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Marburg Corona verhindert Hochzeit von Liebespaar
Marburg Corona verhindert Hochzeit von Liebespaar
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19:59 02.04.2020
Maximilian Schübel und Mareike Baum aus Ronhausen hätten am 18. April 2020 heiraten wollen – doch die Folgen der Bekämpfung des Corona-Virus verhindern das. Aber nicht nur das: Auch ihr Hausbau ist von der Corona-Krise direkt betroffen. Quelle: Privatfoto
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Ronhausen

„Es sind einige Tränen geflossen“, sagt Mareike Baum. Aus monatelanger Vorbereitung, vor allem aus der Vorfreude auf die eigene Hochzeit am 18. April dieses Jahres, ist für die 30-Jährige und ihren Partner Maximilian Schübel nun ein Trauerspiel geworden – und das alles wegen Corona, den Folgen der Virus-Bekämpfung in Marburg. Denn: Das Bürgerhaus Ronhausen, in dem sich die beiden nicht nur kennen lernten, sondern nun auch ihre Hochzeit feiern wollten, ist geschlossen, darf nicht vermietet werden. „Das war schon ein ziemlicher Schlag“, sagt Schübel. Kurz hoffte der 27-Jährige mit seiner Zukünftigen noch, dass es nach der Behörden-Ankündigung bei einer Teilnehmerbegrenzung von 50 Menschen – aber eben einem prinzipiellen Okay zu Feiern – bleibt. Trauung in der Alten Kirche Niederweimar, Feier im Bürgerhaus: Immerhin war alles geplant, in den Köpfen gab es die ersten Bilder des Tages.

„Schweren Herzens haben wir uns dann die lange fertige und viel umfangreichere Gästeliste vorgenommen und geschaut, ob wir die Zahl irgendwie auf unter 50 Menschen drücken können – das war aber eigentlich unmöglich“, sagt Baum. Kurz später wurde ihnen die Entscheidung durch die städtische Bürgerhaus-Schließung aber abgenommen. Im Hinblick auf die Tatsache, dass bei der Hochzeit eben auch viele aus Risikogruppen dabei gewesen wären, sei das auch „vernünftig und verständlich“. Zwar könnten sich Paare in einigen Gemeinden wie auch in Marburg weiter standesamtlich trauen lassen – mit einer Handvoll Gäste im Steinernen Haus in der Oberstadt. Aber: „Im kleinsten Kreis an einem anderen Ort: Es wäre alles nicht mehr annähernd so geworden oder gewesen, wie wir das wollten, wie wir uns das lange vorgestellt haben“, sagen die beiden, die wohl innerhalb Niederweimars hätten ausweichen müssen. Und das nicht wollten. „Aus der Not heraus zu heiraten macht keinen Sinn. Es ist ein emotionaler Moment, den man selbst richtig erleben und mit vielen Angehörigen teilen will“, sagt Schübel.

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Das Noch-Nicht-Ehepaar hat sich nun grundsätzlich gegen eine Trauung in diesem Jahr entschieden. Sie wollen schnellstmöglich – also sobald in den nächsten Wochen wieder Termine vergeben werden – ein 2021er-Trautermin haben, irgendwann zwischen Frühjahr und Sommer. „Nachfeiern hätte den ganzen Zauber genommen. Wir wollen mit unseren liebsten Menschen doch den Moment insgesamt genießen und nicht noch schnell aus der Not heraus im kleinsten Kreis heiraten und irgendwann nachholen, was so gerade emotional nicht nachzuholen ist“, sagt Baum. Immerhin: Sie haben einen „Planungs-Probelauf“ hinter sich, die Hochzeits-Organisation müssen sie in Nach-Virus-Zeiten nicht nochmal von neuem beginnen.

Aber Schübel und Baum sind nicht nur bei ihren Hochzeitsplänen mit Corona im Clinch – vor allem ist ihr Hausbau in Ronhausen von der aktuellen Entwicklung direkt betroffen. Die beauftragte Firma hat pünktlich zur Infektions-Ausbreitung die Arbeit niedergelegt; es ist jetzt schon klar, dass das Haus nicht im kommenden September, sondern wohl erst im Frühjahr 2021 aufgestellt werden wird. „Die Hochzeitsabsage ist ärgerlich und traurig, aber diese Sache bereitet uns Kopfzerbrechen – vor allem finanziell“, sagt Schübel. Denn: Das Paar muss wegen der Verzögerungen Bereitstellungszinsen zahlen und bisher gibt es von der Bank und der Politik keinerlei Signal, dass diese ebenso aufschiebbar sind wie der Beginn der Kredittilgung. „Diese Summe kann uns das Genick brechen“, sagt Baum. Bereitstellungszinsen fallen für einen abgeschlossenen Baukredit an, der aber nicht abgerufen werden kann. Die plötzlich um ein Vielfaches der Planung verlängerte finanzielle Doppelbelastung – Miete und eben Bereitstellungszinsen – belaufen sich zusammen auf mehr als 1 500 Euro monatlich. Für das junge Paar, er bei Siemens am Behringwerke-Standort angestellt, sie unter anderem als Kosmetikerin selbstständig tätig, eine enorme Belastung. Denn – und auch hier trifft Corona die Ronhäuser hart – die Freiberuflichkeit, das Einkommen von Baum, ist in Zeiten von nicht vorhandenem öffentlichem Leben, Quarantänen und Ausgangssperren akut gefährdet. „Keine Kunden, kein Geld, also Probleme bei der Hausfinanzierung“, sagt sie. „Diese Fülle an Schreckensnachrichten – Hochzeit, Hausbau, Beruf – zieht uns gerade echt etwas den Boden unter den Füßen weg“, sagt Schübel. Mehr noch als wegen des Virus habe man wegen der drohenden privaten Schäden ein „mulmiges Gefühl“ – aber immerhin und auch ohne Ehering können Schübel und Baum als Liebespaar gemeinsam durch diese Zeit gehen.

Von Björn Wisker

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