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Marburg Gassigeher in Zeiten von Corona
Marburg Gassigeher in Zeiten von Corona
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14:05 14.04.2020
Der ehrenamtliche Gassigeher Dr. Maik Luu nimmt den Mischlingsrüden Brian von einer Mitarbeiterin des Tierheims entgegen. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Mona kriegt sich gar nicht mehr ein vor Freude. Die Mischlingshündin hüpft aufgedreht und wedelt wild mit dem Schwanz. Es ist Gassigehzeit im Tierheim Marburg. Mit gehörigem Abstand zueinander warten die ehrenamtlichen Gassigeher vor dem Gebäude, bis die Hunde rausgebracht werden – schön nacheinander.

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ist alles anders. Für Besucher ist das Tierheim seither geschlossen. „Wir haben unsere Sicherheitsvorkehrungen verschärft“, sagt Leiterin Maresi Wagner. Größte Änderung: Der freie, unangemeldete Besuch ist nicht mehr gestattet. Deshalb stehen auch die Gassigeher vor dem Tor. So wie Dr. Maik Luu.

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Der 26-Jährige ist ein regelmäßiger Gassigeher und findet die Änderungen gut. „Es ist richtig, weil es vor allem ja auch darum geht, die Mitarbeiter zu schützen“, sagt er. „Aber es ist auch wichtig, dass wir weiterhin mit den Hunden rausgehen können, weil sie das dringend brauchen. Sonst wären sie körperlich und geistig nicht ausgelastet“, sagt der Humanbiologe und nimmt eine der Leinen, die am Tierheimzaun hängen.

Tierheim-Crew arbeitet im Schichtbetrieb

Dann erfolgt die Übergabe des Hundes am Tor. Die Mitarbeiterin bringt den Mischlingsrüden Brian, schnallt ihre Leine ab – Maik Luu befestigt seine Leine am Halsband. „Wir versuchen den Kontakt zwischen Gassigeher und Mitarbeiter so kurz wie möglich zu halten“, erklärt Maresi Wagner.

Sie hat die Tierheim-Crew im Schichtbetrieb organisiert. Zwei Teams arbeiten an jeweils unterschiedlichen Tagen, zudem gibt es einige Mitarbeiter in Reserve. Denn: Die Versorgung der Tiere muss gewährleistet sein. Momentan werden rund 70 Tiere von jeweils vier Mitarbeitern versorgt.

Trotz der Einschränkungen sei es essenziell, dass weiter Tiere vermittelt werden können. „Weil wir sonst an unsere Kapazitätsgrenzen gelangen“, erläutert die Geschäftsführerin. Als Kreistierheim versorgt das Cappeler Team im Jahr rund 800 Haustiere.

Das Erstgespräch erfolgt am Telefon

Dazu gehören Fundtiere, die ausgesetzt wurden und umherstreunen, Abgabetiere von Personen, deren Lebensumstände sich geändert haben. Aber auch Tiere, die von Behörden beschlagnahmt wurden. Um weiterhin Tiere aufnehmen zu können, muss auch die Vermittlung weiterlaufen. Deshalb vergibt das Tierheim bei Interesse an einem Tier Einzeltermine.

„Das Erstgespräch erfolgt am Telefon“, so Wagner. Falls die Tierheimmitarbeiter das Gefühl haben, zwischen Mensch und Tier könnte es passen, darf der Interessierte zu einem verabredeten Termin mit dem nötigen Abstand zum Mitarbeiter das Tier im Tierheim besuchen.

Die Leitung rechnet damit, dass es zu einem Anstieg der Abgabetiere kommt. „Im Frühjahr kommen vor allem Jungkatzen zu uns, die ausgesetzt wurden oder wild leben“, so Wagner. Sie befürchtet aufgrund der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden schlechteren wirtschaftlichen Lage von Tierbesitzern aber auch mehr Abgabetiere.

Hygieneregeln auch im Umgang mit Tieren

„Was wir nicht erleben, ist, dass Leute aus Angst vor Corona ihre Tiere abgeben“, sagt Maresi Wagner. Nach Einschätzung von Wissenschaftlern spielen Haustiere wie Hunde und Katzen ohnehin keine relevante Rolle bei der Verbreitung des neuen Coronavirus. Darauf gebe es bisher keine Hinweise, heißt es beim Friedrich-Loeffler-Institut, das bundesweit Tierseuchen beobachtet.

Für Tierhalter generell, nun aber ganz besonders für Menschen mit Coronavirus-Infektionen, sei es wichtig, Hygieneregeln im Umgang mit ihrem Liebling zu beachten. Dazu gehörten zum Beispiel Händewaschen und das Vermeiden von Anniesen oder Anhusten. Halter sollten sich von ihren Tieren auch nicht durch das Gesicht lecken lassen.

Von Nadine Weigel

Kontakt zum Tierheim

Wenn Sie ein Tier gefunden haben, können Sie es zu den üblichen Zeiten (8 bis 12 Uhr, 14 bis 16 Uhr) zum Tierheim bringen. Zur Organisation sollten Sie bei Sichtung oder Fund eines Tieres anrufen unter 06421/46792 oder eine Mail senden an tierheim@marburg.de.

Wenn Sie ein Haustier abgeben müssen, vereinbaren Sie bitte einen Termin per E-Mail unter tierheim@marburg.de oder per Telefon unter 06421/46792.

Wenn Sie konkretes Interesse daran haben, ein Tier aufzunehmen, vereinbaren Sie bitte einen Termin per E-Mail unter tierheim@marburg.de oder per Telefon unter 06421/46792.

Bitte nehmen Sie Termine nur mit der Anzahl Personen wahr, die unbedingt in die Entscheidung eingebunden sein müssen. Machen Sie sich vor dem Termin eine Stichpunktliste mit Fragen, die für Sie ausschlaggebend sind, damit das Gespräch möglichst zielführend verlaufen kann. Bei Betreten des Tierheims sind für alle Personen Hygienevorschriften und Sicherheitsabstand einzuhalten.

Wenn Sie das Tierheim mit Futterspenden unterstützen wollen, sind täglich kontaktfreie Übergaben direkt am Tierheim, auch am Wochenende und an Feiertagen, zwischen 9 und 12 sowie 14 und 16 Uhr möglich, außerdem gibt es im Fressnapf-Markt und im OBI-Markt in Wehrda große Futterspende-Boxen.

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