Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Corona verschärft Pflegekräftemangel
Marburg Corona verschärft Pflegekräftemangel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:23 02.10.2021
Das Uniklinikum in Marburg. Laut UKGM gibt es einen Zusammenhang zwischen der Pandemie und dem Pflegekräfte-Mangel.
Das Uniklinikum in Marburg. Laut UKGM gibt es einen Zusammenhang zwischen der Pandemie und dem Pflegekräfte-Mangel. Quelle: Thorsten Richter
Anzeige
Marburg

Das UKGM sieht einen direkten Zusammenhang zwischen der Corona-Pandemie und dem Mangel an Pflegekräften. „Das Universitätsklinikum Marburg hat während der gesamten Corona-Pandemie gezeigt, dass es als eines der sechs koordinierenden Krankenhäuser in Hessen regional und überregional zu jeder Zeit die Verantwortung für unsere Patienten – mit und ohne Corona-Infektion – übernommen hat“, sagt UKGM-Sprecher Frank Steibli, eigentlich gefragt nach der Situation in der Pflege am UKGM. Während in vielen Kliniken in Deutschland aktuell noch deutlich weniger Patienten die Einrichtung wieder aufsuchen, als sie dies vor der Pandemie getan haben, stelle man am Universitätsklinikum Marburg wieder eine zunehmende „Normalisierung“ der Belegungszahlen fest.

Dies zeigt, so Steibli, „dass wir von unseren Patientinnen und Patienten nicht nur lokal, sondern auch überregional als verlässlicher Ansprechpartner wahrgenommen werden“.

Gleichzeitig sei aber auch das UKGM von den bekannten Herausforderungen des Pflegekräftemangels betroffen. „So gehört es zu unseren zentralen Aufgaben, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege aus- und weiterzubilden, an uns zu binden und neue Fachkräfte am Arbeitsmarkt für uns zu gewinnen“, so der Pressesprecher.

Bettenkapazitäten richte das UKGM an den verfügbaren Pflegekräften und geltenden Personalbemessungsschlüsseln aus. „Entsprechend passen wir unsere Bettenkapazitäten kontinuierlich an, wenn durch Urlaube oder Krankheitsfälle zeitweise weniger Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter in der Pflege zur Verfügung stehen.“

Daneben gebe es weitere Gründe, die zeitweise zu weniger verfügbaren Betten führen, erklärte Steibli: „So betreuen wir aktuell auch deutlich kränkere Patienten, die eine höhere pflegerische Betreuung benötigen. Auch dies trägt dazu bei, dass wir Betten zeitweise reduzieren müssen, damit eine adäquate Versorgung sichergestellt wird. Zudem gibt es durch die Pandemie zusätzliche Auflagen durch den Gesetzgeber, so zum Beispiel durch früher einsetzende Beschäftigungsverbote für schwangere Mitarbeiterinnen.“

Es komme daher immer wieder vor, dass Betten temporär gesperrt werden müssen. „Richtig ist auch, dass wir mehr Patientinnen und Patienten bei uns aufnehmen und behandeln könnten, wenn mehr Pflegekräfte bei uns im Einsatz wären. Es trifft jedoch nicht zu, dass – wie aufgeführt – eine dreistellige Anzahl an Betten derzeit nicht betrieben werden kann, da Pflegepersonal fehlt.“

Professor Dr. Harald Renz, bis gestern Ärztlicher Geschäftsführer des UKGM, formuliert den Zusammenhang zwischen Corona und Pflegekräftemangel so: „Die Auswirkungen der Pandemie betreffen das UKGM aus mehreren Richtungen. Zum einen der allgemeine Pflegemangel, zum zweiten die Corona-Patient*innen als zusätzliche Belastung auf Intensiv- und Normalstation und zum dritten die Aufgabe, sich als Krankenhaus der universitätsmedizinischen Maximalversorgung auch um alle anderen schwerkranken Patient*innen zu kümmern.“

Unterschriftensammlung unter Petition

Das Aktionsbündnis „Gemeinsam für unser Klinikum“ wird am Samstag zwischen 11 und 13 Uhr auf dem Marburger Marktplatz gemeinsam mit Erstunterzeichner Egon Vaupel kurz vor Beendigung der Petitionslaufzeit noch einmal Unterschriften für die Rückführung des UKGM in öffentliches Eigentum sammeln. „Die klinische Gesundheitsversorgung darf nicht Spielball von Aktionären und Börsianern bleiben. Deshalb unterstütze ich gerne die Initiative zur Rückführung unseres Universitätsklinikums in öffentliches Eigentum. Ganz abgesehen von der besonderen Bedeutung von Forschung und Lehre für die Philipps-Universität Marburg“, so Egon Vaupel.

Von Till Conrad

01.10.2021
01.10.2021