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Marburg Der Wunsch nach Wärme
Marburg Der Wunsch nach Wärme
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17:16 04.02.2021
Schwitzen statt strampeln: Langfristig wirken regelmäßige Saunabesuche ähnlich positiv wie moderater Sport.
Schwitzen statt strampeln: Langfristig wirken regelmäßige Saunabesuche ähnlich positiv wie moderater Sport. Quelle: Foto: Magdalena Rodziewicz
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Dautphe

Im Sommer waren es die Pool-Bauer, die von der Corona-Pandemie profitierten: Urlaub konnte zum großen Teil nicht stattfinden, die Menschen wollten aber bei warmen Temperaturen nicht auf Wasserspaß verzichten. Mit der Konsequenz, dass nicht nur die Pool-Bauer am Limit arbeiteten, sondern mitunter selbst Planschbecken in Baumärkten und online ausverkauft waren.

Das, was im Sommer das eigene Schwimmbad war, ist nun die eigene Sauna: Urlaub im Wellnesshotel ist derzeit nicht möglich. Immer mehr Menschen wollen deshalb eine Sauna für daheim. Schon im Frühjahr verzeichneten Saunaausstatter Umsatzzuwächse, im zweiten Lockdown hält der Boom an.

Besonders im Corona-Jahr hätten sich viele Menschen dafür entschieden, sagt Hans-Jürgen Gensow vom Deutschen Sauna-Bund in Bielefeld. „Die heimische Sauna bietet gegenwärtig einfach mehr Freiheiten.“ Hinzu komme, dass die öffentlichen Saunaanlagen von Lockdowns betroffen und geschlossen sind, sodass das Saunieren nicht möglich ist.

Darauf verzichten muss man aber nicht – vorausgesetzt, man hat eine eigene Sauna zu Hause. „Wer von den positiven, gesunden Effekten profitieren möchte, sollte sie regelmäßig besuchen, am besten mindestens zweimal wöchentlich“, empfiehlt Thorsten Damm, Geschäftsführer des Bundesfachverbands Saunabau, Infrarot- und Dampfbad in Wiesbaden.

Sein Rat: Ideal seien zwei bis drei Gänge von zehn bis 15 Minuten bei Temperaturen von 80 bis 90 Grad. Wichtig ist die anschließende Abkühlung, denn der Sauna-Effekt entsteht durch das Zusammenspiel von Hitze und Kälte.

Die Privatsauna boomt also. Das erlebt auch das Unternehmen Sauna-Becker mit Sitz in Dautphe. „Normalerweise ist unser Ausstellungsraum etwas voller“, sagt Herbert Becker und zeigt auf einige Lücken in dem nach Holz duftenden Ausstellungsraum.

Gemütlich sehen sie aus, stylish und modern, die Infrarot-Kabinen – „unsere Sauna-Ausstellung befindet sich nebenan“, so Becker. „Wir haben es bereits vergangenes Jahr gemerkt, dass die Leute durch die Einschränkungen, die wegen Corona auferlegt wurden, schon stark auf die Themen Sauna, Wellness-Oase oder sogar Außen-Sauna setzen“, so Becker. Auch die Kombination mit Pools sei sehr gefragt, weiß er.

„Alles, was in den vergangenen Jahren aufgeschoben wurde, wird jetzt nachgeholt“, sagt Becker. Denn er und seine Kollegen hören immer wieder, „dass eine Sauna schon immer mal geplant“ gewesen sei, „doch dann ist es bei vielen Menschen aus Zeit- oder Geldgründen nie zum Tragen gekommen“. Vergangenes Jahr dann die Trendwende: Die Menschen seien nicht in Urlaub gefahren, „haben stattdessen das Haus aufgehübscht und sich dann auch oft den Traum von der eigenen Sauna erfüllt, denn Wellness ist ein großer Hype“, sagt Herbert Becker.

Hinzu komme, dass es viele „Winter-Saunagänger“ gebe, die eben hauptsächlich in der kalten Jahreszeit öffentliche Saunen genutzt hätten Doch die haben durch den Lockdown geschlossen – „in der Folge steigt die Nachfrage bei uns, denn den Leuten fehlt nun etwas“.

Becker betont, wie wohltuend die Sauna sei, „die Abwehrkräfte werden mobilisiert und das Immunsystem gestärkt“. Nein, gegen das Corona-Virus sei auch die Sauna machtlos. „Aber regelmäßige Saunagänger sind für Erkältungskrankheiten und Grippe-Infektionen weniger anfällig.“ All diese Faktoren hätten also dazu geführt, „dass im vergangenen Jahr die Nachfrage nach unseren Saunen und auch nach unseren Wärmekabinen so hoch war, wie noch nie zuvor.“ Wärmekabinen, die mit Infrarotstrahlung für Temperaturen bis 55 Grad sorgen, werden bei weitem nicht so heiß, wie die klassische Sauna.

„Aber sie brauchen auch weniger Platz – schon mit einem, eineinhalb Quadratmetern geht es los, und für die Wärmekabinen reicht eine normale Steckdose“, weiß der Sauna-Experte. „Denn nicht jeder hat im Haus einen Wellness-Raum, wo es auch Platz für Ruheliegen gibt.“ Die klassische Sauna erreicht Temperaturen von 80, 90 Grad und mehr, benötigt aber insgesamt mehr Platz, einen Starkstromanschluss – und ist letztlich auch teurer.

Für eine Wärmekabine müsse man rund 2 000 Euro investieren, „bei einer Sauna geht es bei etwa 4 500 Euro los“ – nach oben sei die Preisskala offen. „Allerdings sind die Leute auch bereit, zu investieren“, sagt Becker. Denn bei der Geldanlage gebe es ohnehin keine Zinsen mehr, „also wird investiert“.

Das führt dazu, „dass wir bis Mai schon wieder 300 Anlagen auszuliefern haben“. Insgesamt gebe es eine Steigerung von etwa 30 Prozent, so Becker. Das führt zu Wartezeiten von etwa drei Monaten. Insgesamt sei die Kundschaft „bei der Geduld Grenzen gesetzt – Corona zerrt an den Nerven“. Und: Die langen Wartezeiten führten zu mitunter skurrilen Anrufen – „Leute wollen wissen, ob sie denn nach Feierabend nicht einfach mal in unserer Ausstellung für eine Stunde schwitzen können“, erzählt Becker lachend.

Ist Sauna-Becker also ein Gewinner der Corona-Krise? „Gewinner der Corona-Krise zu sein, das klingt seltsam“, sagt Herbert Becker – doch treffe das schon zu. Denn Kurzarbeit ist im Unternehmen mit den zehn Mitarbeitern „zum Glück ein Fremdwort“, sagt Herbert Becker. Und betont, dass man einfach froh sei zu einer Branche zu gehören, „der es auch während Corona gut geht“.

Seit 1988 gibt es das Unternehmen, es hat mittlerweile ein Netzwerk von 20 Wiederverkäufern. Und plant zukünftig, das Geschäft, das sich auf die Standorte in Dautphe und Silberg verteilt, in Niedereisenhausen zusammenzuführen. Denn dort hat das Unternehmen nun eine Lagerhalle gekauft, die umgebaut wird. Geplant ist unter anderem eine 200 Quadratmeter große Ausstellungsfläche – das Unternehmen will den „Corona-Schwung“ mitnehmen – um den Mitarbeitern auch in Zukunft ein verlässlicher Arbeitgeber zu sein.

Von Andreas Schmidt

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