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Marburg Coworking statt Homeoffice oder Büro
Marburg Coworking statt Homeoffice oder Büro
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14:58 26.06.2021
Ute Horn (rechts) und Simone Landsmann in einem der Büros, das vom Bildungszentrum Handel und Dienstleistungen in Marburg als Coworking-Space angeboten wird.
Ute Horn (rechts) und Simone Landsmann in einem der Büros, das vom Bildungszentrum Handel und Dienstleistungen in Marburg als Coworking-Space angeboten wird. Quelle: Andreas Schmidt
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Marburg

Coworking ist in Großstädten längst Alltag. Inzwischen etabliert sich das gemeinschaftliche Arbeiten aber auch jenseits der Metropolen. Im Landkreis sind die Angebote außerhalb von Marburg jedoch noch rar gesät. Es spart Zeit und Energie und verbindet Natur und Arbeit: Das Coworking, bei dem unterschiedliche Gruppen von Menschen zusammenkommen, um gemeinsam zu arbeiten, wird auch auf dem Land immer mehr zum Trend. Die ländlichen Regionen sind als Lebensraum wieder sehr attraktiv geworden. Daher braucht es dort auch Arbeitsorte“, sagt Andreas Pfnür, Leiter des Fachgebiets Immobilienwirtschaft und Baubetriebswirtschaftslehre an der Technischen Universität Darmstadt.

Zufriedener und produktiver

Viele Menschen wollten heimatnah arbeiten und nicht pendeln. Gleichzeitig wünschten sie sich einen „dritten Raum“ jenseits von Homeoffice und Büro. „Untersuchungen haben ergeben, dass viele Arbeitnehmer in einer anderen Arbeitsumgebung als im Büro oder im Homeoffice zufriedener und produktiver sind“, erläutert Pfnür. Die Pandemie habe die Wahrnehmung zusätzlich dafür geschärft, wie wichtig die Arbeitsumgebung ist.

Dass Coworking-Flächen inzwischen auch auf dem Land zu einer Alternative zum klassischen Büro oder dem Heimarbeitsplatz geworden sind, davon profitieren laut Pfnür aber nicht nur die Nutzer, sondern auch die Kommunen: „Es gibt dort oftmals viele ungenutzte Gebäude.“ Sie könnten durch das gemeinschaftliche Arbeiten wieder zu einem Ort der Begegnung und der Ortskern wieder attraktiver werden.

Auf dem Land sind Coworking-Angebote im heimischen Landkreis – trotz Leerstands in einigen Ortskernen – bisher rar gesät. „In dieses Thema ist im Kontext von Corona und Homeoffice-Regelungen Bewegung gekommen“, teilt Stephan Schienbein, Pressesprecher des Landkreises, auf OP-Anfrage mit. „Es gibt im Landkreis bereits einige Anbieter mit entsprechender Infrastruktur. Unsere Wirtschaftsförderung wird die Entwicklung aufmerksam verfolgen und prüfen, ob und wie diese Entwicklung konstruktiv begleitet werden kann.“ Auch in Marburg gibt es laut Auskunft der städtischen Pressestelle einige Angebote: „Aktuell gibt es in Marburg noch Coworx in der Bahnhofstraße“, teilt Birgit Heimrich auf Anfrage der OP mit. Das Angebot richte sich „in kleinem Umfang an Freiberufler“. Weitere Coworking-Spaces seien der Wirtschaftsförderung der Stadt aktuell nicht bekannt. Doch gebe es durchaus Entwicklung – so etwa mit dem Lokschuppen-Projekt von Gunter Schneider. Jüngstes Angebot beim Coworking in der Universitätsstadt: Das Bildungszentrum Handel und Dienstleistungen (BZH) bietet an seinem Standort in der Schlosserstraße 8 flexible Möglichkeiten an – „vom Einzelbüro bis hin zum kompletten Schulungsraum“, verdeutlicht Geschäftsführerin Ute Horn. Und: Nicht nur in Marburg können Interessenten Coworking-Spaces flexibel von der halbtäglichen bis hin zur mehrmonatigen Nutzung buchen: Auch an den weiteren Standorten des BZH – von Kassel über Bad Hersfeld, Bad Wildungen und Korbach bis Gießen – gibt es Angebote.

Individueller Bedarf

Simone Landsmann vom BZH verdeutlicht: „Bei uns können Start-ups und Unternehmen die perfekten Flächen finden, denn wir sind gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Außerdem sind auch Restaurants und Supermärkte fußläufig zu erreichen.“ Man biete den Coworkern „Einzelbüros, voll ausgestattete Arbeitsplätze, Schulungsräume, Besprechungsräume und auch gemütliche Community-Areas – ganz nach dem individuellen Bedarf“, so Landsmann. In allen Angeboten seien Internetzugang, Drucker, Wasser und Kaffee inklusive, „außerdem gibt es eine voll ausgestattete Küche, die genutzt werden kann“. Doch wieso kann das BZH so flexibel reagieren? „Unsere Kurse finden beispielsweise nur vormittags oder auch lediglich von montags bis donnerstags statt, danach sind Räume frei. Außerdem gibt es ohnehin Büros, die neben den Räumen genutzt werden können – ob stundenweise oder bis zur Rund-um-die-Uhr-Nutzung.“

Branchen unter einem Dach

Selbst Schulungs- und Seminarräume könnten für Schulungen oder Besprechungen gemietet werden. „Der Vorteil ist, dass hier ohnehin verschiedene Branchen unter einem Dach sind – da kann man Synergien nutzen und ein Austausch stattfinden“, sagt Landsmann. Ute Horn bringt auch einen anderen Fall ins Spiel, der bereits mehrfach zum Tragen gekommen sei: „Nicht jeder, der ins Homeoffice geschickt wird, kann zu Hause auch effektiv arbeiten.

Ein Spielchen zwischendurch

Auch für diese Personen bieten Coworking-Spaces eine gute Alternative.“ Selbst einen „Raum der Stille“ gibt es, um einen Augenblick der Ruhe zu genießen, für eine bewegte Pause können Interessenten Nordic-Walking-Stöcke ausleihen, zudem lädt eine Tischtennisplatte zu einem Spielchen zwischendurch ein. „Und außerdem sind wir als Vermieter richtig nett“, sagt Ute Horn lachend, man sehe sich nicht an starre Regeln gebunden. „Wir hatten beispielsweise den Fall, dass ein Kunde ein Büro für den ganzen Monat gebucht hatte – dann aber vorher aus dem Vertrag musste. Solchen Wünschen legen wir keine Steine in den Weg“, versichert die Geschäftsführerin.

Es gehe für das BZH nicht nur darum, in den eigenen Räumen für eine bessere Auslastung zu sorgen. „Wir haben ja beispielsweise auch eine Gründungsberatung oder viele Kursteilnehmende, mit denen sich durchaus der Austausch lohnt oder es durch Synergien zu gemeinsamen Gründungen oder Geschäftsideen kommen kann“, so Horn. Das sei ein weiterer Antrieb, das Angebot auszubauen.

Von Andreas Schmidt und unserer Agentur