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Marburg Corona-Quarantäne: So kann man Kinder bespaßen
Marburg Corona-Quarantäne: So kann man Kinder bespaßen
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19:18 01.04.2020
Corona und Kinderbetreuung - Tom (8 Jahre) macht seine Schulaufgaben. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Tausende Eltern im Landkreis Marburg-Biedenkopf stehen wegen des Coronavirus, einer freiwilligen oder verhängten Quarantäne vor der Aufgabe, die Kinder wochenlang zu Hause zu betreuen. Wie soll das gelingen, ohne dass die Jungen und Mädchen, die sonst in Schule, Krippen oder Kindergärten gehen, unter dieser Situation leiden? Für die OP-Leser geben der Deutsche Kinderschutzbund und Erziehungsberater praktische Tipps.

„Kinder nehmen die Krisensituation wahr, sie spüren auch die Belastung der Eltern. Kinder sind schon früh sehr empathisch und machen sich große Sorgen um ihre Mitmenschen. Aufklärung nimmt Ängste und manch einer bisher unausgesprochenen Befürchtung kann in solchen Gesprächen die Wucht genommen werden“, sagt Heinz Hilgers, Präsident des Kinderschutzbundes im Hinblick auf die altersgerechte Thematisierung der Corona-Gefahr in Familien. Die konkreten Ratschläge der Kinderschützer fangen – neben „positiver Grundeinstellung zur Situation“ – mit einem regelmäßig gleichen vorgelebten Verhalten der Erwachsenen an: Entweder eine feste Tagesstruktur festlegen, also Routinen vom Aufstehen, über feste Zeiten für Lern- und Spieleinheiten und geregelter Mittagspause bis zum Ins-Bett-Bringen – oder eben, wenn es für die jeweilige Familie so besser passt, genau das Gegenteil: offen und flexibel, eine Handhabung fast wie in regulären Ferien. Und das soll – neben Lernbücher lesen – konkret gegen den kindlichen Corona-Koller helfen:

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– Kinder-Fernsehen wie „Sendung mit der Maus“ schauen (zumal diese ab sofort täglich ausgestrahlt wird und Folgen in Mediatheken zu finden sind). Alternativ für Drei- bis Sechsjährige: Sendung mit dem Elefanten (Kinderkanal / Mediatheken). Laut Bundesfamilienministerium ist es – in normalen Lebenslagen – ratsam, dass Kinder zwischen 3 und 5 Jahren nicht mehr als 30 Minuten pro Tag fernsehen, Kinder zwischen 6 und 9 Jahren nicht mehr als 45 Minuten und Kinder ab 10 Jahren nicht mehr als 60 Minuten. Aber eben in normalen Lebenslagen.

– Backen: Brot, Plätzchen, Kuchen – das Mischen, Matschen, Kneten und Formen sowie das Mithelfen generell gefällt schon den Kleinsten.

– Abenteuerreisen oder Schatzsuche bauen: Errichten Sie einen Parcours aus Hindernissen zum Überspringen, Robben, Klettern oder Balancieren. Spiele wie „der Boden ist Lava“ oder „Feuer-Wasser-Sturm“ bieten sich an. Überhaupt: Bauen und basteln, aus fast allem was sich im Haushalt findet, lässt sich etwas machen – von der Klopapierrolle bis zum Pappkarton aus dem Altpapier. Überhaupt: Fantasie fördern und Thementage ausrufen, an denen jedes Familienmitglied in eine Rolle schlüpft – vom Piraten bis zur Fee.

– Das Fenster als Bildschirm-Ersatz: Was ist das eigentlich für ein Vogel, der auf dem Baum sitzt? Was für ein Auto fährt dort vorbei oder Spiele wie „Ich sehe was, das du nicht siehst“.

– Ein Familien-Tagebuch oder eine Fortsetzungsgeschichte schreiben: Jeder darf ein Stück des Werks verfassen, dann ist im Wechsel der Nächste dran.

– Hausputz und Aufräumen, alte Spielsachen ausmisten –auf spielerische und motivierende Art und Weise (realistische Beschäftigungsdauer: bei Dreijährigen etwa 15 Minuten, bei Zwölfjährigen eineinhalb Stunden).

– Gemeinsam Urlaubsfotos sowie Reise-Videos anschauen und dabei die nächste Reise planen.

Erziehungsberaterin Nicola Schmidt sagt: „Was nicht geht: Kinder zwei Wochen vor irgendeinem Bildschirm zu parken.“ Denn Kinder könnten diesen Stress in den eigenen vier Wänden ohne Tobemöglichkeit draußen nur schlecht abbauen – im Gegenteil: „Sie drehen immer mehr auf.“ Daher: Neben zeitlichen TV-Begrenzungen vor allem für Bewegung sorgen, sei es über Zimmertrampoline, Gummitwist, Springseile oder andere Mittel. Und auch dafür gibt es noch einen konkreten Tipp: 

– Sport und Spaß mit oder ohne Youtube-Videos, etwa Tanzen, Springseil-Springen, Workout oder einfach gemeinsam zappeln.

Von Björn Wisker

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