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Marburg Corona bremst Arbeitsmarkt nicht gänzlich aus
Marburg Corona bremst Arbeitsmarkt nicht gänzlich aus
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11:59 02.12.2020
Die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis ist im Vergleich zum Oktober leicht gefallen. Quelle: Sonja Wurtscheid/dpa
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Marburg

Es sind die kleinen Signale, die derzeit auf dem Arbeitsmarkt Mut machen: So ist die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis im Vergleich zum Vorjahr zwar um 981 Personen oder fast 22 Prozent auf 5.505 Menschen gestiegen.

„Dennoch sieht es relativ gut aus“, sagt Volker Breustedt, Leiter der Marburger Arbeitsagentur. Denn: „Das ist zunächst einmal eine gruselige Zahl. Aber immerhin sind 290 Menschen weniger als im Vormonat arbeitslos“ – ein Rückgang um 5 Prozent. Dennoch stieg die Arbeitslosenquote im Vergleich zum Vorjahr von 3,4 auf 4,3 Prozent.

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Ein Großteil der Zunahme an Arbeitslosen spielt sich in der Zuständigkeit der Arbeitsagentur ab – dort waren im November 2.543 Menschen arbeitslos gemeldet, „ein Zuwachs von rund 45 Prozent oder 789 Personen“, erläutert Breustedt.

Es gebe ein weiteres positives Zeichen: „Der Zugang aus Erwerb waren 383 Menschen – und immerhin 19,4 Prozent weniger, als im Vergleich zum Vorjahr“. Und: Auch der Abgang in Erwerb habe sich im Vergleich zum November 2019 positiv entwickelt – 414 Menschen gingen in den Job – 30 Personen oder 7,8 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. „Im Schlechten also immerhin drei gute Zeichen“, so Volker Breustedt.

Allerdings spiegele der Zugang von 440 sozialversicherungspflichtigen Stellen die Entwicklung so nicht wider – „das ist ein Minus von 24,5 Prozent“.

Gastronomie hält an ihrem Personal fest

In einigen Gemeinden sei die Zahl der Arbeitslosen besonders stark gestiegen: So beispielsweise in Bad Endbach um 56 Prozent, in Lahntal um nahezu 68 Prozent oder in Breidenbach um knapp 56 Prozent. In Wetter gibt es einen Anstieg um 20 Prozent.

Spielen dabei die angekündigten Schließungen von Schoeller Electronic Systems oder Monette schon eine Rolle? „In Teilen sind die Menschen dieser Betriebe in den Zahlen schon erfasst“, erläutert Breustedt. Und: Zumindest für die 39 verbliebenen Beschäftigten der Monette gibt es eine Transfergesellschaft – 11 Mitarbeiter haben davon Gebrauch gemacht.

Noch keinen großen Einfluss habe bisher der Lockdown in der Gastronomie gehabt. „Die Betriebe halten sich bisher relativ gut mit Kurzarbeit über Wasser, und auch die November-Hilfe polstert die Situation ab“, sagt Breustedt. Gleichwohl „erwarten die Betriebe nun endlich Klarheit darüber, ob sie Weihnachten öffnen dürfen – das ist ja bis heute nicht geregelt“.

Die Gastronomen müssten planen können – „je später die Info kommt, ob überhaupt intendiert ist, die Weihnachtsöffnung freizugeben oder nicht, desto eher werden die Betriebe sagen, dass sie geschlossen lassen – egal, ob es erlaubt wäre oder nicht“, sagt der Agenturleiter. Das bedeute im Umkehrschluss „weitere heftige Umsatzeinbußen“.

Langzeitarbeitslose: Zahl leicht gesunken

Weiterhin auf hohem Niveau bewegt sich die Kurzarbeit im Landkreis. Demnach lagen seit Beginn der Corona-Krise insgesamt 2.203 Kurzarbeit-Anzeigen von Betrieben vor – dahinter stehen oder standen potenziell 26.504 Arbeitnehmer. Realisiert wurde allein im Juli konjunkturelle Kurzarbeit bei 9.013 Menschen in 717 Betrieben. „Das war ein Minus im Vergleich zum Juni, als es noch 882 Betriebe waren“ – mit 11.789 Arbeitnehmern.

„Der eine oder andere mittelgroße Betrieb ist in Kurzarbeit geblieben, viele kleine haben sich bereits wieder abgemeldet“, so Breustedt. Aktuellere Zahlen gebe es bisher noch nicht. „Aber wir gehen nicht davon aus, dass die Zahlen über den Winter weiter in diesem Maß absinken. Und es ist gut, dass Betriebe dieses Mittel weiter nutzen können.“

Die Situation auf dem regionalen Arbeitsmarkt hat sich für Langzeitarbeitslose in der Zuständigkeit des Kreisjobcenters (KJC) im November leicht verbessert. Demnach waren laut Landkreis 2.962 erwerbsfähige Leistungsberechtigte als arbeitslos registriert – 82 Personen oder 2,7 Prozent weniger als im Oktober. Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl jedoch um 192 Personen oder 6,9 Prozent angestiegen. Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger an den zivilen Erwerbspersonen liegt demnach nun bei 2,2 Prozent – 0,1 Punkte höher als vor einem Jahr.

Zachow: Die Lage ist ernst

„Die Zahl der Arbeitslosen ist im November vor allem saisonbedingt noch einmal zurückgegangen. Trotz der positiven Signale ist die Lage fragil. Das zeigen die aktuell stark steigenden Corona-Neuinfektionen, wodurch die Unsicherheit bei den Beschäftigten sowie bei den Unternehmen und in Folge auf dem Arbeitsmarkt steigt“, sagt der Erste Kreisbeigeordnete und zuständige Sozialdezernent Marian Zachow.

„Die weitere Entwicklung wird von dem Pandemie-Geschehen und den möglichen Konsequenzen für einzelne Branchen abhängen. Die Verlängerung der Kurzarbeit-Sonderregelung bis Ende 2021 verschafft den heimischen Unternehmen aber Planungssicherheit und Liquidität. Das darf allerdings nicht über den Ernst der Lage hinwegtäuschen“, so Zachow.

Im Vergleich zum Vormonat ist die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um 135 oder 2,3 Prozent zurückgegangen. Aktuell liegt sie bei 5.822 (Vormonat: 5.957). Verglichen mit dem Vorjahresmonat bedeutet dies einen Rückgang um 201 oder 3,3 Prozent. Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten sank im Vergleich zum Vormonat um 165 oder 2,1 Prozent auf 7.742 Personen.

Von Andreas Schmidt