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Marburg Daniel Jung erklärt Mathe auf Youtube
Marburg Daniel Jung erklärt Mathe auf Youtube
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14:01 17.02.2020
Youtube ist jetzt 15 Jahre alt. Daniel Jung hat sich auf der Plattform mit Videos über Mathe einen Namen gemacht. Quelle: Carsten Rehde
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Cappel

In der Zeitschrift „DB mobil“, sprach er in einem Interview vor einiger Zeit darüber, dass Schulen Youtuber einladen sollten und fügte hinzu, er selbst sei noch nie eingeladen worden. Dieses Interview las Björn Gemmer, Schulleiter der Steinmühle, und kam so auf die Idee, Jung für eine Veranstaltung an seine Schule zu holen. Dies sei auf viel Begeisterung gestoßen, erzählte Gemmer. Er freute sich, dass der Saal gut gefüllt war: „Das spricht für die Bekanntheit des Referenten.“

Daniel Jung erzählte den Anwesenden, wie er dazu kam, Videos zu drehen und wie das Lernen in Zukunft am besten gestaltet werden sollte. Er erklärte, er habe seinen Mitschülern früher schon gerne Mathematik erklärt und ihnen geholfen. Damals habe er dafür in der Schule noch Tadel bekommen, fügte er lachend hinzu. Später, in 2006, habe er sich während seines Mathematikstudiums die von der amerikanischen Universität „MIT“ abgefilmten Vorlesungen zu Hause angesehen und gemerkt, dass er so den Stoff einfacher verstand.

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Jung im Interview: "Ich war ein Streber"

Daniel Jung in der Steinmühle. Foto: Noa Pötter

OP: Herr Jung, Sie als Experte der Videoplattform: Was gefällt ­Ihnen an Youtube am besten und was stört Sie daran?
Daniel Jung: Mir gefällt vor allen Dingen die Einfachheit, Wissen teilen und viele Menschen damit erreichen zu können. Aber das Geschäftsmodell basiert ja auf Werbung, und das ist für die Creator suboptimal. Creator, die fundamentales Wissen vermitteln, sollten seitens Youtube unterstützt werden. 
OP: Wie lange brauchen Sie, um ein Video zu produzieren?
Jung: Ein Video dauert vier bis sechs Minuten, und länger brauche ich auch nicht, um es aufzunehmen. Die Produktion selbst ist: Knopf an, Take, Knopf aus. Das geht alles in einem Rutsch. Nur manchmal klappt vielleicht ein Durchgang nicht direkt. Bei tieferen komplexen Themen bereite ich den didaktischen Aufbau ein bis zwei Tage lang vor, aber normalerweise ist das nicht nötig. Ich könnte zum Beispiel jetzt sofort mehrere­ ­Videos drehen. 
OP: Wonach entscheiden Sie, welche Themen Sie als Nächstes behandeln?
Jung: Mittlerweile entscheide ich das „auf Zuruf“, das heißt durch Feedback in den Kommentaren. Ich behandle außerdem auch neue aktuelle Themen, die Mathematik in der ­Anwendung zeigen.
OP: Wie haben Sie die Schulzeit erlebt?
Jung: Ich war ein Streber (lacht)! Ich bin sogar zum Lehrerliebling gewählt worden. Ich habe das immer sehr ernst genommen und mich akribisch vorbereitet. Mir kommt heute zugute, dass ich auch an der kreativen Ecke interessiert war. Ich war sehr fleißig und kein Querulant.

Früher gab es das „Telekolleg“, heute sei eben Youtube die Plattform für Videos, die Wissen vermitteln. „Das ist nichts Neues“, meinte Jung. Während man früher lange in Büchern blättern musste, könne man heute mithilfe des Internets viel schneller und individueller Wissenslücken schließen.

In den ersten Jahren sei mit seinem Youtube-Kanal nicht viel passiert, berichtete Jung. Er habe beschlossen, einfach nebenher weiter Videos zu drehen. „Ich trete vor die Kamera und tue das, was ich schon immer gerne gemacht hab‘: Leuten etwas erklären“, erzählte er. Bei seinen Videos gibt es keine Begrüßung, Effekte oder Schnitte. „Ich bin technologisch nicht sehr bewandert“, gab er zu.

Die OP auf Youtube

Seit etwas mehr als vier Jahren hat auch die Oberhessische Presse ihren eigenen Youtube-­Kanal. In dieser Zeit haben wir mehr als 1.000 Videos veröffentlicht, die fast 2,3 Millionen Mal aufgerufen worden sind. Das sind die meistgeklicktesten Videos der OP-Redaktion (Stand 14.02.2020):

  • Platz 1: Update: Arzt erschießt Arzt in Marburg (94 741 Aufrufe)
  • Platz 2: Hähnchen für den Grill (64 727)
  • Platz 3: Marburger singt bei „The Voice Kids“ (52 843)
  • Platz 4: Unwetter in Marburg (52 439)
  • Platz 5: Silas Nacita und Conner Sullivan rocken Marburg (44 207)

Sein Kanal sei wie Wikipedia für Mathe in Videoform, habe ein Zuschauer ihm mal gesagt. Auch habe er schon Rückmeldungen bekommen wie: „Ohne dich hätte ich mein Studium abbrechen müssen.“ Ein Herzensprojekt Daniel Jungs sei zudem die von ihm gegründete, kostenlose und werbefreie Internetseite www.mathefragen.de. Sie bringt Menschen zusammen, um sich gegenseitig bei Mathematikproblemen zu unterstützen. Das sorge für ein Erfolgserlebnis bei dem Schüler, der das Thema endlich versteht, und bei demjenigen, der es erfolgreich erklärt hat.

Abschließend ermutigte Jung die Anwesenden, selbst Videos zu produzieren, in denen sie Wissen vermitteln: „Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn einer von Ihnen mir in drei ­Wochen schreibt: Ich starte ein Projekt!“

von Noa Pötter

Hintergrund: 15 Jahre Youtube

Seit anderthalb Jahrzehnten gibt es Youtube. Was mit einem banalen Tiervideo begann, wurde zu einem Milliardengeschäft und einem der größten Portale der Unterhaltungswelt.

Den Anfang machten ein paar Elefanten im Zoo von San Diego. „Das Coole an diesen Typen ist, dass sie diesen echt langen Rüssel haben“, sagt Youtube-Mitgründer Jawed Karim, zwei Dickhäuter im Hintergrund. Das erste Video auf der Online-Plattform war banal und unspektakulär – ganz im Gegensatz zum Aufstieg von Youtube, der folgen sollte.

Die Webseite entwickelte sich rasch zum Inbegriff des kurzweiligen Internet-TVs und ist heute eine Supermacht der Unterhaltungswelt. Doch so groß der Erfolg, so groß ist inzwischen auch die Kritik. Zum 15. Geburtstag am Samstag ist Youtube umstritten wie nie. Nette Tierfilmchen gibt es zwar noch immer, doch die Zeiten der Unschuld sind längst vorbei. Die Übernahme durch Google, die Kommerzialisierung, die Werbemilliarden – der einstige „Broadcast Yourself“-Spielplatz für Privatvideos ist für Googles Mutterkonzern Alphabet längst nur noch ein großes Geschäft.

Mit dem rasanten Wachstum der Bandbreite haben jedoch auch Einfluss und Verantwortung massiv zugenommen. In der Ära von Fake News, Hetze und Filterblasen im Netz ist Youtube ein steter Stein des Anstoßes. Enorme rund zwei Milliarden aktive monatliche Nutzer hat die Plattform nach eigenen Angaben inzwischen. Vor fünf Jahren waren es noch halb so viele. Was Youtube zu Alphabets Erlösen beiträgt, war lange eines der bestgehüteten Geheimnisse der Finanzmärkte – kürzlich gewährte der Konzern erstmals Einblick. 2019 spielte die Plattform demnach bereits Werbeerlöse von gut 15 Milliarden Dollar ein.

Soziale Medien geraten zunehmend unter Druck, gegen die Verbreitung von Propaganda und Extremismus vorzugehen, Youtube ist hier keine Ausnahme.

von Hannes Breustedt

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