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Marburg Die Gastro-Retter von Marburg
Marburg Die Gastro-Retter von Marburg
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15:02 21.01.2021
Claudia Sophia Ritzenhoff und Timm Hoffman haben eine Crowdfunding-Aktion ins Leben gerufen, um die Gastronomie in der Oberstadt zu unterstützen.
Claudia Sophia Ritzenhoff und Timm Hoffman haben eine Crowdfunding-Aktion ins Leben gerufen, um die Gastronomie in der Oberstadt zu unterstützen. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Der Corona-Lockdown macht zahlreichen Branchen zu schaffen – unter anderem leiden die Gastronomen immens unter den Einschränkungen. Denn: Ihre Restaurants und Kneipen müssen geschlossen bleiben. Aber immerhin, so ein Gastronom, sei es „ein kleiner Lichtblick, dass wir Speisen außer Haus verkaufen oder liefern dürfen – auch, wenn uns das nicht wirklich rettet. Denn so bleiben wir zumindest bei unserer Kundschaft im Gespräch.“

Die Folgen für die Gastronomie sollen auch durch die Corona-Hilfen abgemildert werden. Doch die fließen nur spärlich: Erst jüngst wurde begonnen, die sogenannte „Novemberhilfe“ auszuzahlen (die OP berichtete) – rund acht Wochen nach Beginn des Lockdowns.

Eine harte Situation also – und eine, die Claudia Sophia Ritzenhoff und ihr Lebensgefährte Timm Hoffmann abmildern wollen. Denn die beiden haben am Sonntag eine Crowdfunding-Aktion ins Leben gerufen: Wer möchte, kann spenden – die Einnahmen werden zu 100 Prozent an die Gastronomiebetriebe in der Oberstadt ausgeschüttet. Funding-Ziel: 50 000 Euro.

Wie kam es zu der Idee? „Ich bin selbst gebürtige Marburgerin, habe die vergangenen fünf Jahre in Köln gelebt“, sagt Claudia Sophia Ritzenhoff. Vergangenen Sommer sei sie mit ihrer Tochter und ihrem Lebensgefährten zurück in die Universitätsstadt gekommen, „wir wohnen selbst in der Oberstadt – mit etwas Abstand und zurückgekommen nach Marburg ist mir noch deutlicher aufgefallen, wie besonders und wunderschön unsere Oberstadt ist“. Das Schatzkästchen der Stadt sei „einzigartig und sieht nicht wie jede andere Stadt aus, in der sich eine Fast-Food- und Shopping-Kette neben der anderen befindet.

Der Charme entsteht durch die vielen unterschiedlichen, individuellen kleinen Cafés und Restaurants“, schwärmt sie. „Das lohnt sich zu unterstützen“, sagt Ritzenhoff. Und das nicht nur wegen des Charmes, „sondern weil auch viele Familien dahinter stehen“. Die Oberstadt sei „das Wahrzeichen von Marburg und sorgt dafür, dass die Stadt ganz besonders wird“.

Ritzenhoffs Partner Timm Hoffmann hat die Kampagne auf der Plattform gofundme.com aufgesetzt. Er schreibt in der Kampagnenbeschreibung: „Unsere Gastronomen, die Inhaber von den vielen kleinen Cafés und Restaurants in der Oberstadt, die Betreiber und Zubereiter unserer Lieblingsheißgetränke und Speisen – sie stehen mit dem Rücken zur Wand und es ist Zeit. Es ist höchste Zeit, dass wir helfen.“

Die Marburger und Oberstadt-Genießer dürften nicht tatenlos zusehen, sondern müssten helfen. „Und das geht nicht nur über Gutscheine und hin und wieder Nutzen des Lieferdienstes. Das geht jetzt nur noch über Spenden“, ist er sich sicher. „Lasst uns unserem Marburg, wie wir es lieben, gemeinsam helfen und die Cafés und Restaurants vor dem finanziellen Aus schützen“, so der Aufruf.

Das Geld soll später zu gleichen Teilen an die gastronomischen Betriebe in der Oberstadt verteilt werden. „Natürlich würden wir gerne alle, die Hilfe brauchen, unterstützen“, sagt Claudia Sophia Ritzenhoff. Doch gehe das nicht – daher sei im ersten Schritt die Unterstützung der in der Kampagne aufgeführten 30 Gastro-Betriebe geplant. „Auch, wenn nur ein relativ kleiner Betrag zusammenkäme, dann ist es doch besser als nichts“, meint Ritzenhoff. Die Unterstützung sei dabei nur das eine – denn verbunden sei die Aktion auch mit der Hoffnung, „dass dadurch vielleicht auch noch andere auf die Idee kommen, den lokalen Einzelhandel oder die Gastronomie zu unterstützen“.

Mit einigen Gastronomen hätten die beiden im Vorfeld gesprochen, „die waren positiv überrascht, dass jemand losgeht, um zu helfen. Vielleicht kann sich durch die Aktion ja auch die Botschaft verbreiten, dass es schön ist, einander zu helfen, füreinander da zu sein und sich gegenseitig zu unterstützen.“ Den Gastronomen stehe das Wasser bis zum Hals, „denn viele haben uns erzählt, dass es viel zu lange dauert, bis die versprochenen Hilfen ausgezahlt werden“.

Sie und Hoffmann verstehen die Aktion nicht als Konkurrenz zu den Aktivitäten von marburg-liebe.de – im Gegenteil, „das ist super, vielleicht können wir uns mit dem Stadtmarketing noch mehr verbinden“. Es gehe darum, ein zusätzliches Angebot zu schaffen, „als Hilfe und ohne Gegenleistung“. Die Initiatoren der Aktion sind übrigens von der Corona-Krise wirtschaftlich nicht betroffen: „Ich arbeite unter anderem online als Texterin und im Marketing, da ist viel zu tun“, sagt Claudia Sophia Ritzenhoff, „und mein Lebensgefährte hat als Unternehmensberater auch sehr viel zu tun.“

50 000 Euro sind das Ziel, bis gestern Nachmittag waren 732 Euro erreicht, verteilt auf 26 Spender. „Als Start ist das OK, aber es ist natürlich noch Luft nach oben. Wenn jeder einen kleinen Betrag gibt, dann lässt sich viel erreichen“, ist sich Ritzenhoff sicher. Denn es gehe um etwas – um die Rettung der Gastronomie in der Oberstadt.

Zu finden, ist die Aktion unter https://bit.ly/3sFaWWw

Von Andreas Schmidt

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