann als „Querdenker“-Szene vor allem in der Corona-Zeit über Deutschland hereinschwappte. In dem Lied singen sie „Hauch mich mal an. Das kann doch nicht dein Ernst sein. Das kann doch keiner ernst meinen. Hauch mich mal an. So wie du hier gerade zeterst. Merkt man, dass du einen im Tee hast. Ich riech es wie noch nie. Du stinkst nach Gras und Mon Chéri (iih)“.

Auszeitreise im „Ford Fiesta von meiner Schwester“

Der Fangemeinde gefällt’s, genauso wie das Lied über „Gisela“, eine kleine Hommage an alle Mütter, die versuchen, im Internet „hip“ zu sein und dabei manchmal eine ungewollt komische Figur abgeben. Doch richtig böse kann man den Jungs an der Rampe nicht sein über ihre gesellschaftskritischen Bosheiten. Denn dann hauen sie wieder einen raus, in dem sie das Feiergefühl einer ganzen Jugendgeneration einfangen, als sie die Zuhörer im „Ford Fiesta von meiner Schwester“ mitnehmen auf eine kleine „Auszeitreise“ nach Italien.

Dann am Ende gibt es laute „Zugabe“-Rufe: Die Musiker auf der Bühne sind mindestens genauso glücklich wie das Publikum. Letztere feiern zu Songs wie „Don’t stop believing“ vom Band noch eine kleine Party im Innenraum. Man hat sich ja sonst lange nichts mehr gegönnt.

Von Manfred Hitzeroth

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