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Marburg Das Comeback der Bimmelbahn
Marburg Das Comeback der Bimmelbahn
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17:38 09.10.2020
Gras wächst buchstäblich über der Strecke der Salzbödetalbahn bei Niederwalgern, aber vielleicht nicht mehr lange. Quelle: Thorsten Richter
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Todenhausen

Lange wurden sie als Bimmelbahn oder „Ferkeltaxe“ verlacht, viele vor Jahrzehnten stillgelegt und totgesagt – jetzt aber erleben die ländliche Bahnstrecken fast schon eine neue Renaissance. Denn der Personennahverkehr auf der Schiene erhält immer mehr Zuspruch, auch aus der Bundes- und Landespolitik, und vor allem Förderpotenzial. Gute Voraussetzungen, um Teile der alten, lokalen Strecken im Sinne der klimaschonenden Mobilitätsentwicklung wieder zu reaktivieren, bestehende Linien auszubauen oder anzuknüpfen.

In der Debatte stehen etwa die Ohmtalbahn zwischen Kirchhain und Nieder-Ofleiden. Oder noch stärker die Salzbödebahn zwischen Niederwalgern und Hartenrod, für die im kommenden Jahr die Machbarkeitsstudie von Kreistag und RMV starten soll (die OP berichtete). Man dürfe dabei aber „nicht in Stummeln denken“, sondern das ganze Netz betrachten, befand der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow am Donnerstag beim Pressegespräch mit Vertretern von Land, Nachbarkreisen und Verkehrsverbünden. Gemeinsam habe man eine ganze Reihe an Möglichkeiten für die Neubelebung der lokalen Schiene ausgelotet. Diverse Studien wurden erstellt oder werden auf dem Weg gebracht.

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Neue Bahnsteige geplant

Welche Projekte die Kurhessenbahn bis 2025 für den Ausbau der Infrastruktur in Marburg-Biedenkopf und Waldeck-Frankenberg auf der Agenda hat, stellte Hans-Martin König von der DB RegioNetz Infrastruktur GmbH vor.

Auf der Liste steht unter anderem die Linie RB 42 zwischen Marburg und Brilon Wald, die einmal mit höherer Taktzahl und weiteren Haltepunkten fahren soll. Neue Bahnsteige samt Parkplätzen könnten in Niederwetter (in der Nähe des Feuerwehrhauses) und Todenhausen (hinter dem Bürgerhaus) entstehen, so die Idee. Dafür sieht die Machbarkeitsstudie Investitionen von rund 16 Millionen Euro vor. Der Nordhessische Verkehrsverbund will dazu nun eine Nutzen-Kosten-Rechnung beauftragen.

Auch die Taktverdichtung mit Direktverbindung der RB 94 zwischen Marburg und Siegen bleibt Thema – noch bis Ende 2021 fahren dort samstags zwei Zugpaare als Test-Angebot, das ab Ende 2025 zum Standard werden könnte. Auf der Strecke wird es zudem drei weitere barrierefreie Stationen geben – die in Goßfelden und Sterzhausen sind im Bau, der in Biedenkopf startet Mitte Oktober.

Technik wird modernisiert

Ebenfalls im Programm und gebunden an den Neubau von B 252/B 62 ist die Modernisierung der Bahnhöfe in Sarnau und Buchenau, wo etwa neue Stellwerke und neue Funktechnik zum Einsatz kommen sollen – eine Voraussetzung für eine Taktverdichtung, erklärte König. Um den Zugverkehr ausbauen zu können, müssen außerdem alte, noch mechanische Stellwerke modernisiert werden, jene in Biedenkopf und Friedensdorf sollen 2025 durch elektronische Technik ersetzt werden.

Die wäre auch nötig, um in Biedenkopf-Breidenstein bis 2026 Verladestellen für den Güterverkehr einzurichten, für den Transport von Holz und Beton. Denn nicht nur mehr Menschen, auch mehr Waren sollen möglichst auf den Schienen unterwegs sein, um die Verkehrswende voranzubringen. „Die Zeiten waren nie so gut wie jetzt, wir müssen jetzt Geld in den Boden bringen“, betonte König.

Von Ina Tannert

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