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Marburg Das Krankenzimmer vom Geißlein
Marburg Das Krankenzimmer vom Geißlein
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14:58 02.04.2020
Sergej Fuchs während der Geißlein-Restauration in der Theaterwerkstatt. Quelle: Foto: Nadine Weigel
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Marburg

Die Reparatur vom ramponierten Geißlein und des in die Jahre gekommene Fisches aus dem Alten Botanischen Garten waren eine willkommene Abwechslung für Sergej Fuchs. Der studierte Theatermaler war nämlich gerade mit den Bühnenbauten für das Stück „Pollesch wäre das nicht passiert“ beschäftigt, das Anfang April Premiere haben sollte.

Große viereckige Kisten, lachsrot bemalt, standen in seiner Werkstatt beim OP-Besuch. Und zwischendrin das mittlerweile genesene Geißlein, zusammen mit dem nun wieder bunten Fisch aus dem Alten Botanischen Garten.

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„Der ganze Kopf war kaputt und auseinandergerissen“, beschreibt der Theatermaler. So war das Geißlein bei ihm angekommen. Mit dem Kreativmaterial „Kobracast“ hat Sergej Fuchs es wieder in Form gebracht. Die Gesichtszüge nachgeformt genauso wie eines der Hörner. „Ich habe es sozusagen wieder zusammengeflickt“, sagt er lachend und zeigt auf die Kanten, an denen er das Tier geklebt hat.

Doch damit war sein „Rettungseinsatz“ noch nicht beendet. Denn das Geißlein brauchte ja auch wieder ein Fell. Kein richtiges, das ist klar, aber ein aufgemaltes oder besser gesagt ein angedeutetes. Auch das verpasste der Theatermaler der Styropor-Figur. Beim großen Fisch aus dem Alten Botanischen Garten sah das „Frischmachen“ etwas anders aus. Er wurde von unten wieder ausgeschäumt und abgeklebt. Dann bekam er eine neue Grundierung und wurde komplett frisch bemalt.

„Das war eine komplette Restaurierung“, beschreibt Sergej Fuchs. Zwei Monate hat er dafür gebracht. „Die Reparatur lief neben dem Bau der Bühnenrequisiten so nebenher“, sagt er und ist froh über die Abwechslung. Seine 23. Spielzeit erlebt er nun schon in Marburg, hat viel gebaut. Zum Beispiel die riesigen Marionetten für die Jedermann-Aufführung im Schloss in Rauischholzhausen, die an der Fassade herunterhingen und sich bewegen konnten.

„Früher haben wir mehr gemalt und alles war plastischer. Heute bauen wir große Kästen und malen sie lachsrot an“, meint der 59-Jährige achselzuckend mit einem Augenzwinkern.

Der Kasache malt schon sein ganzes Leben lang. Bereits im Kindergarten wurde sein Talent entdeckt und wurde über die Jahre hinweg immer weiter gefördert – in der Konsequenz studierte Fuchs in der ehemaligen kasachischen Hauptstadt Alma Ata Theaterkunst.

In seiner Werkstatt in Marburg hängen viele Bilder, die er mal für die Bühne oder für Ausstellungen gemalt hat. „Sie dienen einmal der Verschönerung der Bude und um eine künstlerische Atmosphäre zu schaffen“, erklärt Sergej Fuchs.

Hinten in der Ecke steht seine Staffelei, darauf ein unfertiges kubistisches Löwenbild. Dieser französische Stil begleitet Fuchs schon seit seiner Jugend. „Ich bin geprägt durch Picasso und Georges Braque“, gibt er zu. Kürzlich hat er in der Haspelstraße ausgestellt, über die Kunstvereinigung Marburg-Biedenkopf. Vielleicht hängt bei einer der nächsten Ausstellungen auch der kubistische Löwe.

Der große Fisch auf jeden Fall, der schwimmt schon wieder im Alten Botanischen Garten. Und das Geißlein darf auch bald schon wieder zu seinen Geschwistern am Steinweg.

Von Katja Peters

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