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Marburg Wenn Kunden anderen „auf die Pelle rücken“
Marburg Wenn Kunden anderen „auf die Pelle rücken“
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20:00 20.04.2021
Ein Einkauf liegt in einem Einkaufswagen in einem Supermarkt.
Ein Einkauf liegt in einem Einkaufswagen in einem Supermarkt. Quelle: Fabian Sommer
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Marburg

Einkaufen beim Supermarkt oder im Discounter, seit mehr als einem Jahr ist das nicht mehr wie vorher. Mal eben schnell reingehen, zwei, drei Waren schnappen, aufs Band legen, bezahlen, wieder rausgehen – so einfach geht das in der Regel nicht mehr. Einkaufswagen sind in den meisten Geschäften Pflicht, eine Maske vor Mund und Nase seit einigen Monaten ohnehin. Dazu kommen allgemeine Abstands- und Hygieneregeln. Läuft es, wie es soll? Ja, sagen lokale Kaufleute – aber es gebe Ausnahmen.

Gegenüber der OP schildern einzelne Kundinnen und Kunden, warum sie sich beim Einkaufen nicht immer wohlfühlen. Ein Problem wird immer wieder genannt: Im Markt würden Abstände nicht eingehalten – nicht nur, wenn Personen aneinander vorbeigehen, was kaum zu vermeiden ist; auch an Regalen und Theken werde ihr „regelmäßig auf die Pelle gerückt“, beschreibt es eine Marburgerin, findet es nicht nur unangenehm: „Dadurch steigt auch das Infektionsrisiko.“ Ein Mann aus dem Nordkreis schildert ähnliche Situationen, ärgert sich zudem über „Leute, die in den Gängen Schwätzchen halten“ und „höchstens widerwillig“ den Weg zu Waren frei machen würden, wenn man sie darum bitte.

Maske auf, Wagen nehmen – für die meisten Gewohnheit

Claudia Ihlefeld kennt solche Situationen aus dem Edeka-Markt Noé in Goßfelden. Die Beschäftigten würden Kunden in diesen Fällen ansprechen, erklärt die stellvertretende Leiterin im Gespräch mit der OP. „In aller Regel reagieren sie verständnisvoll.“ Andererseits hat sie Verständnis, dass Personen, die sich Pandemie-bedingt sonst nicht sehen und zufällig im Supermarkt treffen, dort miteinander sprechen. „Das sollte dann aber entweder vor dem Markt passieren oder zum Beispiel beim Warten an der Kasse, wo der Abstand problemlos eingehalten werden kann.“ Insgesamt, sagt Ihlefeld, würde sich die weit überwiegende Zahl der Kunden so verhalten, „wie wir uns das alle wünschen“. Auf die Einhaltung der Masken- und der Einkaufswagenpflicht würden in der Regel die Beschäftigten an der Kasse achten. „Sie sprechen Personen an, die ohne Wagen oder Maske in den Markt kommen. Manchmal war dann jemand einfach nur in Gedanken, hat es vergessen.“ Aber auch das komme immer seltener vor: „Es ist inzwischen bei den meisten eine Gewohnheit: Maske auf, Wagen nehmen.“ Auf den Einsatz von Security-Personal werde nur an einzelnen Tagen gesetzt, zuletzt etwa an Gründonnerstag und Karsamstag.

Die meisten Märkte setzen auf Einkaufswagen

Die Zahl der Kundinnen und Kunden, die sich zeitgleich in Supermärkten/Discountern aufhalten dürfen, ist begrenzt, richtet sich nach der Verkaufsfläche. Sie liegt etwa bei den Rewe-Märkte in Wetter und am Erlenring in Marburg jeweils bei 100, in Fronhausen bei 107. Beim Edeka-Markt in Goßfelden dürften es ebenfalls 100 Kunden sein, die Zahl wurde jedoch von den Marktverantwortlichen auf 80 begrenzt, wie die stellvertretende Leiterin Claudia Ihlefeld erklärt. Nachdem dort in der Frühphase der Pandemie noch händisch gezählt wurde, gibt es derzeit eine Pflicht zur Nutzung von Einkaufswagen, von denen entsprechend nur 80 zur Verfügung stehen. „Deutlich effizienter“ sei das, sagt Ihlefeld. Ebenso wird es in Tegut-Märkten gehandhabt, teilt Sprecher Matthias Pusch auf Anfrage mit. Man habe sich mit einem Ampelsystem beschäftigt, aber aus praktischen Gründen dagegen entschieden, sagt er. Anders ist es im Rewe am Erlenring: „Wenn jeder Kunde einen Wagen benutzt, wird es in den Gängen entsprechend eng“, begründet Betreiber Uwe Kranich die Entscheidung für eine Ampelanlage. In seinem Markt in Wetter setzt er hingegen auf die Einkaufswagen-Lösung, verweist auf eine geringere Kundenfrequenz. Auch der Rewe in Fronhausen darf nur mit Einkaufswagen betreten werden, was dort von Beschäftigten und Mitarbeitern eines Securityunternehmens kontrolliert wird, wie der stellvertretende Leiter Philipp Daus erläutert. Mindestens dreimal täglich würden die Haltestangen der Wagen desinfiziert.

Einzelne Fälle habe es jedoch gegeben, in denen Personen sich „komplett uneinsichtig“ gezeigt hätten und daher „aus dem Markt gebeten werden mussten“, berichtet Ihlefeld, überschlägt, dass das seit Beginn der Pandemie 20 bis 30 Mal vorgekommen sei. „Wir sind im ländlichen Raum. Vielleicht passiert das in der Stadt häufiger“, kann sie sich vorstellen – was jedoch von Uwe Kranich, Betreiber der Rewe-Märkte in Wetter sowie am Erlenring in Marburg, nicht bestätigt wird: Verstöße gebe es zunehmend seltener. Wenn eingegriffen werden müsse, schildert auch er, gehe es meist darum, Personen auf die Einhaltung des Abstands hinzuweisen. Sowohl in Wetter als auch in Marburg dürfen nach seinen Angaben bis zu 100 Kunden gleichzeitig einkaufen. Die Frequenz sei im Marburger Markt zwar höher, „hin und wieder“ werde die Maximalzahl erreicht. „Es ist aber nicht so, dass wir in Marburg deshalb verhältnismäßig mehr Verstöße gegen die Regeln feststellen“, sagt Kranich, der auf verschiedene Maßnahmen zum Schutz sowohl von Kunden als auch von Beschäftigten in seinen Märkten und ein zertifiziertes Hygienekonzept verweist. Die allermeisten Kunden hätten sich auf die Regeln „eingestellt“.

In Einzelfällen sind Hausverbote ausgesprochen worden

Bereits um Unterstützung der Polizei mussten die Verantwortlichen des Rewe-Markts Kaiser in Fronhausen bitten. „Zum Glück kommt sowas nur extrem selten vor“, sagt der stellvertretende Marktleiter Philipp Daus, berichtet von Beleidigungen und Drohungen gegenüber Beschäftigten. Insgesamt, sagt auch er, sei es eine „sehr, sehr kleine Zahl an Personen, die sich absolut nicht an die Regeln hält“. Im Interesse der übrigen Kunden seien einzelne Hausverbote erteilt worden: „Es geht darum, das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten.“ Auch das Handelsunternehmen Tegut hat aus selben Grund bereits Hausverbote aussprechen müssen, wie Sprecher Matthias Pusch mitteilt. Auch er spricht von Ausnahmefällen und betont: „Die allermeisten Kunden verhalten sich vorbildlich.“

Von Stefan Weisbrod

20.04.2021