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Marburg Schal und Tuch reichen im Bus nicht aus
Marburg Schal und Tuch reichen im Bus nicht aus
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07:00 25.01.2021
Sie sind nun gefragt, wenn eine Fahrt in einem öffentlichen Verkehrsmittel geplant ist: OP- oder FFP2-Masken.
Sie sind nun gefragt, wenn eine Fahrt in einem öffentlichen Verkehrsmittel geplant ist: OP- oder FFP2-Masken. Quelle: Götz Schaub
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Marburg

Wer jetzt mit dem Bus oder mit der Bahn fahren will, der muss zwingend eine Maske tragen. Nun, das kennen wir ja schon, was soll daran neu sein? Nun, nicht mehr länger irgendeine Maske, sondern zwingend mindestens eine medizinische OP-Maske, besser noch eine FFP2-Maske. Selbst genähte Stoffmasken, Schals oder einfache Tücher werden für Bahn- und Busfahrten nicht mehr als ausreichend angesehen. Das stellt schon einige Menschen vor Probleme, denn tatsächlich hat nicht jeder das Geld so locker, um sich oder gar eine ganze Familie damit umfassend auszurüsten.

Die Stadtwerke Marburg haben sofort reagiert. Sie werden in dieser Woche mit mobilen Teams in Bussen und an Haltestellen unterwegs sein, um geeignete OP-Masken an Busnutzer zu verteilen und auf die neuen Regeln hinzuweisen. Auch der RMV unterstützt die Maskenverteilaktion verbundweit und ist in der kommenden Woche mit eigenen Teams im Stadtgebiet unterwegs. „Die Sicherheit des Personals und der Fahrgäste hat höchste Priorität. Gleichzeitig wollen wir sicherstellen, dass möglichst viele Fahrgäste unser Angebot auch zu Anfang der neuen Regeln nutzen können“, erklärt Holger Armbrüster, Geschäftsführer der Stadtwerke Marburg, den Sinn der Aktion.

Politiker fordern Engagement und Unterstützung

Auch politisch wurde reagiert. Die Marburger SPD fordert, dass die Universitätsstadt Marburg zumindest allen Empfängern von Sozialhilfe und Asylantragstellern FFP2-Masken zur Verfügung stellt. Der Vorstand sagt: „Es darf nicht sein, dass der Geldbeutel entscheidet, ob ich mir eine Maske leisten kann, die mich und andere gut schützt, oder ob ich auf die günstigere Variante, die nachgewiesen schlechter schützt, zurückgreifen muss. Wer darauf angewiesen ist, mit dem Bus zur Arbeit, zum Amt oder zum Einkaufen zu fahren, muss entsprechend geschützt sein.“

Das findet die Partei Die Linke schon mal gut, aber sie fordert noch mehr Engagement: Maximilian Peter, Kreisvorsitzender der Linken: „Die Nutzung des ÖPNV, Ausführung von Berufen zum Beispiel im Einzelhandel oder das Einkaufen von Lebensmitteln darf nicht vom Einkommen abhängig sein. Allein die Ankündigung dieses Schrittes hat erneut zu einer Verknappung und Verteuerung der Masken geführt. Menschen mit wenig Geld dürfen nicht noch weiter finanziell belastet oder in ihrem Alltag eingeschränkt werden“.

So etwas vertiefe nur weiter die schon bestehende gesellschaftliche Spaltung, ergänzt die Kreisvorsitzende der Linken Inge Sturm. Ihr Rezept: „Der Landkreis beziehungsweise das Gesundheitsamt muss dringend eine kostenfreie Versorgung mit FFP2-Masken sicherstellen.“ Und das für alle Bürger, so Die Linke.

Gestiegene Nachfrage lässt Preise steigen

Nur für den Hinterkopf, damit sind knapp 246.000 Menschen gemeint. OP-Masken sind mitunter für 50 Cent das Stück zu erwerben. Damit schützt man in der Regel nur das Umfeld, nicht aber sich selbst. Für einen guten Eigenschutz ist die FFP2-Maske nötig, die allerdings teurer ist. Die gestiegene Nachfrage lässt dabei die Preise durchaus noch klettern. Seit Bekanntwerden der Maskenpflicht-Verschärfung sind entsprechende Masken auch nicht mehr überall so leicht wie bisher zu bekommen.

Immerhin: Wer FFP2-Masken maximal ausschöpfen will, kann sie nach Gebrauch eine Stunde bei 80 Grad bei Ober- und Unterhitze (nicht Umluft) im Backofen desinfizieren und dann wieder nutzen.

von Götz Schaub

24.01.2021
24.01.2021