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Marburg Marburg und die Hoffnung auf den Welterbe-Titel
Marburg Marburg und die Hoffnung auf den Welterbe-Titel
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12:58 31.07.2021
Marburg und seine Universität – sind sie reif für den Welterbe-Titel?
Marburg und seine Universität – sind sie reif für den Welterbe-Titel? Quelle: Archivfoto
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Marburg

Darmstadt hat geschafft, wovon einige Marburger seit Jahren träumen: Die Künstlerkolonie Mathildenhöhe in der südhessischen Stadt ist nun offiziell Weltkulturerbe, ebenso wie Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen, die zusammen mit acht anderen europäischen Kurorten als „Große Bäder Europas“ von der Unesco ausgezeichnet wurden. Hierzulande weckt das Erinnerungen an die gemeinsame Bewerbung Marburgs mit Tübingen um den Titel Weltkulturerbe.

Die schaffte es vor sieben Jahren allerdings nicht einmal auf die deutschlandweite Vorschlagsliste. Die Kultusministerkonferenz nominierte damals aus Hessen nur einen Vorschlag – nämlich: die nun ausgezeichnete Darmstädter Mathildenhöhe.

Wäre es nun Zeit für einen neuen Anlauf? Marburg hat schließlich durch die historische Oberstadt, die traditionsreiche Universität und das junge studentische Leben ein einzigartiges Flair. Der damalige Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) hatte nach der erfolglosen Bewerbung die Hoffnung geäußert, dass mit einem veränderten Konzept noch ein Welterbe-Erfolg möglich sein könnte. Sein Nachfolger Dr. Thomas Spies (SPD) äußert sich allerdings zurückhaltend zu einer möglichen neuen Unesco-Bewerbung.

Biontech-Ansiedlung macht Marburg bekannter

„Grundsätzlich wäre die Aufnahme in die Liste der Weltkulturerbe-Stätten natürlich wünschenswert, zumal die traditionelle europäische, insbesondere deutsche Universitätsstadt ein besonders Phänomen darstellt“, teilt er auf OP-Anfrage mit, fügt aber hinzu: „Ganz praktisch ist eine solche Bewerbung – die seinerzeit leider nicht sehr erfolgreich war – mit erheblichem Aufwand verbunden.“

Dieser Aufwand könne sich zwar lohnen, weil die Aufnahme in die Welterbe-Liste die Stadt bekannter und touristisch attraktiver mache. Die Stadt habe allerdings 2018 einen anderen Schwerpunkt gesetzt, Marburgs Attraktivität bekannt zu machen: „Das Stadtjubiläum stellt derzeit das zentrale Ereignis auch für die überregionale Vermarktung der Stadt dar.“ Zudem gehe die Stadtverwaltung davon aus, dass hunderttausende ehemalige Studierende und andere Menschen, die in Marburg gelebt haben, durch „ihre positive Erinnerung den Effekt eines solchen Titels gut kompensieren können“, meint Spies.

Die Bekanntheit der Stadt habe im letzten halben Jahr auch durch die Ansiedlung des Corona-Impfstoff-Herstellers Biontech deutlich zugenommen. Für die überregionale Vermarktung der Stadt solle in den nächsten Jahren „die Tradition von Behring bis Biontech eine besondere Rolle spielen“, kündigt der Oberbürgermeister an. „Eine erneute Bewerbung als Weltkulturerbe sollte frühestens dann geprüft werden, wenn diese Marburg-spezifischen Möglichkeiten ausgeschöpft wurden“, stellt Spies klar.

Marburg hatte sich 2012 unter dem Titel „Universität als kultureller Raum“ als Prototyp einer europäischen Universitätsstadt beworben, zusammen mit Tübingen in Baden-Württemberg.

Die Stadt Marburg und die Universität hatten den Vorschlag gemeinsam ausgearbeitet. Die Bewerbung hatte die Stadt damals gut 50 000 Euro gekostet.

Von Stefan Dietrich

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