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Marburg Zwischen Hoffen und Bangen
Marburg Zwischen Hoffen und Bangen
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15:58 24.08.2020
Abstand halten: Die Spielzeitbegrüßung des Hessischen Landestheaters fand im Freien statt.
Abstand halten: Die Spielzeitbegrüßung des Hessischen Landestheaters fand im Freien statt. Quelle: Foto: Uwe Badouin
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Marburg

„Wir wären bei Festivals in Berlin gewesen, wir wären in Mülheim gewesen, dann kam ,fucking corona’“, ruft Eva Lange, eine der beiden Intendantinnen des Hessischen Landestheaters Marburg, am Donnerstag ins Mikrofon. Die Corona-Pandemie hat der deutschen Kulturszene heftig zugesetzt. Dies gilt auch für das von der Stadt Marburg und dem Land Hessen subventionierte Hessische Landestheater Marburg. Allerdings sind die Beeinträchtigungen nicht so existenziell wie etwa für freie Künstlerinnen und Künstler.

Die rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trafen sich am Donnerstagvormittag bei der traditionellen Spielzeitbegrüßung im Freien vor dem Theater am Schwanhof. Es war für alle das erste Treffen in dieser Größe seit fünf Monaten. Im März brachte das Corona-Virus den Spiel- und Probenbetrieb zum Erliegen.

Corona-Verluste:

rund 150000 Euro

Lockdown, alles dicht, nichts ging mehr, keine Proben, schon gar keine Aufführung vor Publikum. Premieren wurden gestrichen, Aufführungen und Gastspiele reihenweise abgesagt. Auf rund 150 000 Euro summierten sich die Einnahme-Verluste für das Landestheater in dieser Zeit nach Angaben der Intendantin Carola Unser. Rund 100 000 Euro davon seien durch Kurzarbeit kompensiert worden, die vorerst bis Ende Dezember beantragt ist. Und auch Stadt und Land werden ihr Landestheater sicher nicht hängenlassen.

Die beiden Intendantinnen Eva Lange und Carola Unser machten dem Team vor allem Mut vor ihrer dritten gemeinsamen Spielzeit in Marburg, die am 18. September mit „Glaube Liebe Hoffnung“ von Ödön von Horvath im Erwin-Piscator-Haus eröffnet wird. „Es gibt diese Menschen, denen wir fehlen, für die Theater systemrelevant ist“, rief Eva Lange: „Das Hessische Landestheater ist systemrelevant. Wir lassen die Hoffnung nicht sinken.“

Allerdings, das wissen beide, wird Corona die Arbeit am Landestheater weiter erheblich beeinträchtigen. Noch ist unklar, wie viele Besucher zu den Vorstellungen zugelassen werden. Auffangen könnte man das Minus nur dadurch, noch häufiger zu spielen. Die sehr erfolgreichen Projekte im Bereich „Theater und Schule“ etwa sind derzeit völlig ausgebremst. Carola Unser ist klar: „Wir werden nicht die Einnahmen generieren können, die wir brauchen.“

Die Proben müssen sehr genau geplant werden. Auch wenn nach den aktuellen Regeln Proben mit zehn Menschen möglich wären, bleibt man am Landestheater vorsichtig. „Wenn jemand eine komische Situation erlebt, soll er lieber zu Hause bleiben, bis er Gewissheit hat, das er nicht infiziert ist, damit wir nicht gleich das ganze Haus zumachen müssen“, erklärt Eva Lange.

Das Theater sucht, um die Probensituation zu entspannen, derzeit in Zusammenarbeit mit der Stadt weitere Räume. Zudem weiß heute niemand, wie sich die Pandemie im Herbst und Winter entwickeln wird. Sicher ist nur: „Es muss niemand Angst um seinen Arbeitsplatz haben“, betonte Carola Unser.

Die Corona-Krise machte im Frühjahr überdeutlich, dass das Hessische Landestheater digital weit hinter dem Standard hinterher hinkte. Für die digitale Ausstattung stellten das Land Hessen und die Stadt Marburg jetzt 100000 Euro zur Verfügung, „um endlich mal aus dem Steinzeitalter rauszukommen“, so Carola Unser: „Ich hatte im Sommer das erste Mal W-Lan – es war eine Erleuchtung.“

Anti-Rassismusklausel

geplant

Viel Beifall vom gesamten Team gab es für die Idee, in den Verträgen eine Anti-Rassismusklausel einzubauen. „Wir müssen uns immer wieder bewusst machen, wie wir miteinander reden. Wir wollen miteinander besser werden“, erklärten die Intendantinnen.

Ansonsten gibt es in der Spielzeit viele neue Gesichter am Landestheater. Victoria Schmidt und Camil Morariu haben das Ensemble des Landestheaters verlassen, sind aber vorerst noch als Gäste zu sehen. Neu ist das Schauspielstudio, für das sich das Landestheater mit der Kunstuniversität Graz verbündet hat. Vier junge Darstellerinnen und Darsteller verstärken das Ensemble. Viel hat sich auch hinter den Kulissen getan.

Alle Neuen finden Sie im Hintergrundkasten.

Von Uwe Badouin