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Marburg Landestheater startet in die Spielzeit
Marburg Landestheater startet in die Spielzeit
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14:00 13.09.2019
Lady Macbeth (Zenzi Huber) und Macbeth (Sven Brormann) strahlen in die Kamera von Romy Lehmann. Banquo (Christian Simon) steht daneben. Quelle: Jan Bosch
Marburg

„Macbeth“ ist eine der großen, eine der bekanntesten Tragödien des genialen Dramatikers William Shakespeare. Und zugleich sein kürzestes Stück. Bis heute wird das Drama um Machtgier und Machterhalt um jeden Preis, um Schuld und Wahn überall in der Welt gespielt, ist fester Bestandteil des Theaterkanons.

Immer wieder wurde und wird die vermutlich um 1606 entstandene und nachträglich veränderte Tra­gödie neu interpretiert und die Lesart an gesellschaftliche Entwicklungen angepasst. Darüber hinaus hat das Stück trotz seiner Grausamkeit – Macbeth wird schließlich zum Massenmörder – einen sehr hohen Unterhaltungswert, zu dem phantastische Figuren wie die drei Hexen beitragen.

Es ist nicht gesund in der Nähe des Mörders

Intendantin Carola Unser inszeniert das Stück auf der großen Bühne des Erwin-Piscator-Hauses. Zwar stehen neun Darstellerinnen und Darsteller auf der Bühne, doch hat Regisseurin Unser einige Rollen gestrichen oder zusammengefasst.
Macbeth ist ein Heerführer des schottischen Königs, sein „Schlächter“, wie es in dem Stück heißt. Er gewinnt für Duncan eine Schlacht gegen den norwegischen König.

Auf dem Rückweg gemeinsam mit seinem Freund Banquo trifft er auf drei Hexen, die ihm prophezeien, dass er König von Schottland werde und Banquo weis­sagen, dass er Ahnherr eines Königsgeschlechts werde. Doch wie wird man König, wenn der König Erben hat? Anfangs zögert Macbeth noch, König Duncan zu ermorden. Doch angetrieben von seiner ehrgeizigen Frau schleicht er sich nachts in die Kammer des Königs und ersticht ihn im Schlaf.

Die Würfel sind gefallen – weitere Morde folgen, denn Macbeth will an der Macht bleiben. Banquo ist der nächste, auch sein Sohn soll sterben, doch dem gelingt die Flucht. Sein Widersacher Macduff und Malcolm, der Sohn des toten Königs, fliehen nach England. Es ist nicht gesund in der Nähe des Mörders.

"Türken, Feuer" auf der kleinen Bühne im Theater am Schwanhof

War anfangs Lady Macbeth die treibende Kraft hinter dem blutigen Aufstieg ihres Mannes, so verfällt sie angesichts der Morde zunehmend dem Wahnsinn. Und Macbeth, der anfangs zauderte, den Gewissensbisse plagten, der die Geister der Toten sah, der mutiert mehr und mehr zum eiskalten Mörder.

Sven Brormann ist als Macbeth zu sehen, Zenzi Huber spielt seine ehrgeizige Frau Lady Macbeth, Jürgen Helmut Keuchel ist in einer Doppelrolle als König Duncan und Macduff zu sehen. Christian Simon spielt den Heerführer Banquo, Daniel Sempf den Königssohn Malcolm, Romy Lehmann Mörder und Boten, Saskia Boden-Dilling, Jorien Gradenwitz und Ben Knob sind als Hexen zu sehen.

Für Bühne, Lichtdesign und Kostüme zeichnen Fred Bielefeldt, Delia Naß und Jörn Friedrich verantwortlich. Für die Premiere gibt es nur noch vereinzelte Restkarten. In die nahe Vergangenheit führt die zweite Premiere des Startwochenendes. Am Samstag ist um 19.30 Uhr im auf der kleinen Bühne Theater am Schwanhof „Türken, Feuer“ von der Autorin Özlem Özgul Dündar als Uraufführung zu sehen.

Das "Stück der Stunde"

In „Türken, Feuer“ geht es um den Brandanschlag auf ein von Menschen türkischer Abstammung bewohntes Haus in Solingen, bei dem 1993 fünf Menschen starben. Verübt wurde er von jugendlichen Rechtsextremen. Die Autorin Dündar ist in Solingen aufgewachsen. Sie war 10 Jahre alt, als der Anschlag Solingen und die Bundesrepublik erschütterte.

In ihrem Stück kommen Mütter zu Wort: Mütter der Täter, Mütter der Opfer und eine Mutter, die mit ihrem Kind im Arm in den Tod sprang. „Türken, Feuer“ sei das „Stück zur Stunde“, so das Hessische Landestheater: „Sprache und Choreografie verbinden sich zu einer Geschichte über den Tod, das gemeinsame Überleben und den Atem, den wir teilen.“

Regie führt Anna-Elisabeth Frick. Die 30-Jährige ist ein Regietalent. Schon während ihres Studiums inszenierte sie am Staatstheater Stuttgart und dem Theater Trier, später am Nationaltheater Weimar, in Freiburg, Luxembourg und am Landestheater Schleswig-Holstein. Es spielen Mechthild Grabner, Lisa Grosche, Camil Morariu, Anna Rausch, Victoria Schmidt, Valentina Schüler und als Gast Mario Neumann. Die Premiere ist ausverkauft.

von Uwe Badouin