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Marburg Sitzen Marburger in China fest?
Marburg Sitzen Marburger in China fest?
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11:58 28.01.2020
Reisende werden als Schutz gegen die Verbreitung des Corona-Virus mit Infrarot-Thermometer im Flughafen Wuhan auf erhöhte ­Temperatur überprüft. Foto: Emily Wang/AP/dpa
Reisende werden als Schutz gegen die Verbreitung des Corona-Virus mit Infrarot-Thermometer im Flughafen Wuhan auf erhöhte ­Temperatur überprüft. Quelle: Emily Wang/AP/dpa
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Marburg

Die Firma CSL hat eine Produktionsstätte in der chinesischen Metropole Wuhan. Sind auch Marburger vor Ort und von der Quarantäne und Ausreisesperre betroffen, wie Mitarbeiter im OP-Gespräch behaupten? „Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass wir keine Auskunft zum Aufenthaltsort unserer Kollegen geben können“, sagt CSL-Pressesprecherin Stephanie Fuchs auf OP-Anfrage.

Das Mutterhaus von CSL Behring, CSL Limited in Australien, verfolge den Ausbruch des Coronavirus mit Zentrum in Wuhan sehr genau „und beobachtet die Empfehlungen von Regierung und Gesundheitsbehörden auf das Genaueste“, so Fuchs.

In Wuhan leben rund 90 Deutsche

CSL Behring hat einen Produktionsstandort und Mitarbeitende in Wuhan. „Zurzeit ist der Standort in Wuhan aufgrund des Chinesischen Neujahrsfestes in Feiertagspause“, so die Sprecherin.

Von der Unternehmensleitung seien aktuelle Reisehinweise für Reisen von und nach China herausgegeben worden. „Zudem haben wir Maßnahmen in die Wege geleitet, um die Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeitenden weltweit zu überwachen und zu gewährleisten – speziell natürlich unserer Kollegen vom Standort Wuhan.“ Klar ist laut Bundesregierung, dass in Wuhan derzeit 90 Deutsche leben.

Unsicherheit in der Bevölkerung

Seit Montagabend gibt es auch in Deutschland einen Fall der neuen chinesischen Lungenerkrankung. In einem aktuellen Schreiben des Uni-Klinikums versichert das UKGM, dass die heimischen Experten für den Fall einer Ausbreitung des „neuen Coronavirus“ nach Deutschland gerüstet sind.

„Die Ausbreitung neuer Viruserkrankungen wie aktuell das neue Coronavirus aus China und auch die jährliche Influenzavirus-Welle führen schnell zu Unsicherheiten in der Bevölkerung. Wie kann ich mich schützen? Woher weiß ich, von welchem Virus ich betroffen bin?“, heißt es in der Mitteilung.

Das Wichtigste in einer Situation, in der sich eine Infektionskrankheit rasch ausbreite, sei es, schnell und sicher zu diagnostizieren. „Betroffene Patienten müssen innerhalb kürzester Zeit von Nicht-Betroffenen getrennt und in isolierten Räumen behandelt werden, um eine weitere Verbreitung zu stoppen“, fasst Dr. Andreas Jerrentrup, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme in Marburg zusammen.

Gießen auf Lungeninfektionen spezialisiert

Am Standort Gießen sei man auf derartige Erkrankungen besonders spezialisiert. Professorin Susanne Herold leitet dort die Sektion Klinische Infektiologie sowie die Klinische Forschungsgruppe „Virus-induziertes Lungenversagen“.

Gemeinsam mit Ärzten und Forschern von beiden Standorten und den Instituten für Virologie in Marburg und Gießen werden dort neue Therapien gegen schwere Lungeninfektionen etabliert, unter anderem solche, die durch Coronaviren ausgelöst werden. „Wir nutzen die Erkenntnisse aus der Forschung und unsere klinische Expertise auf diesem Feld, um Patienten mit schweren viralen Lungeninfektionen bestmöglich zu behandeln“, so Herold.

Gensequenz des Virus bekannt

Die Herausforderung des neuen Coronavirus werde sicherlich sein, es von anderen Viren, insbesondere von Influenzaviren, zu unterscheiden, denn beide Infektionen haben ähnliche Symptome.

„Glücklicherweise ist die Gensequenz des neuen Coronavirus bereits bekannt, was die Entwicklung eines schnellen Nachweistests durch die Berliner Kollegen möglich machte. Mit diesem Test können wir auch das neue Virus sehr schnell diagnostizieren“, erklärt Professor Stephan Becker, Direktor des Instituts für Virologie in Marburg. „Darüber hinaus arbeiten wir im Rahmen des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung daran, einen Impfstoff zu entwickeln“, bestätigt der Forscher.

von Andreas Schmidt und Manfred Hitzeroth

Hintergrund

In der Diagnostik arbeitet das UKGM eng mit den Instituten für Virologie zusammen. Dabei profitieren sie von Expertise und schnellen Diagnoseergebnissen, erhalten in kürzester Zeit zuverlässige Daten und können schnell handeln.

Das Institut für Virologie in Marburg verfügt über ein BSL4 Hochsicherheitslabor, eines von vieren in Deutschland und rund 40 weltweit. „Durch unsere exzellenten und international bekannten Virologen sind wir am UKGM bestens vorbereitet auf etwaige Verdachtsfälle“, so Professor Harald Renz, ärztlicher Geschäftsführer am Standort Marburg. Ein am Montag, 27. Januar, gemeldeter Verdachtsfall in Marburg bestätigte sich nicht.