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Marburg Mit einem Klick ist das Geld weg
Marburg Mit einem Klick ist das Geld weg
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11:56 18.05.2020
Dirk Hintermeier vom Landeskriminalamt Hessen kennt die Tricks von Betrügern. Quelle: Katja Peters
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Marburg

Die Corona-Pandemie sorgt leider nicht nur für mehr Solidarität unter der Bevölkerung, sie ruft auch vermehrt Internetbetrüger auf den Plan. Davor warnt Kriminalhauptkommissar Dirk Hintermeier vom Landeskriminalamt.

„Die Täter nutzen die Ängste der Verbraucher aus, die derzeit ein gesteigertes Informationsbedürfnis haben. Deswegen sind viele geneigt einfach auf gefälschte Links beispielsweise in E-Mails zu klicken“, erklärt der Experte für Cyberkriminalität.

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Mit der App „HessenWarn“ werden derzeit schon 600.000 Nutzer über viele Arten der Gefahren informiert und erhalten auch die aktuellsten Bestimmungen zu Corona. „Unter der Rubrik ,Prävention‘ finden sich auch alle möglichen Maschen der Internetkriminalität“, sagt Dirk Hintermeier, der im OP-Gespräch ein paar heraus gepickt hat.

Phishing-Mails:

Phishing bedeutet die Beschaffung persönlicher Daten anderer Personen wie beispielsweise Passwörter oder Kreditkartennummern durch gefälschte E-Mails oder Websites. So vermehrt passiert in Nordrhein-Westfalen in Bezug auf die Corona-Soforthilfen. Mit gefälschten E-Mails haben die Täter die Empfänger aufgefordert, ihre Daten inklusive Kontoverbindung mitzuteilen. „Mit diesen Informationen haben die Täter dann selbst die Anträge für die Soforthilfe gestellt.

Das Geld wurde dann tatsächlich teilweise ausgezahlt“, berichtet Dirk Hintermeier, der Clankriminalität dahinter vermutet. In Hessen gäbe es „sehr wenige Verdachtsfälle auf Betrug bei der Beantragung von Corona-Soforthilfen“, so der Beamte, der noch ergänzt:

„Alle Vorfälle werden derzeit geprüft und sind daher noch nicht als vollendete Taten bestätigt worden.“ Er rät, wirklich nur über die Internetseite des Regierungspräsidiums Kassel die Unterstützung zu beantragen. „Wir wissen, dass es bei vielen um die Existenz geht. Da wird sich an jeden Strohhalm geklammert.“

Fake-Shops:

Der Online-Handel hat während des zeitweisen Lockdowns zugenommen. Doch hinter den Online-Händlern können sich auch Betrüger verbergen, die mit gefälschten Shops Einkäufer abzocken. „Gefälschte Verkaufsplattformen im Internet sind auf dem ersten Blick schwer zu erkennen“, gibt Dirk Hintermeier zu bedenken und beschreibt:

„Die Shops sind teilweise Kopien real existierender Websites, wirken daher seriös und lassen beim Käufer selten Zweifel an ihrer Echtheit aufkommen.“ Mit professionell aufgemachten allgemeinen Geschäftsbedingungen und einem gefälschten Impressum gewinnen sie oft schnell das Vertrauen des Nutzers.

Ein weiteres Lockmittel ist der scheinbar besonders günstige Preis. „Der unrealistische Preis gepaart mit Vorauskasse haben meistens den Totalverlust des Geldes zur Folge“, so der Experte. Heute werden dringend benötigte Dinge wie Desinfektionsmittel oder Masken zu völlig überhöhten Preisen mit „garantierter Lieferung“ angeboten. „Im Kleingedruckten steht dann aber eine Lieferzeit von vier Wochen oder noch mehr“, warnt Dirk Hintermeier vor dieser Masche.

Die Betrüger versuchen zusätzlich mit einem Counter, der nur noch wenige Mengen suggeriert, noch mehr Druck aufzubauen. „Auch die Seitenendung .de bedeutet nicht, dass eine Seite nebst Shop auch aus Deutschland ist.“ In diesem Zusammenhang warnt Dirk Hintermeier auch davor, Medikamente in unseriösen Internetshops zu kaufen. Die Ware ist minderwertig und oft gefälscht. „Arzneimittel sollten immer bei der Apotheke vor Ort gekauft werden.“

Online-Trading:

Der Reiz, mit digitalem Geld, beispielsweise Bitcoins, reich zu werden, ist groß. Seit geraumer Zeit kommt es allerdings bundesweit vermehrt zu Betrugsfällen in Verbindung mit Investitionen auf nicht lizensierten Online-Trading-Plattformen. Der vermeintliche Inhalt der Investition reicht von Anlagemöglichkeiten in Differenzgeschäften bis hin zum Kauf oder dem Handel von Kryptowährungen.

Dirk Hintermeier gibt Hinweise auf mögliche Betrugsabsichten: unaufgeforderte Anrufe durch wechselnde Mitarbeiter eines Call-Centers, verdächtige E-Mail-Werbung mit rosigen Gewinnversprechen, die Bitte eines vermeintlichen „Brokers“, sich mittels einer Software Zugriff auf den Rechner samt Online-Banking zu verschaffen, Auszahlungen eines vermeintlichen Gewinns sind an die Bedingung einer weiteren Investition gebunden.

„Die Welle gibt es etwa auch seit anderthalb Wochen in Hessen und dient hauptsächlich die Nutzer zu verunsichern“, erklärt der LKA-Beamte. Oft würden auch bekannte Persönlichkeiten, wie beispielsweise Thomas Gottschalk oder Dieter Bohlen, für die Werbung genutzt – ohne deren Wissen und Zustimmung.

Enkeltrick:

„Der Enkeltrick stirbt nicht aus“, sagt Dirk Hintermeier. Gerade jetzt machen sich die Täter die Verunsicherung der älteren Mitmenschen zunutze, „weil es ja noch mehr einsame Menschen gibt“. Am Telefon geben sie sich als Angehörige aus und behaupten, mit dem Virus infiziert zu sein. Die Kriminellen täuschen vor, finanzielle Unterstützung für die Behandlung zu benötigen.

Er rät, sich immer den Namen des vermeintlichen Verwandten sagen zu lassen, „oder auch nach Dingen oder Begebenheiten zu fragen, die nur der echte Verwandte wissen kann“. Eine neue Masche sind auch falsche Mitarbeiter des Gesundheitsamtes, die dazu auffordern, einen Corona-Test zum Preis von bis zu 7.000 Euro durchführen zu lassen.

Eine Abwandlung des Vorgehens ist, dass Täter unter dem gleichen Vorwand bei Betroffenen an der Haustür klingeln und sich so möglicherweise Zutritt zur Wohnung verschaffen. Die gleiche Masche wird auch durch falsche Mitarbeiter von Telekommunikationsdiensten genutzt. Sie berufen sich auf die Überlastung des Netzes und wollen neue Leitungen legen oder den Router austauschen.

Auf diese Weise stehlen sie dann Wertsachen sowie Bargeld aus den Wohnungen. Auch falsche Microsoft-Mitarbeiter haben sich auf die Corona-Krise eingestellt. In englischer Sprache mit indischem Akzent versuchen sie die Angerufenen dazu zu bewegen, unter anderem eine Fernwartung zu installieren, um so persönliche Daten abgreifen zu können.

Von Katja Peters

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