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Marburg Nur ein Schul-Schnelltest pro Woche?
Marburg Nur ein Schul-Schnelltest pro Woche?
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15:58 25.03.2021
Der Testlauf für Corona-Schnelltests an der Richtsberg-Gesamtschule ist rund zwei Wochen her.
Der Testlauf für Corona-Schnelltests an der Richtsberg-Gesamtschule ist rund zwei Wochen her. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Die Corona-Testungen an Marburger Schulen sind zwar angelaufen. Doch von regelmäßigen Schnelltests ist man in der Universitätsstadt – wie anderswo in Hessen – noch weit entfernt. „Tests sind aus unserer Sicht ein wichtiger Baustein, um die Corona-Pandemie und die steigenden Inzidenzen wieder in den Griff zu bekommen“, sagt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD).

Nach einem Probelauf an der Richtsberg-Gesamtschule vor etwa zwei Wochen, bei dem sich nach Anleitung durch eines von 120 Test-Teams die Schüler selber testeten, steht dieses Procedere seit diesem Dienstag an zehn weiteren Schulen an; gestern an der Martin-Luther-Schule. Allerdings können sich Schüler und Lehrer in Marburg bis zu den Osterferien nur einmal testen.

Dabei hatte das Bundeskanzleramt Anfang der Woche sogar vor, mehrfache Tests zu einer Bedingung für das Offenhalten von Schulen und Kitas in ganz Deutschland zu machen. Ein Punkt, der so dann von den Bundesländern aus der Vorlage gestrichen wurde. Das hessische Kultusministerium sagt für die Zeit nach den Osterferien nun einen Test je Woche für alle, darunter alleine 750 000 Schüler zu. Was einen zweiten Test angeht, verweist das Land auf das Angebot der allgemeinen kostenfreien Bürgertests etwa in den mehr als 500 Teststellen.

Vorbild: das „Tübinger Modell“

In Marburg gibt es die Möglichkeit am Messeplatz, ab heute 14 Uhr auch im Haus der DRK-Schwesternschaft in der Deutschhausstraße 21. Im Landkreis: in Stadtallendorf, Fronhausen, Amönau und Friedensdorf. Lehrkräfte und das weitere Schulpersonal – landesweit 100 000 Personen – hätten zudem die Möglichkeit zu einem wöchentlichen Gratis-Schnelltest in Arztpraxen, heißt es vom Land. Nach OP-Informationen hakt es neben der Zahl vor Ort verfügbarer Tests in Schulen aber mitunter auch an den Einverständnis-Erklärungen der Eltern. Das aber wohl weniger wegen grassierender Test-Skepsis, sondern weil es Probleme bei der technischen Übermittlung von pro Schule oft Hunderten nötigen Genehmigungen gibt. Die Stadtspitze betont so oder so die Freiwilligkeit, kein Kind dürfe vom Unterricht ausgeschlossen werden.

Tests von Kita-Kindern halten Experten grundsätzlich für deutlich schwieriger umsetzbar, auch in Marburg soll sich ein erster Probelauf zuletzt als unpraktikabel erwiesen haben. Marburg will jedenfalls mit dem aktuellen Vorgehen in Schulen im Hinblick auf die Nach-Osterzeit „Erfahrungen sammeln“.

Bereits vor den ersten Schulöffnungs-Schritten im Februar gab es in Marburg Forderungen aus der Kommunalpolitik nach einer kommunalen Teststrategie speziell für die rund 12 000 Schüler und Lehrer. Als Vorbilder gelten dabei Städte wie Tübingen, Böblingen oder Rostock, die sich eigenständig auf den Anti-Corona-Weg machten (die OP berichtete).

Jetzt regt auch Dr. Bernhard Conrads, langjähriger Lebenshilfe-Geschäftsführer gegenüber der OP eine Übernahme des „Tübinger Modells“ – das seit Monaten auch ständige Tests in Seniorenheimen vorsieht – durch die Universitätsstadt an. In der baden-württembergischen Stadt laufen mittlerweile Test-gestützte Öffnungen, in Rostock konnten am Wochenende Hunderte ein Spiel im Fußballstadion sehen.

Teststellen-Übersicht:www.corona-test-hessen.de

Von Björn Wisker