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Marburg Keine Massen-Vorlesung, nur die Pflicht
Marburg Keine Massen-Vorlesung, nur die Pflicht
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22:47 12.03.2020
Massen-Vorlesungen an der Philipps-Universität wird es wegen des Corona-Virus im Sommersemester nicht geben Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Die Stadt Marburg hat – wie zuvor bereits der Landkreis Marburg-Biedenkopf – alle öffentlichen Veranstaltungen abgesagt. Man habe „eine besondere Verantwortung unseren Bürger und Gästen gegenüber“, heißt es in einer Mitteilung von Donnerstabend. Die Absagen gelten bis 10. April, danach werde „nach Lage entschieden“.

Konkret fallen unter anderem die für ab Freitag geplanten Fototage aus, ebenso der Gedenkgottesdienst für die Hexenverfolgungs-Opfer in der Pfarrkirche am Sonntag. Auch die Sportlerehrung und die Verleihung des Marburger Kamerapreises, die verschoben werden. Um den Brandschutz und die Einsatzfähigkeit der Freiwilligen Feuerwehren zu gewährleisten, fallen auch dort alle Versammlungen aus.

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Gleiches gilt für Veranstaltungen des Landkreises. Dazu gehören auch alle Kurse und Veranstaltungen der Volkshochschule, Lesungen, Ausstellungen, Informations- oder Schulungsveranstaltungen sowie die für Freitag, 27. März, geplante Sitzung des Kreistages.

Die Allgemeinverfügung, mit der Veranstaltungen mit mehr als 1 000 Gästen verboten werden, gilt ebenfalls bis zum 10. April. Der Kreis bleibt zudem bei seiner Empfehlung, auch alle anderen Veranstaltungen abzusagen oder zu verschieben.

Nahverkehr, Schulen und Kitas bleiben in Betrieb

„Wir schränken die Kür ein, damit es bei der Pflicht nicht zu Einschränkungen kommt“, erklärte Landrätin Kirsten Fründt diese Entscheidung. Ziel müsse es sein, dass Schulen, Kindergärten oder auch der Öffentliche Personennahverkehr ohne Einschränkungen in Betrieb bleiben können. Eine flächendeckende Schließung von Schulen und Kindertageseinrichtungen hätte weitreichende Folgen auf alle Bereiche des öffentlichen Lebens, die so lange wie möglich vermieden werden müssen. „Wenn wir jetzt Schulen und Kitas schließen, dann betrifft das auch die Betreuungsangebote an Schulen.“ Dadurch würde eine Kaskade von Problemen, etwa in der Krankenversorgung, im Dienstleistungssektor oder in der produzierenden Wirtschaft mit unabsehbaren Folgen ausgelöst. „Das kann nicht das Ziel sein“, betonte die Landrätin.

Die städtischen Kindergärten bleiben ebenfalls weiter geöffnet. Wie die freien Träger, etwa die evangelische Kirche mit der Corona-Situation umgeht, ist noch unklar.

Studenten und Hochschullehrer müssen ihre Zeitpläne vorerst nicht ändern – das Land Hessen und die Uni-Leitung planen im Gegensatz zu anderen Bundesländern noch keine Verlängerung der Semesterferien, keine Verschiebung des in Marburg für Mitte April vorgesehenen Uni-Starts samt Vorlesungsbeginn. „Auf Basis der aktuellen Risikoeinschätzung ist das nicht geplant“, sagte Wissenschaftsministerin Angela Dorn auf OP-Anfrage. Verschiebungen oder Veranstaltungs-Ausfälle beträfen bis zu 25 000 Studenten (davon 4000 ausländische Hochschüler) und 4500 Mitarbeiter (davon 360 Professoren und 2500 wissenschaftliche Mitarbeiter). Die Hochschulen des Landes – also auch die Philipps-Universität – stünden bezüglich notwendiger Corona-Vorsorgemaßnahmen im Austausch mit den Ministerien.

Und wie sehen die Vorbereitungen auf eine mögliche Verschärfung der „Coronavirus“-Lage im universitären Alltag aus? „Die Lage kann sich täglich ändern“, sagte Uni-Kanzler Dr. Friedhelm Nonne. „Wir wissen nicht, wie es sich weiterentwickelt.“ Die unsichere Lage hat allerdings schon erste Auswirkungen an der Marburger Universität gehabt. So wurde die Bürgervorlesung des Fachbereichs Medizin ebenso kurzfristig abgesagt, wie der alljährliche Infoabend von Universität und Stadt zum Thema Uni-Bauten. Bis auf Weiteres werden auch andere öffentliche Vorträge im Hörsaalgebäude nicht stattfinden.

Interne Beratungen an der Philipps-Universität

Doch schon in etwa einem Monat soll das Sommersemester starten. Was passiert dann mit den Massenveranstaltungen wie beispielsweise dem Studium generale, der öffentlichen Vortragsreihe der Universität im Audimax, dem größten Hörsaal der Universität? „Tendenziell spricht vieles dafür, dass das bis auf Weiteres nicht zu machen sein wird“, sagte Nonne.

Wie der Lehrbetrieb im Sommersemester aufrechterhalten werden kann, ist auch Teil der internen Beratungen. In Sachen Massenvorlesungen in großen Hörsälen könnte etwa das Aufzeichnen und Streamen der Vorlesung eine Alternative darstellen.

Noch in den Sternen steht auch, ob die Orientierungseinheiten und die damit verbundenen Stadtrallyes zu Beginn des Semesters stattfinden werden. Schließlich kommen dabei üblicherweise viele Erstsemester zusammen, und bei den Spielen zum Kennenlernen gibt es auch Körperkontakt. „Wir haben das als Problem erkannt. Es ist ohne Zweifel so, dass solche Veranstaltungen das Infektionsrisiko erhöhen“, so Nonne.

Das Uni-Klinikum Gießen-Marburg ändert wegen Corona indes die Besucherregeln – als „zusätzliche Vorsichts- und Schutzmaßnahme“ für Patienten wie Mitarbeiter. Konkret bedeutet das: Vor Betreten des Hauses und der Station müssen die Hände desinfiziert werden, beim Patientenbesuch soll eingerichtet werden, dass jeweils nur ein Besucher direkt beim Patienten ist und die Zahl der Kontaktpersonen zum Patienten auf eine Person pro Tag reduziert wird. Wer sich krank fühlt, solle ganz auf Krankenhausbesuche verzichten.

Die Lage in Sachen Corona-Virus (Covid-19) ändert sich täglich. Deswegen hat die Philipps-Universität auf der Uni-Homepage für alle Studierenden, Lehrkräfte und Mitarbeiter eine Seite eingerichtet, auf der die ständig aktualisierten Regelungen und Hinweise der Hochschulleitung zu Covid-19 zu finden sind.

https://www.uni-marburg.de/de/universitaet/administration/sicherheit/coronavirus

Von Manfred Hitzeroth und Björn Wisker

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