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Marburg Covid-19-Impfungen gestartet
Marburg Covid-19-Impfungen gestartet
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20:37 27.12.2020
Corona-Impfstart in Marburg: Das Impfteam betritt das Altenheim Weisser Stein in Wehrda.
Corona-Impfstart in Marburg: Das Impfteam betritt das Altenheim Weisser Stein in Wehrda. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Es war die wohl am meisten beachteste Kiste des Jahres, die am Sonntag (27. Dezember) zum Auftakt der bundesweiten Corona-Massenimpfung durch den Landkreis gefahren wurde – die Kühlkiste mit den ersten Impfstoffdosen gegen Covid-19 für Marburg-Biedenkopf.

Den unscheinbaren Kasten mit der wertvollen Fracht nahmen die ersten sechs Mitarbeiter des Gesundheitsamtes, darunter zwei Ärzte, in Obhut, die gestern Morgen ihre Arbeit aufnahmen und – nach einem Corona-Schnelltest – die ersten beiden Seniorenheime im Kreis aufsuchten. Die Seniorenbetreuung Weißer Stein in Wehrda sowie das Alten- und Pflegeheim Balz in der Marburger Oberstadt.

Der allererste Mensch, der im Landkreis eine Corona-Schutzimpfung erhielt, war ein 86 Jahre alter Mann in Wehrda, der am Vormittag das Serum gespritzt bekam. Insgesamt erhielten am ersten Impf-Tag rund 90 Bewohner eine Injektion mit dem Impfstoff von Biontech und Pfizer. Wie es der Impfplan des Landes vorsieht, haben Heimbewohner Vorrang, zudem werden auch jene Mitarbeiter geimpft, die ebenfalls ihr Einverständnis dazu gegeben haben. Eine Impfpflicht gibt es nicht. Die zweite Injektion der Geimpften steht dann drei Wochen später an.

In einer ersten Charge kamen 155 Impfstoff-Dosen im Kreis an, am Montag und am Mittwoch werden die nächsten Lieferungen erwartet, bis Ende der Woche sollen rund 1500 Dosen verteilt werden, berichtete Dr. Birgit Wollenberg, Leiterin des Kreis-Gesundheitsamtes. Sie zeigte sich zum Auftakt „sehr erleichtert – ich bin froh, dass es jetzt endlich losgeht“. Auf Erfahrungswerte könne bei einer Impfkampagne dieses Ausmaßes indes nicht zurückgegriffen werden, das Gesundheitsamt sei jedoch „gut vorbereitet“.

Impfstoff wird vor Ort gemixt

Die nächste Zeit sind die mobilen Teams, bestehend aus vier bis sieben Personen, täglich im Einsatz – insgesamt wohl knapp 30 Mitarbeiter aus dem Gesundheitsbereich am Tag. „Das geht jetzt zwei Wochen durchgehend weiter“, sagt Wollenberg. Geplant sei, dass bald der Großteil der Seniorenheim-Bewohner geimpft werde. Sofern diese oder die bevollmächtigten Betreuer schriftlich ihr Einverständnis geben. Und danach? Auch nach den Altenheim-Besuchen – samt weiterem Impftermin drei Wochen später – hätten die Teams noch genügend zu tun, etwa in der stationären Eingliederungshilfe. „Es wird auch andere Menschen geben, die nicht ins Impfzentrum gehen können“, so Wollenberg.

Wie läuft die Arbeit in den Einrichtungen eigentlich ab? Vor der eigentlichen Injektion des fertigen Impfstoffs per Spritze muss der vor Ort noch aufbereitet werden: Der elementare Bestandteil ist der flüssige, konzentrierte Wirkstoff gegen Covid-19, der in kleinen Ampullen stark gekühlt geliefert wird. In einem extra Raum vor Ort wird das Konzentrat dann mit Kochsalzlösung aufgefüllt. Daraus entstehen dann fünf Impfdosen pro Fläschchen, erläutert Wollenberg. Diese müssen innerhalb von zwei Stunden geimpft werden, seien dabei sehr sensibel, dürfen nicht geschüttelt oder weiter transportiert werden. Stark gekühlt werden müsste die Mischung jedoch bis dahin nicht mehr. Um mögliche Nebenwirkungen wie akute allergische Reaktionen beobachten zu können, stünde jeder geimpfte Mensch noch mindestens eine Viertelstunde unter ärztlicher Aufsicht.

Impfzentrum verharrt weiter in Wartestellung

Das Land erhält bekanntermaßen derzeit noch weniger Impfstoff-Dosen als ursprünglich gedacht – mit ein Grund, weshalb vorerst nur durch die mobilen Impfteams geimpft wird. Außerdem erhalten die Mitarbeiter am Marburger Uniklinikum vor Ort ihre Injektionen. Das Impfzentrum am Marburger Messeplatz ist weiterhin in Wartestellung, wie lange ist ungewiss, „wir können nicht genau sagen, wann der Betrieb aufgenommen werden kann“, sagte gestern Landrätin Kirsten Fründt. Zuvor müsse geklärt sein, wie viele Impfdosen wann zur Verfügung stehen, sodass ein anhaltender Betrieb überhaupt möglich sei.

Das Impfzentrum in Gießen hat seine Arbeit früher aufgenommen, was daran liege, dass das Land dieses als eines der hessenweit sechs „koordinierenden Impfzentren“ eingestuft hat. Jenes in Marburg zählt nicht dazu, das in Gießen ist Koordinator für beide Bezirke. Nach dem Start in Marburg wird die Organisation an die künftigen Dienstleister übergeben werden, die Johanniter und das DRK.

Es ist nicht möglich, über das Gesundheitsamt oder das Impfzentrum direkt Termine für eine Impfung im Impfzentrum zu vereinbaren. Dies wird im kommenden Jahr über ein bundesweit einheitliches Anmeldeportal und einer hessischen Telefon-Hotline möglich sein. Der Landkreis habe hierauf keinen Einfluss, die Organisation liegt beim Land Hessen.

von Ina Tannert