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Marburg Das Kreuz der Liebe
Marburg Das Kreuz der Liebe
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20:58 09.05.2021
Das Kunstwerk „Love Me“ von Tizian Baldinger in der Marburger Universitätskirche.
Das Kunstwerk „Love Me“ von Tizian Baldinger in der Marburger Universitätskirche. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Im Zentrum des sieben Meter hohen vergoldeten Kreuzes aus Lindenholz im Zentrum des Altarraums in der Universitätskirche zieht seit dem 25. April der ganz in Weiß gehaltene Schriftzug „Love me“ die Blicke aller Kirchenbesucher auf sich. Er ist Bestandteil einer Kunstaktion des Schweizer Künstlers Tizian Baldinger. Die Installation besteht zudem aus meterlangen Leuchtröhren, die vom Zentrum weg nach außen führen und in verschiedenen Farben leuchten können. In regelmäßigen Abständen wird diese Installation aktiviert.

Neue Blickwinkel unter der Tristesse des Kreuzes

Das im expressionistischen Stil gestaltete schlichte Kreuz der Universitätskirche kontrastiert die Verzierungen im modernen US-Stil, der an die Leuchtreklamen in Las Vegas, dem Mekka des Glücksspiels und des leichten Lebens erinnert. Es könnte aber auch der Hinweis auf ein „Drive-in“ sein, meint Professor Thomas Erne, der Marburger Universitätsprediger und Direktor des Marburger Uni-Instituts für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart und Professor für Praktische Theologie. Das, was zuvor verborgen war, leuchtet auf – so auch der Schriftzug ,LOVE ME‘ am Kreuz, welcher im Horizont der Erzählung vom Ruf des Petrus in die Christusnachfolge ,Liebst Du mich?‘ aus dem Johannes-Evangelium neue Blickwinkel unter der Tristesse des Kreuzes im bunt-schillernden Licht der Auferstehung eröffnet“, meint Erne.

Tizians Slogan ist ambivalent

Im Gespräch mit der OP betonte Erne, dass der Künstler bei der Entstehung des Kunstwerkes zwar nicht an diese Bibelstelle gedacht habe und auch nicht religiös sei. Jedoch berühre er mit seiner Kunstaktion die Wurzeln des Christentums, dessen Botschaft die Liebe sei. Der Slogan „LOVE ME“ (Liebe mich), den Tizian entwickelt habe, sei eigentlich für einen Theologen hoch ambivalent, meinte Erne in einem Interview mit der Pfarrerin Christina Bickel. „Wer liebt da eigentlich wen? Soll ich jetzt das Kreuz lieben? Ist der, der da am Kreuz hängt, so verzweifelt, dass er sagt, jetzt liebt mich doch wenigstens, ich mach doch alles für euch und liebe euch alle.“

Improviation mit Elvis Presleys „Love Me Tender“

Beim Auftakt-Gottesdienst bereicherte Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum an der Orgel mit einer Improvisation die Kunstaktion musikalisch, wobei er unter anderem Motive aus dem Song „Love me tender“ von Elvis Presley einfließen ließ.

Tizian Baldinger ist bekannt für seine knallig leuchtenden Objekte aus LED-Leuchtstoffröhren, die die Popkultur zitieren und mit prägnanten Botschaften spielen. Der gebürtige Schweizer und Absolvent der Hochschule für bildende Künste Hamburg lebt und arbeitet aktuell in Berlin. Entdeckt für die Marburger Ausstellung hat ihn Ernes Mitarbeiterin Dorothea von Kiedrowski.

Drei Kuratorinnen zeichnen verantwortlich

Die Kommunikationswissenschaftlerin hat die Ausstellung zusammen mit Celica Fitz (Kunsthistorikerin und Religionswissenschaftlerin) sowie Yonka Werner (Studentin der Medienwissenschaften) kuratiert.

Neue Blickwinkel unter der Tristesse des Kreuzes

Begleitend zur Installation entstand die Online-Ausstellung „LOVE ME“ (liturgyspecific.art), die parallel zum ersten Kunst-Gottesdienst (abrufbar über den Youtube-Kanal der Universitätskirche Marburg) virtuell eröffnet wurde. Die Wirkung der Kreuz-Installation können Besucher der Universitätskirche täglich zwischen 9 Uhr und 19 Uhr auf sich wirken lassen. Rund um Baldingers Kreuz gibt es ein Rahmenprogramm.
Die Termine:
You need a story to displace a story: 16. Mai, 11.30 Uhr, Garten von Schloss 3 Paradiesandacht: Martin Jockel (Gießen); Musik: Anne Jockel (Violine), Musiker und Sänger aus der Hessischen Stipendiatenanstalt
Gottessehnen: 30. Mai, 11 Uhr, Universitätskirche; Predigt: Prof. Dr. Claus-Dieter Osthövener; Orgel: Gerold Vorrath (Orgel), Achim Breinl (Saxophon) und Christina Bickel (Querflöte)
Tatort Beziehung: Glatte Lippen richten Verderben an (Spr. 26,28): 6. Juni, 11.30 Uhr, Garten von Schloss 3 Paradiesandacht: Pfarrerin Christina Bickel, WM Christian Kolodzey; Musik: Chor und Musiker aus der Stipendiatenanstalt
Wie ein roter Apfelbaum: 27. Juni, 11.30 Uhr, Garten von Schloss 3 Paradiesandacht: Stud. theol. Hannah Zielke und Johannes Böckmann; Musik: Lennart Krach (E-Piano), Hannah Zielke (Querflöte) und Johannes Böckmann (Tenorbanjo)
Liturgy Specific Art mit der Künstlerin Kyra Spieker. Macht Liebe alles neu?! Vom Stückwerk zum Werkstück: 4. Juli, 11. Uhr, Universitätskirche; Predigt: Pfarrerin Susanne Zimmermann (Köln); Musik: Universitätschor, Leitung Nils Kuppe

Von Manfred Hitzeroth

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