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Marburg Schulen bleiben vorerst geöffnet
Marburg Schulen bleiben vorerst geöffnet
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13:10 05.03.2020
Themenfoto Schule. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Die Verbreitung des Coronavirus „SARS-CoV-2“ hat Auswirkungen auf zahlreiche Bereiche des Alltags, vom Einkaufsverhalten mancher besorgter Menschen bis zu strikten Hygieneregeln. Die sind auch an Schulen und Kindergärten spürbar und werden dort penibel umgesetzt. Als Sicherheitsvorkehrung hat der Landkreis an alle Schulen und Kitas Plakate und genaue Informationen zur Hygiene versandt. „Richtig niesen und husten“ steht auf einem Plakat, das mit Bildern und Text eine einfache Anleitung zur Reduzierung von Ansteckungsgefahr gibt, die auch Kinder verstehen können. Die Hygienetipps erinnern unter anderem daran, dass sich Schüler wie Lehrer ausgiebig die Hände waschen, sich nicht ins Gesicht fassen oder im Krankheitsfall Abstand halten sollten.

Schulen und Kitas bleiben vorerst geöffnet

Für eine Schließung von Schulen oder Kitas sieht der Landkreis nach aktuellem Stand keine Notwendigkeit, das sei generell immer vom jeweiligen Einzelfall abhängig, teilt die Pressestelle mit. Nach wie vor gibt es im Kreis Stand gestern Abend keinen bestätigten Coronafall. Die Zahl der aktuellen Verdachtsfälle lag kreisweit bei neun. Fünf Menschen zählten – nach einem engen Kontakt zu einem Coronapatienten – zur Kategorie 1 (höheres Infektionsrisiko) und befinden sich in Quarantäne. Zudem gab es 11 Reiserückkehrer aus Risikogebieten sowie drei Bewohner der Kategorie 2 (geringeres Infektionsrisiko), die Kontakt, aber keinen engen Kontakt zu einem wahrscheinlichen Coronafall hatten.

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Das Robert-Koch-Institut empfiehlt nur für Gebiete, in denen vermehrt Fälle bekannt sind, neben anderen Maßnahmen eine präventive Schließung sogenannter Gemeinschaftseinrichtungen (GE), wo sich viele Menschen begegnen können. Wie das Institut auf Nachfrage mitteilt, fallen auch Schulen und Kitas in diese Kategorie GE.

Generell gelten die genannten Hygienevorschriften, welche die Schulen umsetzen. An der Martin-Luther-Schule hängen seit dieser Woche auf den Toiletten die Informationsblätter zur Händedesinfektion. „Jeder Schritt ist mit Bildern erklärt, das erleichtert das Verständnis“, sagt Schulleiterin Wyrola Biedebach, die sich aber derzeit mit ganz anderen Ängsten ihrer Schüler auseinandersetzen muss. Die Abiturprüfungen stehen in zwei Wochen an, und die Abiturienten haben große Befürchtungen, dass diese aufgrund der weiteren Ausbreitung abgesagt werden, weil eventuell nicht genügend Personal da ist oder Schulen sogar ganz geschlossen werden. „Ich kann sie nur versuchen zu beruhigen. Im Moment findet alles wie geplant statt.“

Auch die geplanten Austauschreisen ins Ausland stehen derzeit nicht infrage. Das bestätigt auch das Kulturministerium in Wiesbaden. „Die Entscheidung über eine Absage einer Klassenfahrt liegt in der Verantwortung der Schulleitung“, informierte das Ministerium alle Schulen und verweist auf die Internetseite des Auswärtigen Amtes, die aktualisiert wird. „In jedem Fall sind Schulfahrten in ausdrücklich benannte oder benachbarte Regionen angesichts der dynamischen Entwicklung bei der Verbreitung des neuartigen Coronavirus kritisch zu betrachten“, schätzt das Ministerium ein.

Bezüglich der Abiturprüfungen „werden die betroffenen Schulen im Hinblick auf besondere Regelungen für die Durchführung des Landesabiturs noch im Laufe dieser Woche informiert“, so Staatssekretär Dr. Martin Lösel. „Bei Bedarf erhalten die für die zentralen Abschlussprüfungen in den anderen Bildungsgängen zuständigen Schulen rechtzeitig nach den Osterferien die notwendigen Informationen“, ergänzt er in dem Schreiben.

Dennoch fragen die Schüler an der Marburger Martin-Luther-Schule täglich nach dem aktuellen Stand. Der Hausmeister kontrolliert regelmäßig alle Seifenspender und Papierhandtuchhalter, füllt diese bei Leerstand sofort auf. So empfiehlt es auch das Ministerium. „Wir halten kein Desinfektionsmittel vor, Händewaschen mit Wasser und Seife reicht“, betont Schulleiterin Wyrola Biedebach im OP-Gespräch. Sie selbst steht derzeit auch vor einer nicht einfachen Entscheidung. Eine Fahrt nach Madeira zu einem Erasmus-Projekt steht an. Die Schule hatte sich beworben und ist nun eingeladen worden zu dem internationalen Austausch. „Ich weiß noch nicht, ob ich fahre“, ist Biedebach ehrlich.

Ganz andere Probleme hat das Uni-Klinikum – es wird massenweise geklaut. Auf den Lahnbergen seien in vielen öffentlich zugänglichen Bereichen und auf allen Stationen etwa Händedesinfektionsspender angebracht, aber diese sind derzeit Ziel von Dieben. „Wir müssen leider feststellen, dass die teilweise geleert oder entwendet wurden“, heißt es vom UKGM auf OP-Anfrage. Aber auch Schutzkittel und Schutzmasken seien von Stationen „in größerer Zahl entwendet“ worden. Das Klinikum habe daher „entsprechende Maßnahmen ergriffen, um dies so weit als möglich zu unterbinden“. Kittel, Masken und Desinfektionsmittel: Für die Patientenbehandlung seien das „wichtige Schutzmaterialien, die auch weiterhin dafür eingesetzt werden können“. Die Versorgungssituation sei aktuell auch deshalb angespannt, da viele der Schutzmaterialien aus den von der Corona-Epidemie besonders betroffenen Ländern und Regionen kommen.

So bereiten sich die Stadtwerke auf eine Epidemie vor: Die Stadtwerke Marburg verfügen nach eigenen Angaben über einen Pandemieplan. Mitarbeitern, auch den Busfahrern, stehen Handdesinfektionsmittel, auch in Tuben zum Mitnehmen für Außendienste, zur Verfügung. In den sanitären Räumen, der Kantine und in Bereichen mit Publikumsverkehr seien auch Handdesinfektionsapparate mit Piktogrammen zur Handhygiene aufgestellt.

Von unseren Redakteuren

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