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Marburg Corona verschärft Kino-Krise
Marburg Corona verschärft Kino-Krise
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20:00 08.04.2022
Die Corona-Pandemie hat die deutschen Kinos vor bislang beispiellose Herausforderungen gestellt.
Die Corona-Pandemie hat die deutschen Kinos vor bislang beispiellose Herausforderungen gestellt. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Die Folgen für die Kinos sind massive Besuchereinbrüche. Lag die Zahl der Kinobesucher 2019 vor Corona bundesweit noch bei 113 Millionen, so brach sie 2020 laut dem Portal statista auf 37,3 Millionen ein.

Kinos haben schon viele Krisen überlebt 

Existenzielle Krisen hat es in der Branche schon einige gegeben: In den 1970er-Jahren kamen die Schachtelkinos als Reaktion auf Besucherrückgänge auf, Anfang der 2000er-Jahre ging die Angst um vor Raubkopierern. Das Kino hat diese Krisen überlebt: Im Jahr 2001 zählten die deutschen Kinos 173 Millionen Besucherinnen und Besucher. Seither aber sinken die Zahlen kontinuierlich. Corona brachte nun einen dramatischen Einbruch. Im vergangenen Jahr sind die Besucherzahlen laut der Filmförderungsanstalt (FFA) zwar wieder gestiegen – auf rund 42,1 Millionen Kinobesucher – doch die Vor-Corona-Zahlen sind noch ganz weit weg.

Darum gehe ich gerne ins Kino

Auch in meiner Familie gibt es seit Ausbruch der Corona-Pandemie, so wie in drei Vierteln der deutschen Haushalte, Streaming-Dienste.  Und sie werden genutzt. Aber den Blick auf den Fernseher mit einem Kinoerlebnis zu vergleichen, geht gar nicht. Es gibt unglaublich viele Filme, die muss man einfach auf der großen Kinoleinwand sehen, damit sie wirken, in die man nur auf der großen Leinwand eintauchen kann. Kino ist ein Gemeinschaftserlebnis. Man geht mit Freunden ins Kino, danach vielleicht noch etwas trinken oder essen.  Man macht sich einen schönen Abend, gemeinsam. Dass dieses Erlebnis viele Menschen wegen der Corona-Pandemie gescheut haben, ist verständlich. Doch jetzt ist dies wieder möglich. Kino ist ein altes, unverzichtbares Kulturgut. Und dieses Kulturgut muss man nutzen, man muss es unterstützen, sonst verschwindet es. Und das will doch niemand – oder?

Uwe Badouin, OP-Redakteur

Und hätte es 2021 den neuen James Bond „Keine Zeit zu sterben“ nicht gegeben, sähen die Zahlen noch düsterer aus. James Bond und „Spider-Man: No Way Home“ erreichten zusammen rund 8,5 Millionen Besucher in Deutschland. Zusammen schafften die beiden Filme in Deutschland einen Marktanteil von rund 20 Prozent!

Ausgehverhalten hat sich geändert

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Inzwischen sind die Corona-Auflagen nahezu komplett aufgehoben. Doch kehren die Kinobesucher zurück? Das Ausgehverhalten der Menschen habe sich in der Corona-Zeit massiv verändert – es sei ein bundesweites Phänomen, sagt die Marburger Kinobetreiberin Marion Closmann: „An Wochenenden stoßen die Kinos oft an die Kapazitätsgrenze, unter der Woche sind sie leer. Die ganze Branche sorgt sich, was passiert, wenn wir dauerhaft bei 80 Millionen Kinobesuchern in Deutschland bleiben.“ Damit wären Kinos nicht kostendeckend zu betreiben. Für die Zukunft wagt sie keine Prognose. „Wir müssen zuversichtlich sein, wir müssen die Gäste, die wir verloren haben, wiedergewinnen.“ Sie appelliert: „Schaut mal wieder rein.“

Von Uwe Badouin