Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Cyber-Attacken: Landkreis unter Bundesschnitt
Marburg Cyber-Attacken: Landkreis unter Bundesschnitt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:00 07.05.2022
Ein Passwort wird auf einem Laptop über eine Tastatur eingegeben.
Ein Passwort wird auf einem Laptop über eine Tastatur eingegeben. Quelle: Oliver Berg
Anzeige
Marburg

Wer ein Grundstück oder ein Haus mit Wertgegenständen hat, regelt den Zugang – über ein Tor, Schlösser und sichere Fenster. „So ist es auch mit einem Netzwerk. Es wird vorher geprüft, wo sind potenzielle Angriffspunkte“, sagt Thomas Winzer, Vorstand der Marburger Inosoft AG. Davon gibt es bei Netzwerken oder Computersystemem viele. Und die nutzen Hacker aus. Allein in Deutschland geht der jährliche Schaden durch Internetkriminalität weit in die Milliarden. Das Bundeskriminalamt hat für 2020 rund 108 000 Delikte registriert, eine erneute Steigerung von 7,9 Prozent im Vergleich zu den 2019 erfassten Fällen.

Cyberkriminalität nimmt zu

Während die Straftaten bundesweit zwar sinken – um 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – und in Hessen sogar auf den niedrigsten Wert seit 1980 gefallen sind – rund 6 400 Fälle weniger als 2020) –, nehmen Internetverbrechen zu. Die Anzahl der registrierten Straftaten ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen.

Anders im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Hier sind die Internetverbrechen 2021 im Vergleich zum Vorjahr relativ konstant geblieben. In der Kriminalstatistik sind 186 Fälle erfasst, davon handelt es sich bei 168 Fällen konkret um Cyberbetrug. 2020 erfasste die Polizei 187 Internetverbrechen, davon waren 163 Fälle Cyberbetrug.

„Es handelt sich hauptsächlich um Fälle, bei denen versucht wird, den Computer des Geschädigten lahmzulegen“, erklärte Polizeisprecher Martin Ahlich. Die Erfahrung lehrt, dass keine Firma zu klein und kein Trick zu abwegig ist, um sich Zugang zu fremden Systemen zu verschaffen. Die Corona-Pandemie mit der Homeofficepflicht hat die Tür für Cyberkriminelle weit geöffnet. Auch werden die Betrüger immer professioneller und die Straftaten sind einfach auszuführen.

5 Expertentipps

  1. Starkes Passwort wählen
  2. Updates installieren
  3. Mehrstufige Viren- und Spam-Abwehrmechanismen installieren
  4. Vier-Augen-Prinzip: Erst nach Prüfung durch eine zweite Person werden die Daten versendet
  5. Phishing-Mails erkennen

So läuft eine Cyberattacke ab: Der Angreifer (Hacker) sucht sich einen Zugang über Schwachstellen – per E-Mail oder über eine Anwendungs- oder Netzwerkschwachstelle – und schleust Malware ein. Die Hacker wollen Know-how abziehen, Geschäftsdaten stehlen, die Infrastruktur lahmlegen beziehungsweise schädigen oder Geld erpressen. Wer sein Netzwerk oder seine Computersysteme nicht schützt, öffnet den Hackern also Tür und Tor.

„Man sollte genauso wie bei der Installation einer Alarmanlage eine Fachfirma beauftragen. Das Geld ist gut investiert“, sagt Winzer.

Anfang 2020 wurde die Stadtverwaltung Alsfeld von Hackern lahmgelegt. Die Stadt musste ihre Server vom Netz nehmen und war nicht mehr per E-Mail erreichbar.

Von Silke Pfeifer-Sternke

07.05.2022
Marburg Exklusiv-Führung für OP-Leser - Exotische grüne Welten auf den Lahnbergen
07.05.2022
07.05.2022